Technik
Wer bei Systemkameras nur die Automatik einsetzt, nutzt ihre Möglichkeiten nicht aus.
Wer bei Systemkameras nur die Automatik einsetzt, nutzt ihre Möglichkeiten nicht aus.(Foto: imago/blickwinkel)
Samstag, 30. September 2017

Eigentlich ganz einfach: Was bedeuten die Knöpfe an der Kamera?

Wer zum ersten Mal eine Systemkamera in der Hand hält, fühlt sich wahrscheinlich zunächst überfordert. Welche Knöpfe und Räder haben welche Bedeutung? Und was mache ich damit? Eigentlich ist das gar nicht so schwer.

Blende, Verschlusszeit, ISO – das schreckt so manchen Systemkamera-Neuling ab und er greift zum Automatikmodus. Dabei sind die wichtigsten Einstellungen gar nicht so kompliziert, wenn man die Funktionen kennt und weiß, wo man sie findet.

Systemkameras, also Apparate mit Wechselobjektiv oder höherwertige Kompaktkameras haben oben am Gehäuse ein Einstellrädchen mit Buchstaben wie P, S, M oder A. Das sind die sogenannten Belichtungsautomatiken. Während in der Automatikeinstellung die Kamera alles selbst bestimmt, können Fotografen hier kreativer sein.

Manchmal ist ein S ein T

Normalerweise stehen Programmautomatik (P), Blendenautomatik (S, T, Tv), Zeitautomatik (A, Av) und der manuelle Modus (M) zur Verfügung. Über das Einstellrad kann man zwischen den Modi wechseln. "Der manuelle Modus ist meist identisch, Blenden- oder Zeitautomatik heißen manchmal unterschiedlich", sagt der Wuppertaler Fotograf Malte Reiter. So ist die Blendenautomatik bei einigen Modellen mit S für Shutter Speed, englisch für Verschlusszeit, bei anderen mit T oder Tv für Time gekennzeichnet. Die Zeitautomatik wird entweder durch A oder Av für Aperture (Blende) symbolisiert.

Und was können die nun? "Wenn Sie mit Blendenautomatik fotografieren, wird die Belichtungszeit vorgegeben", erklärt Wolfgang Elster, Fotograf und Vorstandsmitglied beim DVF Bayern im Deutschen Verband für Fotografie (DVF). Die Kamera stellt also die Blende automatisch ein, Fotografen Dinge wie Verschlusszeit, Iso oder Fokuspunkt. Bei der Zeitautomatik (A, Av) ist es genau umgekehrt: Die Kamera berechnet die passende Belichtungs- beziehungsweise Verschlusszeit für die gewählte Blende.

Zeitautomatik klappt fast immer

"Ich selbst fotografiere meist mit Zeitautomatik und gebe damit die Blende zur genauen Kontrolle des Schärfeverlaufs vor", sagt Elster. Damit sei vor allem eine gezielte Bildgestaltung mit Schärfe und Unschärfe möglich. Fotograf Reiter schätzt die Zeitautomatik in Situationen mit wechselnden Lichtbedingungen, wo es schnell gehen muss – zum Beispiel bei Hochzeiten. Die Blendenautomatik (S, T, Tv) sei dagegen für Mitzieh-Effekte das Richtige, "zum Beispiel, wenn man ein vorbeifahrendes Auto verwischt abbilden will".

Wer sich nicht so viele Gedanken machen will, benutzt die Programmautomatik (P). Blende und Verschlusszeit macht die Kamera, der Fotograf kann im Gegensatz zum reinen Automatikmodus aber immerhin Fokuspunkt oder Weißabgleich einstellen oder eine Belichtungskorrektur vornehmen. Die Königsdisziplin ist der manuelle Modus (M): Hier muss man alles selbst einstellen. Das ist zum Beispiel bei Panorama-Aufnahmen sinnvoll, für die man mehrere Bilder macht, die beim Zusammensetzen wie eines aussehen sollen.

Zwei wichtige Räder

Doch wie wählt man nun Dinge wie Blende, ISO (Lichtempfindlichkeit) oder Helligkeit? Dafür gibt es Rädchen und Knöpfe, die je nach Modell unterschiedlich belegt sind. "Systemkameras haben normalerweise zwei Räder, bei den Kompaktkameras muss man mehr über Tasten arbeiten", sagt Fabian Kastner, Kameraverkäufer aus Regensburg. "Für die Blende gibt es meistens vorne ein Einstellrad, das man mit dem Zeigefinger bedient, oder es ist ein Daumenrad hinten am Gehäuse." Manchmal liegen die Räder auch am Steuerkreuz oder am Objektiv.

Gibt es zwei Räder, kann man über eines zum Beispiel den Iso-Wert anpassen, über den anderen die Blende. Bei kleineren Gehäusen fehlt allerdings oft der Platz dafür. Dann ist das Rad doppelt belegt und man muss eine Taste drücken, um zwischen den Einstellmöglichkeiten zu wechseln. "Bei vielen Modellen kann man auch selbst die Tasten mit den Funktionen belegen, die man häufig braucht", erklärt Kastner.

Das gilt für andere Parameter genauso: Für die Belichtungskorrektur, also die Einstellung der Helligkeit, haben manche Kameras einen extra Knopf am Gehäuse, bei anderen muss man sie über das Menü anwählen. Ähnlich ist es beim Einstellen des ISO-Wertes. DVF-Fotograf Elster betont aber: "Die grundlegenden Einstellungsmechanismen sind bei den verschiedenen Kameraherstellern gleich. Da gibt es bei der Bedienung nur bauartbedingte Unterschiede."

Quelle: n-tv.de

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