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Tablet und Windows 8 vor Verkaufsstart: Microsofts Surface nur der Anfang

Apple ist in den vergangenen Jahren deutlich innovativer gewesen als Microsoft. Dessen neues Betriebssystem Windows 8 soll nun der große Wurf werden. Doch deutsche Unternehmen warten ab - und könnten am Ende ganz auf einen Umstieg verzichten, wie manch Marktforscher vermutet. Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigt indes weitere Hardware an.

Am Freitag beginnt die Aufholjagd: Der US-Softwareriese Microsoft will mit seinem neuen Windows-Betriebssystem die Gunst der Verbraucher zurückerobern. Die achte Version des Klassikers ist insbesondere auf Tablet-PCs zugeschnitten, die sich über Berührungen auf dem Bildschirm steuern lassen. Passend dazu ist der zeitgleiche Verkaufsstart von Microsofts Tablet Surface.

Steve Ballmer ließ sich keine Einzelheiten entlocken.
Steve Ballmer ließ sich keine Einzelheiten entlocken.(Foto: dapd)

Die Rivalen Apple und Google waren mit ihren Systemen dem einstigen Pionier zuletzt weit voraus und teilten mit iOS und Android den Markt für die Basissoftware mobiler Rechner neben den klassischen Laptops weitgehend unter sich auf. Erst jetzt steigt Microsoft mit seinem Tablet "Surface" auch ins Hardwaregeschäft ein. Diesen Weg wird das Unternehmen fortsetzen, wie Steve Ballmer bei der BBC ankündigte. Details nannte er nicht.

Verzicht statt Abwarten?

Microsoft verließ sich zuvor auf seine Stärke bei Unternehmenskunden, die für Bürorechner nach wie vor Windows einsetzen. Doch die kommende Version scheint Firmen wenig zu interessieren. "Windows ist mehr auf Konsumenten zugeschnitten als auf Geschäftskunden. Derzeit macht ein Einsatz für Firmen kaum Sinn", sagt Doug Johnson, Risikochef beim Amerikanischen Bankenverband. "Es gibt augenscheinlich keine zusätzlichen Funktionen."

Auch in Deutschland, wo viele Unternehmen noch gar nicht den Wechsel von Windows XP auf Windows 7 vollzogen haben, herrscht wenig Begeisterung. So will etwa Volkswagen, die erst kürzlich 60.000 Rechner auf die Version 7 umgestellt haben, den Nachfolger in nächster Zeit nicht installieren. "Wir sind gespannt auf unsere Tests mit den Tablet-Funktionen", erklärte der IT-Chef des Autobauers, Martin Eickhoff.

Das Zögern bei der Einführung ist speziell für große Unternehmen nicht ungewöhnlich. In der Regel warten sie zwölf bis 18 Monate, bevor sie mit den Planungen für einen Systemwechsel beginnen. Abgesehen von der unpopulären Vista-Variante vergehen in der Regel zwei bis vier Jahre, bis die Mehrheit umsteigt.

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Allerdings könnte dieser Mechanismus diesmal ganz ausbleiben. Analyst Michael Silver vom Marktforscher Gartner erwartet, dass Unternehmen die neue Version kaum annehmen. "Wir glauben, dass 90 Prozent der Großorganisationen Windows 8 nicht im nennenswerten Umfang ausbringen werden. Auf dem Höhepunkt werden vielleicht ein Fünftel aller Unternehmensrechner mit Windows 8 laufen."

Für Microsoft ist das allerdings keine Katastrophe. Zum einen stammen 40 Prozent des Umsatzes der Amerikaner aus mehrjährigen Lizenzverträgen mit Großabnehmern, bei denen es egal ist, welche Version von Windows auf den Computern der Kunden läuft. Zum anderen hat das Betriebssystem als Einnahmequelle für Microsoft an Bedeutung verloren.

Keine Trennung mehr

In der Microsoft-Zentrale will man von der klassischen Trennung zwischen Privat- und Gewerbenutzern nicht mehr viel wissen. "Die Abgrenzung zwischen Konsumenten und Unternehmen verschwimmen", sagte Firmenkundenchef Ron Markezich. "Businesskunden freuen sich auch auf Windows 8 weil sie keine Kompromisse zwischen Tablets und PCs machen müssen." Der neue Deutschland-Chef Christian Illek verweist auf die wachsende Bedeutung von Tablets und Smartphones. "Das Wachstum liegt im Consumer-Bereich, bei Tablets und Smartphones, nicht im PC-Markt", sagte er. "Ich glaube, dass dort Microsoft einen Fußabdruck hinterlassen muss und wird."

Durch die generell wachsende Ausrichtung der IT auf die Ansprüche der Nutzer spiele Windows 8 für Tablet-Rechner auch für Unternehmen eine wichtige Rolle. Die Geräte könnten mit Microsoft-Programmen besser in bestehende Firmennetze eingebunden und spezielle Geschäfts-Apps entwickelt werden. "Das ist ein großes Thema für unsere Kunden", sagte Illek. Zudem ermögliche eine wachsende Auswahl an Tablets günstigere Preise für die Einkäufer. Er räumte allerdings ein: "Den Erfolg von Windows 8 wird man nicht in zwei Quartalen sehen. Das ist eine lange Wegstrecke."

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Quelle: n-tv.de

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