Technik
Der Chromecast wird via USB mit Strom versorgt. Netzteil und Kabel sind im Lieferumfang enthalten.
Der Chromecast wird via USB mit Strom versorgt. Netzteil und Kabel sind im Lieferumfang enthalten.(Foto: Google)

Googles neuer Streaming-Stick: Ist Chromecast eine Revolution?

Von Klaus Wedekind

Google bringt mit dem HDMI-Stick Chromecast ein Gerät auf den Markt, das es anscheinend unkompliziert ermöglicht, Inhalte von Smartphones, Tablets und Computern drahtlos auf den TV-Bildschirm zu übertragen. Aber stimmt das wirklich?

Ein kleiner HDMI-Stick, den Google bei einem Presse-Frühstück neben dem neuen Nexus 7 und Android 4.3 vorstellte, sorgt bei einigen Nutzern und Medien für Begeisterung. Endlich ein günstiges Gerät, mit dem man ganz einfach Inhalte von anderen Geräten auf den Fernseher streamen kann. Wer braucht da noch Apple TV?

Günstig ist der Chromecast mit 35 Dollar tatsächlich, doch wer erwartet, mit ihm unkompliziert Videos und Bilder, die beispielsweise auf dem Smartphone gespeichert sind, vom Sofa aus auf den TV-Bildschirm zu schicken, wird von dem Stick enttäuscht sein. Denn genau genommen ist die verwendete Technik Google Cast ein Cloud-Streaming-Dienst. Oder wie Google schreibt: "Mit Chromecast können Sie Ihre Lieblings-Online-Unterhaltung einfach auf Ihrem HDTV genießen."

Apple TV kann mehr

In Zukunft könnte es weitere Apps geben, die Chromecast interessanter machen.
In Zukunft könnte es weitere Apps geben, die Chromecast interessanter machen.(Foto: Google)

Nicht mehr und nicht weniger kann der Stick, dessen Betriebssystem ein abgespecktes Chrome-OS ist. "Heise Online" erklärt seine Funktionsweise so: "Von der Architektur her ähnelt Google Cast am ehesten DLNA, weniger Apple AirPlay und Miracast/WiDi: Der Stick rendert die gestreamten Daten selbst und bekommt vom Handy vereinfacht gesagt nur eine URL geliefert." Smartphone- oder Tablet-Displays "spiegeln", wobei exakt das auf dem TV-Bildschirm zu sehen ist, was auf dem externen Gerät angezeigt wird, kann Chromecast nicht.

Wenn Googles Streaming-Stick demnächst auch in Deutschland verfügbar ist, können Nutzer eigentlich nur Youtube-Videos, Videos und Musik von Google Play über Smartphones, Tablets und Computer auf den Fernseher oder andere Empfänger mit HDMI-Eingang "umleiten". Außerdem können sie im Internet-Browser Chrome geöffnete Tabs auf dem Fernseher betrachten.

Update: Wie bei "Droid Life" zu sehen ist, kann man zumindest auf Computern lokal gespeicherte Videos über Chrome abspielen, wenn man die entsprechende Erweiterung installiert und dort den Dateipfad des Clips ablegt.

Es geht auch ohne Chromecast

Für Nutzer, die bereits externe Geräte und Fernseher haben, die sich via DLNA, Air Play, Miracast oder WiDi verbinden können, ist Chromecast damit eher uninteressant. Das gleiche gilt für Besitzer von Smart-TVs, die Youtube und einen Video-Dienst bereits integriert haben.

Interessant ist Chromecast derzeit vor allem für Nutzer, die gerne Videos und Musik bei Google Play kaufen oder dort speichern. Sie können dann die Filme auf dem HDTV ansehen oder MP3s beispielsweise über AV-Receiver auf der heimischen Stereoanlage hören.

Aber auch wenn Chromecast derzeit nur für wenige Nutzer interessant ist, ist das Prinzip nicht zum Scheitern verurteilt. Google stellt auf seiner Entwickler-Seite eine API (Schnittstelle) zur Verfügung, mit der man Apps cast-fähig machen kann. Vielleicht kommen also noch Anwendungen von Spieleentwicklern, die Chromecast zu einem Verkaufsschlager machen. Aber selbst das macht Google Cast und Chromecast nicht zu einer technischen Revolution.

Quelle: n-tv.de

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