Technik
In die Lizenzen der spanischen Liga investierte Konami auch bei PES 2013. Nach den Original-Teams und Spielern der deutschen Bundesliga sucht man leider wieder vergeblich.
In die Lizenzen der spanischen Liga investierte Konami auch bei PES 2013. Nach den Original-Teams und Spielern der deutschen Bundesliga sucht man leider wieder vergeblich.

Konter von PES 2013: Keine Lust auf Offensive

Von Roland Peters, Volker Probst und Christian Rothenberg

Fußball ist taktisch, aber es fallen trotzdem Tore. Ja, Pro Evolution Soccer ist ein Schritt in Richtung Realismus. Die Unberechenbarkeit der Serie haben die einen geliebt, die anderen gehasst. Sechs Beobachtungen zum PC- und Konsolenspiel PES 2013, dem Hauptkonkurrenten der Fifa-Reihe.

Konami fordert den Spielern nicht viel Mühe ab: Cassilas, Pepe, Ronaldo & Co. sind optisch toll getroffen.
Konami fordert den Spielern nicht viel Mühe ab: Cassilas, Pepe, Ronaldo & Co. sind optisch toll getroffen.

Fifa 13 führt die Verkaufscharts derzeit an, auf jeder Plattform. Doch der Widersacher aus dem Hause Konami hat seine Qualitäten. Drei Redakteure von n-tv.de haben zum Controller gegriffen und sich vor dem Flachbildfernseher getroffen.

Offensiv ist defensiv

Drei Stürmer plus drei offensive im Mittelfeld, und trotzdem kaum eine Chance vorne – wenn der Gegner die richtigen Mechanismen in der Abwehr findet, hilft alle Offensive nichts. Und irgendwann geht ein Konter auch mal rein. Die Spielgeschwindigkeit hat Konami bei PES 2013 gedrosselt, damit es realistischer wird. Gut, dass es eine Einstellung gibt, um gegenzusteuern. Ansonsten hätte es drei schlaftrunkene Redakteure gegeben. Und Lionel Messi wäre zum Marko Marin verkommen.

Passen ist Können

Den Ball zum Mitspieler bekommen, war in der Vergangenheit leichter als alles andere – einfach die entsprechende Taste betätigen. Inzwischen bestimmt die Länge des Drückens, wie stark der Ball in Richtung Mannschaftskamerad geht, auch in welche Richtung, ist zu 100 Prozent Sache des Spielers. Neu ist auch der Pfeil, mit dem auf Tastendruck die Richtung des Passes gewählt werden kann. Das komplette Ausschalten der Passhilfe ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber gut. Noch mehr Können ist bei den ebenfalls komplett steuerbaren Schüssen nötig. Wieder eine Großchance vergeben? Hilfe anschalten funktioniert natürlich auch. (rpe)

Mitspieler mit Köpfchen

Schüsse und Tore aus allen Lagen, auch das macht die PES-Serie seit Jahren so beliebt.
Schüsse und Tore aus allen Lagen, auch das macht die PES-Serie seit Jahren so beliebt.

Ob an der Konsole oder auf dem Bolzplatz: Den menschlichen Mitspieler kann man immer anbrüllen. Das ist wichtig. Immer wenn das Anspiel ins Aus, der Schuss in den Himmel und das Tackling daneben geht, muss der Frust ja irgendwie raus. Mit dem Computer kann man dagegen schlechter schimpfen. Dabei war die Verärgerung vor allem im Einzelspielermodus von PES stets programmiert. Zu häufig taten sich die Mitspieler schwer beim Mitdenken. Sie liefen sich nicht frei und trabten treudoof herum.

Doch das ist jetzt weitgehend Geschichte. Denn Konami hat der künstlichen Intelligenz seiner Flügelflitzer einen deutlichen Anschub spendiert. Sie bieten sich jetzt an und laufen schön in die Spitze, wenn ich nach einem beherzten Solo zum Uwe-Bein-Gedächtnis-Pass ansetze. Doch die neue Intelligenzoffensive hat auch einen Nachteil. So steht der Computergegner von nun an auffallend kompakt in der Defensive. Immer wieder lässt er mich in die Abseitsfalle rennen.

Und schon wieder keine Stimmung, PES!

