Technik
Barack Obama bei einer Rede im umkämpften Bundesstaat Ohio.
Barack Obama bei einer Rede im umkämpften Bundesstaat Ohio.(Foto: REUTERS)

Star Wars am White House, Hohn bei Amazon: Obama und der Spott der Bilder

Von Roland Peters

Der US-Präsident Obama holte seinen Wahlsieg vor vier Jahren auch mit einer Kampagne im Netz. Wenn seine Gegner versuchen, Internet-Meme gegen den Demokraten zu verwenden, vereinnahmt er sie, stellt sich mit dem Lichtschwert vors Weiße Haus oder beendet seine Antworten mit vermeintlichen Insider-Witzen. Der Spott perlt an ihm ab.

Wenn Barack Obama das US-Präsidentschaftsrennen erneut machen sollte, wird es ein Sieg der besseren Kommunikation sein. Franklin D. Roosevelt hatte in Zeiten der globalen Krise und des 2. Weltkrieges das Radio. John F. Kennedy erkannte das Potenzial des Fernsehens und bereitete sich entsprechend auf das erste Rededuell gegen Richard Nixon im Jahr 1960 vor. Und Barack Obama nutzte 2008 das Internet wie kein Kandidat vor ihm.

Bekannte Beispiele des "Hope"-Mems.
Bekannte Beispiele des "Hope"-Mems.(Foto: knowyourmeme.com / Screenshot n-tv.de)

Neben all den Geschichten, die nach dem Wahlsieg der Demokraten vor vier Jahren häufig genug erzählt wurden – die politische Graswurzel-Bewegung pro Obama, die Masse an Kleinspenden online, die eigens für netzaffine Nutzer entworfenen Kampagnenteile – gibt es noch eine weitere. Etwa, wie der amtierende US-Präsident die immer wieder entstehenden Internet-Meme für sich nutzte und nutzt. Manche haben eine kurze Lebensdauer, doch die populären erreichen Millionen Suchergebnisse bei Google, manche werden noch immer fortgeführt.

Die Berichterstattung über politische Ereignisse basiert in den USA noch stärker auf visuellen Elementen als Europa. Meme, mit Grafikprogrammen bearbeitete und veränderte Fotos, verbreiten sich über Blogs und soziale Netzwerke besonders stark. Mit Anspielungen, Slogans oder kurzen Sätzen versehen, setzen sie häufig Vorwissen voraus, sind aber deshalb umso schlagfertiger.

Hope, Nope, Dope

Eines der wichtigsten Meme für Obama war und ist vielleicht noch immer "Hope", ein Wahlplakat, das ein Künstler auf Basis eines Fotos zeichnete. Das Poster wurde zu "einer der bekanntesten Grafiken in der Geschichte der amerikanischen Politik", schreibt die San Jose Mercury News, die eine "Best of"-Chronologie zusammengestellt hat.

Kryptonit als Kraftgeber - oder per "Superbama"-Anstecker.
Kryptonit als Kraftgeber - oder per "Superbama"-Anstecker.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Spöttische Internetnutzer erstellten ähnliche Zeichnungen – etwa mit dem Konterfei von der erzkonservativen Sarah Palin und "Nope" darunter. Oder Konkurrent John McCain und "Dope". Im aktuellen Wahlkampf versuchen die Republikaner das Mem zu ihrem Vorteil zu nutzen, etwa mit Hinweisen auf die Bilanz Obamas auf dem Arbeitsmarkt. Das Kalkül der Republikaner: es wurde noch nie ein Präsident im Amt bestätigt, wenn die Arbeitslosigkeit im Land höher als 7,2 Prozent war. Im Oktober lag sie bei 7,9 Prozent.

Die Graswurzel-Arbeit, die Obama ins Amt hievte, soll ihn auch dort halten. Im "swing state" Ohio etwa, der als Signalgeber gilt – in den vergangenen zwölf Wahlen gewann immer der Kandidat, der die dortigen Wahlmänner hinter sich wusste – haben die Demokraten 131 Wahlkampfbüros. Sein Widersacher Mitt Romney kommt auf 40.

"Born on Krypton"

Neben dem Superman-Mem, das Obama bei einer Rede nach seiner Wahl mit einem "I was born on Krypton" indirekt erwähnte (und er sich einmal demonstrativ in Pose stellte), war für seine Gegner vor allem der Teleprompter willkommen. Viele Bilder suggerierten, der Präsident lasse sich von dem Hilfsmittel steuern und sei deshalb inkompetent. Vergangenes Jahr wurde das Gerät dann gestohlen – und es ergoss sich erneut Häme über Obama.

Doch meistens nutzte der Demokrat die popkulturellen Bezüge zu seinem Vorteil. Wie etwa das populäre Star-Wars-Mem, das Obama befeuerte, als er mit einem Spielzeug-Lichtschwert auf dem Rasen vor dem Weißen Haus herumsprang. Noch immer gibt es eine Actionfigur vom Präsidenten samt violettem Lichtschwert. "Ab 18 Jahre" ist die Altersbeschränkung für einen Kauf bei Amazon - ebenso wie das aktive Wahlrecht in den USA.

Nicht schlecht, die Ordner

Vom derzeitigen Wahlkampf werden wohl besonders zwei Meme in Erinnerung bleiben – zunächst "Not Bad!", "Nicht schlecht!", das auf einen Besuch des US-Präsidentenpaares im britischen Buckingham Palace im Mai 2011 zurückgeht, als Obama und seine Frau die Mundwinkel nach unten ziehen. Auf einen Comicstrip folgten weitere Ausführungen – und bei einer "Frage und Antwort"-Veranstaltung schloss Obama eine Replik zu seinem Familienleben mit dem Hinweis, diese ganze "Erfahrung" sei "NOT BAD!" Entsprechende Kaffeetassen sind zu haben.

Das andere aktuelle Mem sind die "Binders full of women" Mitt Romneys, der mit einer Geschichte über seinen Kampf um Gleichberechtigung im zweiten TV-Duell mit Obama visuell verspottet wurde. Unter der Webadresse bindersfullofwomen.com ist inzwischen eine Sammlung von Frauenrechtsthemen zugänglich. Derweil legen die Macher der Simpsons dem Konservativen Montgomery Burns eben solche Ordner auf den Tisch. Und auf dem Mikroblog Tumblr werden noch immer täglich höhnische Bilder veröffentlicht – etwa von Frauen, die sich in überdimensionierte Ordner zwängen.

Bei Amazon gab ein Nutzer einem Büroordner die Höchstwertung von fünf Sternen. An sich nichts Ungewöhnliches, wohl aber die Begründung: "Ich wollte erst nur einen Stern vergeben, denn ich kann nur 53 Prozent von mir in diesen Ordner zwängen. Aber dann entschied ich, dass mir die anderen 47 Prozent egal sind."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen