Technik

Facebook Places: So entgeht man der Ortung

Facebook hat seine Ortungsfunktion "Places" gestartet und damit die Datenschützer auf den Plan gerufen – und das, obwohl man sich diesmal bemüht hat, alles richtig zu machen. Wieder sind es die unübersichtlichen Privatsphäre-Einstellungen, die Facebook-Beobachter bemängeln.

Facebook sendet keine automatischen Statusmeldungen in die Welt.
Facebook sendet keine automatischen Statusmeldungen in die Welt.

Standardmäßig wird der Standort nur den Facebook-Freunden eines Nutzers angezeigt. Und das auch nur dann, wenn man zuvor aktiv der Teilnahme an Places zugestimmt hat. Der Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar begrüßt zwar, dass Facebook bei seinem Geo-Dienst keine automatische Teilnahme vorsieht, schränkt aber zugleich ein: "Eine andere Vorgehensweise wäre rechtlich auch nicht zulässig." Zudem seien die Einstellungen, mit denen man bestimmt, wer den Aufenthaltsort eines Nutzers sehen kann, relativ schwer zu finden. "Es ist für Nutzer problematisch, sich da durchzuwurschteln." Dies sei verbesserungsbedürftig, "weil im Moment das Risiko, Einstellungen zu übersehen, aufgrund der Unübersichtlichkeit relativ hoch ist".

So geht's

Die Places-Funktion wird über die Facebook iPhone-App oder den Webbrowser des Handys aktiviert. Aus einer Liste von öffentlichen Orten in der Nähe kann man dann den aktuellen Standort auswählen oder einen neuen Ort anlegen. Will man nun den Freunden den aktuellen Aufenthaltsort mitteilen, klickt man auf "Ich bin hier". Zugleich erfährt man auch, welche Freunde gerade in der Nähe sind. Die Orte-Funktion meldet also nicht automatisch, wo man sich gerade befindet und zeichnet auch keine Streckenprofile auf.

Dennoch kann man auch unfreiwillig Spuren hinterlassen, selbst wenn man die "Orte"-Funktion gar nicht selbst nutzt. Das kann dann passieren, wenn man von Freunden als ebenfalls anwesend markiert wird. Wer nicht in den Ortsmeldungen anderer Leute auftauchen möchte, muss diese Möglichkeit über die Privatsphäre-Einstellungen sperren. Dazu geht man in die "benutzerdefinierten Einstellungen" und deaktiviert die Einstellung "Freunde können angeben, dass ich mich an einem Ort befinde". Ist man schon markiert worden, kann man die Kennzeichnung auch nachträglich entfernen.

Herumwühlen im Menü

Der Nutzer bestimmt selbst, wer den Aufenthaltsort erfährt.
Der Nutzer bestimmt selbst, wer den Aufenthaltsort erfährt.

Wer die Orte-Funktion selbst nutzen will, sollte sich ebenfalls in den benutzerdefinierten Einstellungen zu schaffen machen, um einzustellen, wer die Positionsbestimmungen verfolgen kann. Das funktioniert über die Einstellung "Orte, die ich besuche". Die Grundeinstellung "Nur Freunde" schließt schon mal den Großteil des Publikums aus. Über "benutzerdefiniert" kann man noch konkreter werden und nur bestimmten Kontakten die Information gewähren.

Eins dritte Ortseinstellungs-Möglichkeit befindet sich ganz tief im Privatsphäre-Menü. Im unteren Bereich findet man den Punkt "Anwendungen und Webseiten" und dort wiederum "Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind". Um zu verhindern, dass Anwendungen von Freunden auf die eigenen Ortsangaben zugreifen, sollte man hier "Orte, die ich besuche" deaktivieren.

Vermasseln Datenschützer das Geschäft?

Wer die richtigen Häkchen in den Voreistellungen gesetzt hat, muss also nicht befürchten, mehr zu verraten, als ihm lieb ist. Dennoch könnten Datenschutz-Bedenken von Nutzern eine Bremse für den Dienst sein. "Gerade die Deutschen sind sehr vorsichtig, was den Umgang mit persönlichen Daten angeht", so Annette Zimmermann vom Marktforschungsunternehmen Gartner. So war auch Googles Street View auf unerwartet viel Widerstand gestoßen. Hierzulande könnte es Facebook also schwer haben im Geschäft mit ortsbezogenen Dienstleistungen und Werbung. Der aktuelle Aufenthaltsort ist eine der wertvollsten Informationen, die ein Internet-Nutzer der Werbewirtschaft preisgeben kann, weil er gezielt mit Anzeigen oder Angeboten angesprochen werden kann. Darüber hinaus kann eine Auswertung der besuchten Orte Aufschluss über Gewohnheiten und Interessen von Nutzern geben - auch wenn die Daten anonymisiert verarbeitet werden.


Es geht um viel Geld: Geld. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass in vier Jahren um die 1,13 Milliarden Werbe-Dollar in solche sozialen Geodienste fließen werden - verglichen mit 29,2 Millionen im vergangenen Jahr. Und Facebook mit seinen weltweiten 500 Millionen Nutzern wird davon einen Löwenanteil einsaugen, ist Gartner-Analystin Annette Zimmermann überzeugt. "Wenn sich die kleineren Anbieter nicht einen starken Partner suchen, haben sie keine Chance. Da kann man nicht gegen ankommen."

Quelle: n-tv.de

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