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RIM bietet das Blackberry Playbook jetzt zum Kampfpreis an.
RIM bietet das Blackberry Playbook jetzt zum Kampfpreis an.(Foto: RIM)

Blackberry in der Sackgasse: RIM nicht mehr zu retten?

Dass RIM gezwungen ist, sein Playbook zum Spottpreis zu verramschen, ist nur der vorläufige Höhepunkt des Niedergangs eines ehemaligen Marktführers. Fehler reiht sich an Fehler und eine Katastrophenmeldung jagt die andere. Sollte auch noch das verschobene Betriebssystem Blackberry 10 ein Totalausfall werden, ist RIM kaum noch zu retten.

Die einst so stolze Marke Blackberry scheint dem Untergang geweiht zu sein. Zwar verkauft der kanadische Hersteller Research in Motion (RIM) immer noch Millionen Geräte. Aber im Vergleich zu Apples iPhone oder Android-Telefonen geht der Absatz von Blackberry-Geräten nicht nach oben, sondern immer steiler bergab. Zuletzt schockierte RIM seine Anleger mit der Aussicht von elf bis zwölf Millionen verkauften Blackberrys im vierten Quartal. Vor einem Jahr waren es noch fast 15 Millionen Geräte.

Auch der Versuch, auf dem von Apple neu eröffneten Tablet-Markt Fuß zu fassen, darf als vorerst gescheitert betrachtet werden. Das am 27. September 2010 in San Francisco vorgestellte Blackberry Playbook kam erst am 19. April 2011 in die Geschäfte und liegt dort wie Blei in den Regalen. Im Ersten Quartal setzte RIM rund 500.000 Geräte ab, im dritten nur noch 150.000. Apple verkaufte in diesen drei Monaten mehr als elf Millionen iPads. Als Resultat aus den desaströsen Absatzzahlen senkte RIM jetzt den Preis für das Playbook drastisch um 400 Dollar.

Entsprechend den schlechten Unternehmensmeldungen ging es mit der RIM-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten in den Keller. Zuletzt meldete das kanadische Unternehmen einen Umsatzrückgang im vergangenen Quartal um 6 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Von Fast 60 Dollar stürzte der Kurs innerhalb eines Jahres auf unter 15 Dollar ab.

Blackberry 10 oder LTE-Chip noch nicht fertig?

Eine weitere Katastrophe für das angeschlagene Unternehmen ist die Verschiebung der Einführung des neuen Blackberry 10, das RIM im Oktober auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco vorstellte. Der Kern des Betriebssystems basiert auf QNX, einer eingekauften Plattform. Es soll konkurrenzfähiger zu Apples iOS und Googles Android und sein und auch auf Tablet-Rechnern eine bessere Figur als aktuell Blackberry OS 7 machen. Ursprünglich wollte RIM erste Geräte mit Blackberry 10 schon Anfang dieses Jahres verkaufen. Jetzt plant es einen Marktstart Ende 2012.

Die RIM-Verwaltungsratschefs Jim Balsillie und Michael Lazaridis werden möglicherweise bald abgelöst.
Die RIM-Verwaltungsratschefs Jim Balsillie und Michael Lazaridis werden möglicherweise bald abgelöst.(Foto: RIM)

CO-CEO Mike Lazaridis sagte, Blackberry 10 sei verschoben worden, weil es noch keine Chips gebe, die den neuen Turbo-Mobilfunkstandard LTE unterstützen und gleichzeitig eine zufriedenstellende Akku-Laufzeit ermöglichen. Das einflussreiche Blog "Boy Genius Report" (BGR) will jedoch von einer ihrer "vertrauenswürdigsten Quellen" erfahren haben, dass für die fast einjährige Verzögerung Blackberry 10 verantwortlich ist. Es sei RIM bisher nicht gelungen, die für Blackberry berühmten sicheren E-Mail- und Messenger-Dienste zu integrieren. RIM setze seine Hoffnung auf ein System, das nicht mal so gut wie iPhone OS 1.0 oder Android 2.0 sei, sagte der Informant "BGR". RIM hat den Bericht zwar gegenüber "All Things Digital" dementiert. Aber auch diese Webseite hat eine Quelle bei RIM, die den "BGR"-Artikel zumindest für "plausibel" hält.

Viele Investoren machen die Verwaltungsratschefs Jim Balsillie und Michael Lazaridis persönlich für die RIM-Pechsträhne verantwortlich. Die beiden sind gleichzeitig Konzernchefs und als Vorsitzende des Verwaltungsrats ihre eigenen Kontrolleure. So machte die Aktie des Blackberry-Herstellers einen kleinen Satz nach oben, nachdem die kanadische Zeitung "National Post" berichtet hatte, die hochkarätige Bankmanagerin Barbara Stymiest werde die beiden Manager möglicherweise ablösen. Es sei allerdings noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Fatale Fehleinschätzung

Ob eine Machtübergabe an Barbara Stymiest tatsächlich ein Grund zum Jubeln ist, darf bezweifelt werden. Denn die Bankerin ist schon seit 2007 als einfaches Mitglied im Verwaltungsrat - und hat damit die Entscheidungen von Balsillie und Lazaridis mit abgenickt. Dazu gehört die fatale Fehleinschätzung von Apples iPhone. Selbst nachdem Steve Jobs am 9. Januar das revolutionäre Smartphone präsentierte, hielten die RIM-Verantwortlichen laut der Webseite "Electronista" so ein Gerät noch für alltagsuntauglich. Ein so großer Touchscreen, viele Funktionen und akzeptable Akku-Laufzeiten seien unvereinbar, hieß es demnach in der kanadischen Zentrale.

Erst im Herbst 2008 brachte RIM mit dem Blackberry Storm ein eigenes Touchscreen-Smartphone ohne physische Tastatur heraus. Doch wie alle folgenden Versuche, iPhone und Android Konkurrenz zu machen, kam das Storm zu spät, war nicht ausgereift und blieb erfolglos.

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Quelle: n-tv.de

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