Technik

Auf Wunsch mit Alligatorleder: Vertu baut Edel-Androiden

Mit 300 bis 400 Euro bekommt man derzeit tolle Android-Modelle auf dem neuesten Stand der Technik. 7900 Euro kostet das Vertu Ti. Der erste Androide des Luxusherstellers macht sich sicher gut zur Rolex, ist technisch aber nicht besonders anspruchsvoll. Dafür darf die betuchte Klientel die "Concierge-Taste" drücken.

In Deutschland ist Vertu nur in Berlin, München und Frankfurt vertreten.
In Deutschland ist Vertu nur in Berlin, München und Frankfurt vertreten.(Foto: Vertu)

Kein Gold, kein Bling Bling, dafür Titan, polierte Keramik und Leder: So sieht die neue Android-Luxusklasse aus, die der Edel-Hersteller Vertu jetzt präsentiert hat. Das "Ti" ist der erste Androide der britischen Handy-Manufaktur.

Der Begriff "Manufaktur" ist hier ganz wörtlich zu nehmen, denn die 184 Einzelteile des Ti werden tatsächlich von Hand zusammengesetzt – nicht etwa in Arbeitsteilung, sondern von einer einzelnen Person, die das Gerät in der SIM-Kartenhalterung signiert. Die verbauten Materialien sind edel: Das Gehäuse besteht aus gebürstetem und poliertem Titan, schwarzer Keramik und  Leder. Für den exzentrischeren Geschmack gibt es auch Versionen mit Alligatorhaut oder schwarzem Titan und poliertem Rotgold. Für das Display setzt Vertu auf Saphirglas. Das gilt als absolut kratzfest, wird aber wegen des hohen Preises bei Massenhandys bislang nicht verbaut.

Die Optik ist zeitlos, das Betriebssystem jedoch schon jetzt veraltet: Das Ti kommt mit Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich und angepasster Bedienoberfläche. Ob Vertu ein Update auf höhere Android-Versionen erhalten wird, ist offen. Hutch Hutchinson, der für das Design des Ti verantwortlich ist, dämpft die Erwartungen. Wegbereitende Technik sei eben nicht Vertus Anspruch, sagte er der BBC. Entscheidend seien "relevante Technologien und handwerkliches Können. Es ist kein Wegwerfprodukt." Mit einem Einstiegspreis von rund 7900 Euro wäre es dafür auch etwas teuer.   

Auflösung nur Mittelmaß

Immerhin bekommt die betuchte Kundschaft einen zeitgemäßen Arbeitsspeicher von 1 Gigabyte und 64 Gigabyte internen Flash-Speicher, der sich allerdings nicht erweitern lässt. Als Prozessor verbaut Vertu eine Dual-Core-CPU von Qualcomm mit 1,7 GHz-Taktung. Der Akku fällt mit 1250 mAh vergleichsweise schwach aus, angeblich soll aber eine Sprechzeit von gut sieben Stunden möglich sein.    

Mit der 8-Megapixel-Kamera sollte sich etwas anfangen lassen, für Videotelefonie kommt vorne eine 1,3 Megapixel Kamera zum Einsatz. Das Soundsystem wurde zusammen mit Bang & Olufsen entwickelt. Eher enttäuschend fällt allerdings der 3,7 Zoll-Touchscreen aus, der mit 800 x 480 Pixeln nicht besser auflöst als günstige Standard-Smartphones. Rund 200 Gramm wiegt das Ti und zählt damit zu den Smartphone-Schwergewichten, was angesichts der Materialien aber auch nicht überrascht. Das Gerät soll schließlich so stabil sein, dass es selbst das Überrollen durch einen LKW übersteht.

Die meisten Vertus gehen nach China

Vertu hat sich im letzten Jahr von Nokia getrennt. Der einstige Mutterkonzern setzt exklusiv auf Windows Phone. Zunächst habe man ebenfalls über ein Windows-Modell nachgedacht, sagte Vertu-Chef Perry Oosting der BBC. Wegen der deutlich höheren Verbreitung habe am Ende aber Android das Rennen gemacht.

Ansonsten sind Vertu Marktanteile aber herzlich egal: Seit der Firmengründung vor zehn Jahren hat Vertu gerade mal 326.000 Handys abgesetzt. So viele iPhones verkauft Apple locker an einem Tag. Über einen Mangel an zahlungskräftiger Kundschaft muss man sich offenbar keine Sorgen machen. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch mit Ausnahme des Krisenjahrs 2008 sei der Absatz kontinuierlich gewachsen, heißt es bei Vertu. Die meisten Luxushandys gingen inzwischen nach China. Weltweit gibt es nur 500 Geschäfte, die Vertu-Geräte verkaufen, vier davon in Deutschland. Alternativ können die Interessenten aber auch online bestellen. Wer die knapp 8000 Euro hinblättert, erwirbt  nicht nur ein Telefon mit hochwertigem Äußeren und durchschnittlicher Technik, sondern auch ein kleines Sekretariat: Eine "Concierge-Taste" verbindet den Anrufer mit einer Serviceabteilung, die etwa bei Restaurantbuchungen, aber auch bei Eventplanungen oder Besorgungen behilflich ist.  

Quelle: n-tv.de

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