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Aus der kleinen Box Apple TV soll Gerüchten zufolge bald ein "richtiger" Fernseher werden.
Aus der kleinen Box Apple TV soll Gerüchten zufolge bald ein "richtiger" Fernseher werden.(Foto: Apple)

Notfalls mit eigenem IPTV-Sender: Apple arbeitet weiter am Fernseher

Von Klaus Wedekind

Analysten lieben das Thema "Apple-Fernseher" und kochen mit Gerüchten darüber seit rund zwei Jahren regelmäßig die Aktie des Unternehmens auf. Jetzt heißt es, Apple verhandle direkt mit Inhalte-Anbietern, um seinen eigenen IPTV-Sender aufzubauen, der bereits 2014 auf Apple-Fernseher streamen könnte. Aber ist das realistisch?

Seit 2011 gibt es Gerüchte, Apple werde schon bald einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen. Schließlich soll der verstorbene Firmengründer Steve Jobs selbst gesagt haben: "Ich möchte ein integriertes Fernsehgerät entwickeln, das ganz einfach zu bedienen ist." Im vergangenen Jahr hieß es, 2013 sei es so weit. Doch inzwischen halten dies selbst die optimistischsten Analysten kaum noch für wahrscheinlich. Vom Tisch ist das Thema "iTV" deshalb aber nicht. Der Investor und Ex-Techcrunch-Journalist MG Siegler hat laut "Business Insider" erfahren, dass Apple möglicherweise im November irgendein TV-Produkt mit einer "neuartigen Interaktion" vorstellt, "das aber nicht unbedingt ein Fernseher sein muss."

Gespräche mit Foxconn und Corning

Quellen der taiwanischen "Economic Daily News" berichten, Apple habe sich kürzlich in den USA mit Herstellern und Zulieferern getroffen, um die Produktion eines Fernsehers vorzubereiten. Teilgenommen hätten Gorilla-Glass-Hersteller Corning, Massenfertiger Foxconn und Display-Oberflächen-Spezialist G-Tech Optoelectronics, schreibt "MacRumors". Die ersten Geräte sollen 55 und 60 Zoll große Bildschirme haben und in der ersten Jahreshälfte 2014 erscheinen. Analysten von NPD DisplaySearch hätten diesen Termin bestätigt. "MacRumors" betont, dass "Economic News" gute Quellen hat. Unter anderem hätten sie bereits früh gewusst, dass LG Displays für das iPad mini liefert.

Vielleicht arbeitet das Unternehmen tatsächlich bereits an einem TV-Gerät, aber schöne Hardware alleine führt in diesem Fall auch Apple nicht ans Ziel. Ein "iTV" wäre nicht einfach nur ein neuer Fernseher, sondern würde wahrscheinlich wie die Set-Top-Box Apple TV Inhalte via Internet auf den Bildschirm bringen. Über iTunes kann Apple bereits relativ aktuelle Filme und Serien anbieten, aber das ist für das große TV-Projekt nicht genug. Außerdem wächst die Konkurrenz durch andere Anbieter. Spielfilme oder Serien kann man beispielsweise auch über die Spielekonsolen von Microsoft und Sony sehen.

Fruchtlose Verhandlungen

Apple versucht daher angeblich schon länger, in den USA mit den dort mächtigen landesweit arbeitenden Kabelnetzbetreibern handelseinig zu werden. Doch wie das US-Wirtschaftsmagazin "Quartz" berichtet, haben die "jahrelangen" Verhandlungen die Kalifornier offenbar keinen Schritt näher ans Ziel gebracht. Nur mit Time Warner Cable soll Apple kurz vor Abschluss eines Vertrages stehen, berichtete die Finanznachrichtenagentur "Bloomberg".

Das Unternehmen soll daher seine Strategie geändert haben und jetzt direkt mit Produktionsstudios und Sendern verhandeln, die ihre Inhalte über Apps auf Apple-Fernseher bringen sollen. Dazu gehörten Disney (ESPN), Time Warner (HBO) und Viacom (MTV, Nickelodeon, Comedy Central). Wie weit fortgeschritten diese Verhandlungen sind, sei jedoch offen, schreibt "Quartz". Derzeit würde in der US-TV-Industrie jeder mit jedem reden. Sollte Apple aber Verträge abschließen, dann zu ähnlichen Konditionen wie traditionelle Kabelnetzbetreiber.

"iTV" gibt's schon

Die Quellen von "Quartz" sagen, Apple könnte sogar einen eigenen Pay-TV-Service planen, der im Gegensatz zum aktuell eingeschränkten Apple-TV-Angebot ein komplettes TV-Programm liefern soll. "iTV" dürften aber weder Fernseher noch Angebot heißen. Denn weil es in Großbritannien schon seit 1955 einen Sender namens iTV gibt, heißt wohl schon die Set-Top-Box Apple TV.

Für einen kommenden Apple-Fernseher sprechen auch zwei Neuerwerbungen von Apple. So hat das Unternehmen kürzlich Matcha.tv gekauft, ein Portal für Streaming-Angebote. Außerdem hat Apple laut "9to5Mac" den ehemaligen Hulu-Manager Pete Distad eingestellt. Er war bei dem Videoportal unter anderem für Marketing, Kundenakquise und Inhalte zuständig.

Was ist mit dem Rest der Welt?

Es spricht aber auch einiges gegen einen schon bald erscheinenden Apple-Fernseher. So berücksichtigt "Quartz" in seinem Artikel ausschließlich den US-Markt. Es ist allerdings fraglich, ob Apple einen IPTV- Fernseher auf den Markt bringen möchte, wenn es nur in den USA ausreichend Inhalte anbieten kann. Zumal man nicht davon ausgehen darf, dass sich die Nutzer wie beim iPhone alle ein oder zwei Jahre ein neues Gerät kaufen. Apple müsste also auch in anderen Ländern mit Sendern und Rechteinhabern einig werden.

Zuletzt berichtete "Macwelt" im November 2012 über angebliche Gespräche zwischen Apple und deutschen TV-Sendern über Inhalte für Livestreams. Seitdem hat man nichts mehr davon gehört. Die Frage ist auch, wie die Internet-Provider zu einem möglichen IPTV-Sender von Apple stehen. Nicht nur die Deutsche Telekom kocht da schon ein eigenes Süppchen.

Wahrscheinlicher scheint daher, dass das Unternehmen zunächst Apple-TV weiterentwickelt. Vielleicht ist das TV-Gerät, von dem MG Siegler gehört hat, tatsächlich "nur" eine neue, verbesserte Set-Top-Box. Aber: Apple kann damit seine Inhalte an alle TV-Besitzer verkaufen. Die Box ist kein finanzielles Risiko für das Unternehmen, die Produktion ist günstig, das Gerät für den Endkunden mit knapp 100 Euro preiswert.

Ein Fernseher wäre für Apple dagegen eine riskante Investition. Die Geräte sind schon in der Produktion weit teurer und ob genügend Kunden bereit sind, dafür Preise jenseits der 1000 Euro zu bezahlen und IPTV-Abos zu kaufen, ist nicht sicher.

Quelle: n-tv.de

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