Donnerstag, 02. April 2009
Mankell macht Ernst: Raubkopierer angezeigt
Henning Mankell, Per Olov Enquist und andere bekannte schwedische Schriftsteller gehen mit Strafanzeigen gegen Raubkopierer ihrer Hörbücher aus dem Internet vor. Wie die Zeitung "Svenska Dagbladet" berichtet, setzen Autoren über ihre Verlage damit deutlich verschärfte gesetzliche Regeln um. Bei einem Stockholmer Gericht beantragten sie die Strafverfolgung von Betreibern eines Servers. Von dort konnten 27 Hörbücher 15 bekannter schwedischer Autoren kostenlos heruntergeladen werden.
Zum 1. April ist in Schweden das IPRED-Gesetz (Intellectual Property Rights Enforcement Directive) in Kraft getreten. Betroffene können damit die Identität von aus ihrer Sicht verdächtigen Computerservern ermitteln können. Provider müssen nun die IP-Adressen von angeschlossenen Computern mitteilen, von denen urheberrechtlich geschütztes Material heruntergeladen werden kann. In bestimmten Fällen soll auch die Identität derjenigen verlangt werden können, die das Material auf ihre Computer herunterladen.
Datenverkehr bricht ein
Ein Sprecher des Buchverleger-Verbandes erklärte, man hoffe mit der massiv erhöhten Wahrscheinlichkeit von Strafverfolgung auf eine Verminderung des illegalen Kopierens über das Internet. Wie das "Svenska Dagbladet" berichtet, ist der Datenverkehr zwischen schwedischen und internationalen Netzen am Tag des Inkrafttretens der neuen Regeln um 30 Prozent gegenüber dem Vortag gesunken ist. Das Ipred- Gesetz ist nicht unumstritten und wurde in den schwedischen Medien breit behandelt.
Am 17. April wird in Stockholm das Urteil gegen vier Verantwortliche der Internet-Tauschbörse "The Pirate Bay" wegen Verletzung des Urheberrechts erwartet. Pirate Bay bietet die technische Möglichkeit zum kostenlosen Herunterladen von Raubkopien von Filmen, Musik und Computerprogrammen. Der Prozess gilt als international wegweisend. Die Staatsanwaltschaft verlangt je ein Jahr Haft für alle Angeklagten. Nebenkläger fordern zehn Millionen Euro Schadensersatz. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.
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