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(Foto: Motorola/kwe)

Das Razr ist eine scharfe Flunder: Macht Motorola alle platt?

von Klaus Wedekind

Motorola will mit dem Razr in der Superphone-Klasse ein großes Wörtchen mitreden. Die Chancen dafür stehen gut. Denn das Razr hat einen großen und scharfen Bildschirm, viel Kraft unter der Haube und sticht mit einem außergewöhnlichen Design aus der Konkurrenz heraus.

Das Motorola Razr ist ein Smartphone, das beweist, dass man auch in der absoluten Oberklasse noch Geräte bauen kann, die zumindest äußerlich einen ganz eigenen Weg gehen. Der US-amerikanische Androide ist extrem groß, dünn und stark. Das Telefon nimmt eine Fläche von 130,7 x 68,9 Millimetern ein, ist an der flachsten Stelle nur 7,1 Millimeter dick und 127 Gramm leicht. Die Kamera und alle Anschlüsse hat Motorola ganz nach oben in eine Wulst an der Stirnseite verlagert. Dadurch ist das Telefon bis zur Ein-Aus-Taste gertenschlank. Ist es zu groß? Für große Hände ganz sicher nicht. Wer zierlich gebaut ist und Smartphones gerne mit einer Hand bedient, sollte aber besser zu einem anderen Gerät greifen.

Das Razr duldet keine Schmierereien

Der Super-AMOLED-Bildschirm ist 4,3 Zoll groß und bietet mit 540 x 960 Pixeln eine qHD-Auflösung. Passend zum äußerst robusten Gehäuse verwendet Motorola beim Touchscreen des Razr Gorilla Glass der US-Firma Corning, das extrem kratzfest ist. Durch eine Spezialbeschichtung ist das Display außerdem besonders schmutzabweisend. Fett bleibt auf ihm so gut wie gar nicht haften. Falls doch mal ein paar Schlieren auf dem Glas zu sehen sind, kann man sie sogar mit den Fingern wegwischen. Physische Tasten hat das Razr auf der Vorderseite nicht.

Die Rückseite des Motorola Razr ist mit Kevlar verstärkt.
Die Rückseite des Motorola Razr ist mit Kevlar verstärkt.(Foto: Motorola)

Die Ecken des Telefons sind leicht abgeschrägt, was nicht nur dem Design, sondern auch dem Tragekomfort dient. Das sauber verarbeitete Razr liegt sehr gut in der Hand und die samtig gummierte Rückseite fühlt sich angenehm an. Zusätzliche Sicherheit bietet ein rundum laufender Gummistreifen zwischen Rahmen und Display, der nur durch die ebenso dünnen Ein-Aus- und Lautstärketasten auf der rechten Seite unterbrochen wird. Einerseits verhindert der Streifen, dass das Gerät entgleitet, zum anderen dürfte er auch das Telefon bei einem Sturz auf die Kanten vor schlimmeren Schäden bewahren.

Der Akku muss durchhalten

Die schlanke und solide Bauweise erkauft Motorola unter anderem durch einen fest eingebauten Akku. Deswegen befinden sich die Einschübe für Micro-SIM- und SD-Karte im Rahmen auf der linken Seite unter einem Klappdeckel. Er lässt sich ohne Schmerzen öffnen und sitzt geschlossen bombenfest - so muss es sein.

Auch die inneren Werte des Motorola Razr sind nicht von Pappe: Ein 1,2-Gigahertz-Doppelkern-Prozessor, der auf 1 Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM) zugreifen kann, sorgt für Höchstleistung. Von 16 Gigabyte internem Speicher (ROM) kann man 11,5 Gigabyte frei nutzen. Wer mehr benötigt, kann microSD-Karten mit bis zu 32 Gigabyte einstecken. Die alltäglichen Aufgaben erledigt das Razr ohne zu zögern und kommt auch bei harter Arbeit nicht ins Schwitzen. Alllerdings ist das Droid Razr ein echter Spätstarter: Bis es hochgefahren ist, vergeht gefühlt eine halbe Ewigkeit.

Der Bildschirm des Razr bietet leuchtende Farben, schwächelt aber ein klitzekleines bisschen bei der Text-Darstellung.
Der Bildschirm des Razr bietet leuchtende Farben, schwächelt aber ein klitzekleines bisschen bei der Text-Darstellung.(Foto: Motorola)

Der Akku leistet 1780 Milliamperestunden und konnte im Test absolut überzeugen. Auch abends hatte die Batterie nach überdurchschnittlichen Gebrauch des Telefons noch Reserven. Allerdings sollte man in den Einstellungen des Bildschirms die automatische Helligkeitsregelung aktiviert lassen.

