Technik
Wie viel darf ein iPhone kosten?
Wie viel darf ein iPhone kosten?(Foto: Apple)

Der Traum von Donald Trump: Was kostet ein iPhone "Made in USA"?

Donald Trump will Apple dazu zwingen, seine Geräte in den USA herzustellen, damit arbeitslose Amerikaner Jobs bekommen. Klingt toll, aber was würde ein iPhone "Made in USA" dann kosten?

"Wir werden Apple dazu bringen, ihre verdammten Computer und andere Sachen in diesem Land anstatt in anderen Ländern herzustellen", tönte der republikanische Präsidentschaftskandidat in einer Wahlkampfrede vor Studenten der Liberty University in Virginia. Angesichts der Milliardengewinne klingen solche Worte vor allem in den Ohren arbeitsloser US-Wähler wahrscheinlich nicht schlecht. Apple schreibt zwar auf einer PR-Seite, seine Produkte und Innovationen hätten bisher bereits rund 1,9 Millionen Jobs in den USA geschaffen. 1,4 Millionen seien Entwickler und andere, die im iOS-Ökosystem beschäftigt sind, 361.000 Jobs seien bei US-Zulieferern entstanden.

76.000 Menschen beschäftige man in den USA selbst, schreibt das Unternehmen. Mit der Herstellung von Apple-Geräten sind allerdings die wenigsten beschäftigt, da bisher nur der Hochleistungscomputer Mac Pro aus angelieferten Teilen in den USA zusammengebaut wird. Alle anderen Geräte kommen aus China. Hat Trump also recht? Wohl kaum, "CNET" hat ausgerechnet, was zum Beispiel ein iPhone "Made in USA" mindestens kosten würde.

5,15 Dollar Mindestlohn

Das Technikmagazin geht dabei davon aus, dass Apple eine Fabrik in den Bundesstaaten Wyoming oder Georgia bauen würde, da hier mit 5,15 Dollar pro Stunde der geringste Mindestlohn gezahlt wird. Das ist verdammt wenig, aber laut "New York Times" verdient ein chinesischer Foxconn-Arbeiter nur rund 400 Dollar im Monat ohne Überstunden. Apple gibt zwar als einer von wenigen Auftraggebern Mindeststandards vor, die aber nicht mit denen in den USA oder Europa vergleichbar sind. So darf ein Chinese laut Apple bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiten. Ein Arbeiter in Apples imaginärer Fabrik in den USA würde dagegen in einer 40-Stunden-Woche 824 Dollar verdienen, also etwa doppelt so viel wie sein Foxconn-Kollege. Bei einer theoretischen 60-Stunden-Woche wäre dies mit 1236 Dollar sogar das Dreifache.

"CNET" hält es für sehr unwahrscheinlich, dass Apple genügend Fachkräfte in den USA finden könnte, die bereit wären, zum Mindestlohn von 5,15 Dollar in die Fabrik zu gehen. Aber spinnen wir den Faden mal weiter: Die Lohnkosten machen nur einen Teil des iPhone-Preises aus, weitere Faktoren sind beispielsweise Entwicklung, Forschung, Vermarktung und Verbreitung. Trotzdem würde das Apple-Smartphone selbst durch eine ausbeuterische US-Produktion dramatisch teurer.

Alptraum statt Jobwunder?

Analystin Carolina Milanesi von Kantar Worldpanel rechnet mindestens mit einer Verdopplung des Preises. Eine Verdreifachung wäre wohl realistischer, wenn man höhere Löhne als Basis nimmt. In Kalifornien müssen Unternehmer beispielsweise mindestens 9 Dollar pro Stunde bezahlen.

Egal, bleiben wir mal bei einer Verdoppelung. In den USA würde dann das günstigste iPhone 1300 Dollar kosten. Bei weiter schwachem Euro müssten deutsche Käufer über den Daumen gepeilt mehr als 1400 Euro hinblättern - für ein 16-Gigabyte-Smartphone. Selbst hartgesottene Apple-Fans wären wohl kaum dazu bereit, so viel zu bezahlen. Das iPhone wäre unverkäuflich, Apple müsste seine US-Fabriken wieder schließen und seine Arbeiter entlassen. Wahrscheinlich gingen als Folge auch viele andere Jobs bei Zulieferern, Entwicklern und Dienstleistern flöten.

Donald Trumps Traum vom iPhone "Made in USA" ist also ein Alptraum. Der Milliardär hat aber noch einen anderen genialen Plan: Geräte, die außerhalb der USA hergestellt werden, möchte er mit 35 Prozent besteuern. Das günstigste iPhone würde dann rund 890 Dollar kosten.

Wollte Trump lediglich, dass das iPhone wie der Mac Pro in den USA aus in China gefertigten Komponenten zusammengesetzt wird, wäre die Auswirkung auf den Endpreis wahrscheinlich weniger stark. "Motherboard" schreibt, dies würde das iPhone nur rund 50 Dollar verteuern. Es sei aber schon etwas verrückt, die Komponenten um die halbe Welt zu schicken, wenn es viel einfacher sei, sie in Asien zusammenzubauen, sagte ein Analyst dem Magazin.

Quelle: n-tv.de

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