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Philipp Rösler, bekennender Zocker.
Philipp Rösler, bekennender Zocker.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsche Spielebranche im Bundestag: Rösler spielt "Tower Defense" statt "Doom"

Von Roland Peters, Berlin

1,85 Milliarden Euro Gesamtumsatz machte die Computerspielebranche im Jahr 2012 mit Verkäufen. Bei der zweiten "Politiker-LAN" im Bundestag fordert sie trotzdem mehr politische Unterstützung – und hört zu, wie Wirtschaftsminister Rösler sein Leben als Zocker beschreibt.

Die Politik zeigt sich gern mit der erfolgreichen Spieleindustrie.
Die Politik zeigt sich gern mit der erfolgreichen Spieleindustrie.

"Deutschland ist das coolste Land der Welt", sagt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zum Ende seiner Keynote im Reichstag. Zuvor hat er darüber gesprochen, wie er früher auch spielte, zur ersten "Gamer-Generation" gehöre – und wie wichtig die Branche für die deutsche Industrie sei. Heute spiele er nur noch auf dem Handy: "Tower Defense Games", wie der Vizekanzler verrät.

Bei der zweiten "Politiker-LAN" im Bundestag ist diesmal die wirtschaftliche Bedeutung der Computerspieleindustrie in Deutschland das Thema. Unternehmer, Pressevertreter und Politiker treffen sich auf der Fraktionsebene. Die Kritiker unter ihnen, Stichwort Killerspiele & Co., sind inzwischen in den Hintergrund gerückt. "Als Politiker habe ich selbstverständlich nicht Doom oder sowas gespielt", sagt Rösler. Er grinst.

Der Wirtschaftsminister bekennt sich zum Smartphone-Spiel.
Der Wirtschaftsminister bekennt sich zum Smartphone-Spiel.

"Vor zwei Jahren haben wir noch Vorurteile unter Politikern abbauen wollen", so der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz. Der Vorsitzende des Unterausschusses Neue Medien und der Internet-Eqnuete ist einer der Initiatoren der Veranstaltung. Nun gehe man einen Schritt weiter und wolle die Bedeutung der Branche betonen, so Schulz.

Im Reichstag sind auch Rechner und Spielkonsolen aufgebaut. Unter Überschriften wie "Motion Capture und Tracking" oder "Augmented und Virtual Reality" präsentieren Unternehmen aus dem Computerspielebereich, in welchen Bereichen sie forschen und entwickeln. Auf dem Podium wird derweil diskutiert. Daneben ein Werbeaufsteller einer Lernsoftware: "Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache".

Spielen ist gut für die Zähne

Das Potenzial der Computerspielbranche ist noch längst nicht ausgeschöpft, sagt Simone Kimpeler vom Fraunhofer-Institut. In der Games-Industrie seien im Vergleich zu anderen Kreativbranchen besonders viele Menschen fest angestellt. Dies beweise die Stabilität des Wirtschaftszweiges. Für rund 1,85 Milliarden Euro hat die Branche im vergangenen Jahr in Deutschland Spiele verkauft.

"Spielen ist wie Schokolade – sie hat einen schlechten und guten Ruf gleichzeitig. Man tut es, egal, ob es einem schlecht oder gut geht", sagt Alexander Moutchnik, Professor für Mediendesign an der FU München. "Und falls Sie sich für Computerspiele entscheiden sollten, ist es auch gut für die. Zähne", schiebt er hinterher.

Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) fordert indes eine "wirtschaftspolitische Strategie", besonders im Hinblick auf die Finanzierung von Spieleprojekten in Deutschland. Wirtschaftsminister Rösler, der Arzt, ist da längst schon wieder verschwunden.

Quelle: n-tv.de

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