Der 4,3 Zoll große Touchscreen (Super AMOLED Advanced) bietet mit 540 x 960 Bildpunkten eine Pixeldichte von 256 ppi. Texte stellt das Display damit aber nicht rasiermesserscharf dar. Wenn man die Helligkeit hochregelt, ist auch ein Raster (Matrix) zu sehen. Dramatisch ist dies aber nicht, sondern eher Nörgeln auf hohem Niveau. Die Farben wirken sehr realistisch und intensiv und ein AMOLED-Blaustich bei schrägem Blickwinkel ist nur schwach wahrnehmbar. Fotos und Videos sind sehr kontrastreich.

Die Kamera rauscht durch die Nacht

Größter Schwachpunkt des Razr ist seine 8-Megapixel-Kamera. Im Tageslicht nimmt sie gute Fotos und Videos auf. Sobald das Licht aber schwächer wird, nimmt die Qualität der Bilder rapide ab und Videos sind kaum noch scharf zu bekommen. Gut ist aber, dass man die Kamera auch direkt aus dem Lockscreen heraus aktivieren kann. Auf der Vorderseite hat das Razr eine 1,5-Megapixel-Kamera für Videotelefonie.

Die weitere Ausstattung bietet im Prinzip alles, was ein "Superphone" haben muss. Das Razr hat aber auch ein Extra an Bord, das bei den meisten Konkurrenten fehlt und erlaubt sich eine kleine Blöße, die Mitbewerber nicht zeigen. So bietet das Motorola-Flaggschiff einen HDMI-Ausgang, verzichtet aber auf einen (funktionierenden) Gyroskop-Sensor, mit dem Smartphones Rotationsbewegungen erkennt. Wichtig ist so ein Sensor beispielsweise für Apps, mit denen Nutzer sich virtuell umsehen können (Augmented Reality). Angeblich hat das Razr einen Kreiselkompass an Bord, der mit neuen Treibern funktionieren soll. Bisher zeigt die Diagnose-App "Elixir 2" jedenfalls an, dass kein Gyroskop verfügbar ist.

Ice Cream Sandwich unterwegs

Motorola lieferte das Testgerät mit Android 2.3.5 aus, ein Update auf Ice Cream Sandwich (Android 4) soll aber schon bald kommen. Über das Betriebssystem hat Motorola seine Oberfläche Motoblur gelegt, die nicht unbedingt nötig ist, aber dem Nutzer eine Reihe von nützlichen Widgets bietet. Am meisten konnte im Test das Sozialnetzwerk-Widget überzeugen. Es stellt Neuigkeiten in Facebook, Twitter oder andere Dienste übersichtlich dar und blendet einzelne Streams auf Wunsch ein oder aus. Schade, dass Google+ noch nicht integriert ist.

Interessant ist auch der Assistent "Intelligente Aktionen", der das Nutzerverhalten analysiert und darauf basierend Vorschläge für optimierte Alltags-Einstellungen macht. Dazu gehören beispielsweise Energiesparpläne oder die automatische Deaktivierung des Klingeltons im Büro. Nutzer können Vorschläge übernehmen, bearbeiten oder eigene Regeln aufstellen.

Motorolas Flaggschiffe haben auch Zugriff auf die hauseigene Cloud "Motocast". Nutzer können auf Motorolas Servern Fotos, Videos, Musik und Dokumente speichern, auf die sie entweder mobil oder vom Heim-Computer jederzeit zugreifen können. Musikfans können bei Motocast ihre gesamte Sammlung ablegen und die Songs auf ihr Telefon streamen oder herunterladen. Die App kann außerdem Podcasts oder Internet-Radiosendungen suchen und abspielen.

Außerdem bietet Motorola an, das Telefon via Motocast zu sichern. Nutzer können beispielsweise gestohlene Smartphones orten lassen und per Fernzugriff Daten löschen oder das Gerät sperren. Um Businesskunden anzulocken, ermöglicht Motorola eine Datenverschlüsselung auf Telefon und SD-Karte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Motorola mit dem Droid Razr ein tolles Smartphone gelungen ist, das ganz klar in die Spitzengruppe der Superphones gehört. Die genaue Platzierung hängt von den Präferenzen der Nutzer ab. Wer ein ultrasolides Gerät mit außergewöhnlichem Design sucht, liegt beim Razr jedenfalls goldrichtig. Auch preislich ist das Motorola-Flaggschiff absolut wettbewerbsfähig: Im Internet ist es bereits für rund 450 Euro zu haben.

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Quelle: n-tv.de

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