Technik

RIM versucht's ohne Tastatur: Neues Blackberry mit Touchscreen

Die nächste Blackberry-Generation entscheidet über die Zukunft des angeschlagenen Anbieters RIM. Der Wechsel zum neuen Betriebssystem läuft bisher schleppend, jetzt wirbt RIM verstärkt um App-Entwickler. Für die sind iPhones und Androiden allerdings deutlich attraktiver, denn RIMs Marktanteile gehen den Bach herunter.

Keine Tasten erkennbar: So sieht der Prototyp des Blackberry 10 aus.
Keine Tasten erkennbar: So sieht der Prototyp des Blackberry 10 aus.(Foto: REUTERS)

RIM verabschiedet sich von der klassischen Blackberry-Tastatur. Auf der Entwicklerkonferenz Blackberry World stellte der kriselnde Blackberry-Hersteller erstmals das neue Betriebssystem Blackberry 10 vor, das auf den Blackberrys der neuen Generation laufen soll. Wie die fertigen Geräte aussehen werden, ist noch unklar, als Arbeitsgeräte für die Entwickler verteilte RIM aber schonmal 2000 Exemplare des "BlackBerry 10 Dev Alpha" genannten Prototypen.   

Die Prototypen, die der neue RIM-Chef Thorsten Heins vorstellte, haben einen 4,2 Zoll großen berührungsempfindlichen Bildschirm statt der klassischen Tastatur. Dennoch soll Tippen komfortabel bleiben, dafür soll die Worterkennung der virtuellen Tastatur sorgen. Schon bei den Anfangsbuchstaben blendet das System das von ihm erwartete Wort ein, mit einer kurzen Wischbewegung wird es bestätigt. Auch auf die Kamera ist man bei RIM stolz: Sie ermöglicht es den Nutzern, auch Momente vor oder nach dem Auslösen auszuwählen.

Ist die Talfahrt zu stoppen?

Wann die neuen Blackberrys in den Handel kommen, hat RIM offen gelassen. Allzu viel Zeit sollten sich die Kanadier aber nicht lassen, denn mit den aktuellen Modellen geht es für die Blackberry-Plattform steil bergab. Das neue Betriebssystem Blackberry 10 und die damit verbundenen neuen Geräte sind die großen Hoffnungsträger von RIM. In der Branche gibt es jedoch Skepsis, ob das gelingen wird. Im vergangenen Quartal halbierte sich der Anteil der Blackberrys am Smartphone-Markt nach Zahlen der Marktforschungsfirma IDC auf 6,7 Prozent.

Auch die Software-Entwickler schreiben viel lieber Apps für Apples iPhones und oder für die meistgenutzte Smartphone-Plattform Android. RIM hat mit dem Playbook-Tablet auch einen iPad-Konkurrenten im Angebot, der sich bisher jedoch nur schwach verkaufte und App-Programmierer nur mäßig anzog. Deswegen buhlt der Konzern jetzt so aktiv wie noch nie um die Aufmerksamkeit der Software-Entwickler. Mit den ausgehändigten Prototypen können diese noch keine Anrufe machen oder sich mit drahtlosen Netzen verbinden. Die Technik dafür ist laut RIM-Manager Alec Saunders aber bereits in den Geräten enthalten und soll  später per Software-Update aktiviert werden, sagte.

Stabilität als Stärke

Blackberry 10 basiert auf dem Betriebssystem QNX, das bisher zum Beispiel in Industrieanlagen, Auto-Bordcomputern sowie Atomkraftwerken und Militärtechnik zum Einsatz kommt. Die Blackberrys sollen damit entsprechend stabil und effizient laufen, betonte Heins. Der einstige Manager der Siemens-Mobilfunksparte übernahm Anfang des Jahres die Führung bei RIM und will die Abwärtsspirale stoppen. Zugleich lässt er alle Optionen für das Unternehmen bis hin zu einem Verkauf prüfen.

RIM war mit seinen vor allem auf E-Mail spezialisierten Telefonen ein Pionier im Smartphone-Markt und konnte vor allem viele Unternehmen und Behörden als Kunden gewinnen. Doch das iPhone und die vergleichsweise günstigen Android-Modelle zahlreicher Hersteller nahmen den Blackberrys zuletzt den Wind aus den Segeln. Unter anderem setzte das Unternehmen zu lange auf die klassischen Mini-Tastaturen. Mit dem Modell Blackberry Storm experimentierte RIM zwar schon mit einem Touchscreen, der bei Druck leicht nachgab und damit eine Tastatur imitieren sollte, das Telefon war jedoch kein Hit.

Quelle: n-tv.de

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