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Soundcloud versucht, sich gesund zu schrumpfen.
Soundcloud versucht, sich gesund zu schrumpfen.(Foto: Ole Spata/dpa)
Freitag, 07. Juli 2017

173 Mitarbeiter müssen gehen: Soundcloud auf dem Boden der Tatsachen

Der Berliner Musikdienst Soundcloud steckt in Schwierigkeiten, obwohl der Umsatz deutlich steigt. Fast ein Drittel der Mitarbeiter muss gehen, Büros werden geschlossen. Kommt es zum Verkauf?

In einem knappen Blogpost gibt Mitgründer Alex Ljung bekannt, dass Soundcloud 173 seiner weltweit 420 Mitarbeiter entlassen und die Büros in London und San Francisco schließen wird. Alle Aktivitäten sollen in den Zentralen in Berlin und New York gebündelt werden. Die Entscheidungen seien schmerzhaft, aber notwendig, um Kosten zu senken und langfristig profitabel zu werden sowie unabhängig zu bleiben.

Damit deutet Ljung an, dass das Unternehmen nicht verkauft werden soll, was in jüngster Zeit von verschiedenen Medien berichtet wurde. So schrieb die "New York Post" kürzlich, mögliche Interessenten seien aktuell unter anderem Deezer, Apple und Google. Doch diese Option ist jetzt offenbar vom Tisch, nachdem Soundcloud und dessen Investoren offenbar nicht die Summen geboten bekamen, die ihnen vorschwebten. Laut "Bloomberg" hätten die Berliner Streamer vor rund einem Jahr gerne eine Milliarde Dollar gesehen, obwohl das Unternehmen damals nur mit 700 Millionen Dollar bewertet worden sei. Spotify war wohl ernsthaft interessiert, laut "Gründerszene" kam dann aber der geplante Börsengang der Schweden dazwischen. Im Januar bot Google angeblich noch 500 Millionen Dollar für Soundcloud. Letztendlich sprang nur eine 100-Millionen-Dollar-Beteiligung von Twitter heraus, von der bisher 70 Millionen ausgezahlt wurden.

Millionen Nutzer, aber kein Gewinn

Viele Nutzer bringen nicht unbedingt viel Geld. Diese bittere Erfahrung mussten schon andere Unternehmen im Streaming-Business machen. Auch Platzhirsch Spotify kennt das, die Schweden kämpfen trotz 50 Millionen zahlender Abonnenten seit der Firmengründung vor elf Jahren mit roten Zahlen und hängen am Tropf von Investoren. Das 2007 gegründete Soundcloud zählte 2014 rund 175 Millionen aktive Nutzer, von denen aber die überwiegende Mehrheit nichts bezahlt. Aktuellere Zahlen haben die Berliner bisher nicht veröffentlicht, außer, dass der Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt worden sei.

Jeder kann bei Soundcloud Songs hochladen, teilen und mit anderen Anwendern kommunizieren. Oft nutzen Musiker und DJs die Plattform, um auf sich aufmerksam zu machen oder für kommerzielle Projekte zu werben. Rund 150 Millionen Titel von mehr als 18 Millionen Künstlern gibt es bei Soundcloud. Die meisten Songs kann man gratis genießen, so lange man Werbung zwischen den Clips akzeptiert. Wer unbelästigt oder offline Musik hören möchte, bezahlt sechs Euro, für zehn Euro gibt's den Zugriff auf den kompletten Soundcloud-Katalog.

Quelle: n-tv.de

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