Die Stadien sind optisch schön anzusehen, doch akustisch kommen die Emotionen leider längst nicht an die Realität herän.
Die Stadien sind optisch schön anzusehen, doch akustisch kommen die Emotionen leider längst nicht an die Realität herän.

Eine PES-Kritik kommt nicht aus ohne einen Blick zur Fifa-Serie. Auf die Bundesliga-Lizenzen muss man leider wieder verzichten. Die mickrigen 150 lizensierten Klubs stehen 30 vollständigen Ligen beim Spiel von EA Sports gegenüber. Während Konami dieses Handicap so schnell wohl nicht ausgleichen wird, lassen die Entwickler leider auch andere Baustellen der Rubrik "Drumherum" wieder liegen. Während die Zuschauer in den Fifa-Stadien teilweise für Gänsehaut sorgen, mag bei PES nicht so recht Stimmung aufkommen. Die hallenden und monotonen Fangesänge sind eher einschläfern als aufwühlend. Es gibt keine Choreographien, keine Einpeitscher am Rande, keine Reservespieler, die sich am Spielfeldrand warm machen – die Fußballkultur in den real existierenden Stadien ist virtuell noch deutlich ausbaufähig.

Gleiches gilt für die Kommentatoren. Auch beim zwölften PES-Teil herrscht Stillstand im Wortschatz der Herren Hansi Küpper und Wolf-Christoph-Fuss. Dass die Ergüsse der beiden mit dem Geschehen auf dem Platz bisweilen wenig gemein haben, bleibt dem Spiel weiterhin treu. "Was war das für ein Kullerball", sagt Fuss zu meinem strammen Schuss, der das Lattenkreuz nur um Zentimeter verfehlt. Man kann ihn leider weder anbrüllen noch was fragen, was er sich dabei denkt - sondern nur abschalten. (cro)

Mitspieler ohne Köpfchen

Bei FIFA gab es früher eine ziemlich einfache Variante, um zumindest nach einigen Versuchen zum sicheren Torerfolg zu gelangen: mit dem Rechts- oder Linksaußen die Seitenlinie entlangsprinten, Ball irgendwie in die Mitte flanken und einköpfen. Die Macher von FIFA haben diesen plumpen Spielzug mittlerweile jedoch weitgehend ausgemerzt. Nichtsdestotrotz kann man nach einer Flanke oder Ecke noch immer Kopfballtore erzielen, vorausgesetzt, man probiert es nicht einfach nur auf gut Glück, sondern bringt auch seinen kopfballstarken Angreifer in die entsprechende Position.

Bei PES 2013 indes scheint man einer Chancenverwertung auf diese Art und Weise gleich rigoros den Riegel vorschieben zu wollen. Auch nach mehreren Stunden am Controller will mir einfach kein Kopfballtor gelingen. Gibt es da einen Trick? Können das nur wirkliche Vollprofis? Oder ist man da bei PES über das Ziel hinausgeschossen und hat die Funktion womöglich gar komplett deaktiviert?

FIFA vs. PES

Eigentlich hatte ich auf das Spiel mit den Kollegen ja gar keine Lust. PES hatte ich als bislang eingefleischter FIFA-Freund noch nie gespielt. Und nachdem Kollege Peters MICH, den FIFA-Gott, das letzte Mal doch tatsächlich auf heimischem Terrain abgezogen hatte, schwante mir bei meinem PES-Debüt Fürchterliches. Aber, siehe da: Ha, von wegen! Nass gemacht habe ich ihn. Insofern: Punkt für PES. Doch auch wenn man derart persönliche Eitelkeiten außen vor lässt, muss man zugeben: Von Handling, Spielfluss und Spaßpotenzial nehmen sich die beiden Fußball-Klassiker - anders, als von einem FIFA-Jünger erwartet - nicht wirklich viel.

Nur bei der Grafik hat FIFA dann doch noch ein Stück weit die Nase vorn. Insbesondere bei den Nahaufnahmen wirkt PES im direkten Vergleich ein wenig hölzern. Insofern ist es ein wenig wie bei Deutschland gegen Schweden. PES gleicht noch zum 4:4 aus - aber wirklich nur mit Ach und Krach und in der allerletzten Minute. (vpr)

"Pro Evolution Soccer 2013" (Konami) ist erhältlich für PC, PS3 und X360, ab 35 Euro

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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