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Die Smartwatch Samsung Galaxy Gear geht nur mit Smartphones aus dem eigenen Haus Verbindungen ein.
Die Smartwatch Samsung Galaxy Gear geht nur mit Smartphones aus dem eigenen Haus Verbindungen ein.(Foto: kwe)

Samsung stellt vor Apple die Uhr: Smartwatch und neues Riesen-Smartphone

Von Klaus Wedekind

Mit einer großen Show in Berlin veranstaltet Samsung die größte Premierenfeier im Rahmen der Internationalen Funkausstellung. Stars auf der Bühne sind ein neues Riesen-Smartphone mit Stylus-Bedienung und die erste Smartwatch, mit der die Südkoreaner Apple zuvorkommen, das ein ähnliches Accessoire plant.

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Welche Geräte Samsung zur IFA in Berlin vorstellen würde, war bereits bekannt. Wie sie aussehen und was sie können, aber weitgehend nicht. So wurde die große Show im Tempodrom von Technik-Fans mit einiger Spannung erwartet – und sie haben bekommen, was sie wollten.

Für Samsungs Geschäft war vermutlich das Galaxy Note 3 die wichtigste Neuvorstellung. Schließlich sind die Riesen-Smartphones mit S-Pen-Bedienung inzwischen ein Verkaufsschlager und - was die Leistung betrifft - die Topstars der Mobilfunksparte des südkoreanischen Unternehmens.

Das Galaxy Note 3 hat ein 5,7 Zoll großes Super-AMOLED-Display mit Full-HD-Auflösung. Durch eine sehr schlanke Bauweise ist das Note 3 dabei kaum größer als das Galaxy S4, das einen 5-Zoll-Bildschirm hat. Insgesamt misst das neue Smartphone 151,2 x 79,2 x 8,3 Millimeter und ist 168 Gramm leicht.

Plastik mit Lederoptik

Die Rückseite des Galaxy Note 3 hat Samsung in Lederoptik gestaltet.
Die Rückseite des Galaxy Note 3 hat Samsung in Lederoptik gestaltet.(Foto: kwe)

Der Akkudeckel besteht zwar wieder aus dünnem Polycarbonat, Samsung hat ihn aber mit einer strukturierten Oberfläche in Lederoptik inklusive nachgebildeter Naht am Rand versehen. Das sieht erstaunlich gut aus und das Gerät liegt angenehmer in der Hand als der Vorgänger mit seiner etwas schmierigen, glatten Rückseite.

Unter dem Deckel sitzt ein kräftiger Akku, der mit einer Kapazität von 3200 Milliamperestunden das Note 3 auch bei intensiver Nutzung locker über den Tag bringen soll. Mit einem vermutlich hauseigenem Prozessor, dessen vier Kerne mit 2,3 Gigahertz getaktet sind, und einem drei Gigabyte großen Arbeitsspeicher dürfte das Galaxy Note 3 zumindest im Hause Samsung das derzeit stärkste Smartphone sein. In anderen Ländern bietet Samsung das Note 3 auch mit seinem 1,9-Gigahertz-Acht-Kern-Prozessor an. Die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite hat bei schnellen Testfotos einen sehr guten Eindruck gemacht. Laut Samsung könnte sie sogar einen Tick besser als die des Galaxy S4 sein. Das Gerät ist LTE-fähig und kommt mit Android 4.3 auf den Markt.

S Pen noch vielseitiger

Zwischen zwei Multi-Window-Fenstern kann man Infos per Drag & Drop austauschen.
Zwischen zwei Multi-Window-Fenstern kann man Infos per Drag & Drop austauschen.(Foto: kwe)

Samsung hat beim Galaxy Note 3 auch die S-Pen-Funktionen erweitert und verbessert. Zieht man den Stift aus dem Gehäuse oder hält ihn knapp über den Bildschirm und drückt den Knopf auf seiner Oberseite, öffnet sich ein rundes Auswahlfenster mit fünf sogenannten Air-Command-Funktionen. So kann man beispielsweise ein sogenanntes Action Memo mit Name, Adresse und Telefonnummer schreiben und danach durch Einkreisen des entsprechenden Bereichs als nächsten Schritt die Nummer direkt anrufen, die Adresse speichern oder in Maps anzeigen lassen. Wie andere Air-Comand-Fenster kann man Action-Memos minimieren, sie bleiben danach auf dem Display im Vordergrund und sind jederzeit wieder aufrufbar.

Aktiviert man die Scrapbook-Funktion, kann man auf Webseiten Bilder, Videos oder andere Bereiche sammeln und die "Schnipsel" in einer entsprechenden App ablegen. Dabei werden auch alle Metadaten mit Zusatzinfos gespeichert, die man dann im Scrapbook direkt abrufen kann. Auch Videos lassen sich direkt in der Anwendung abspielen.

Das Galaxy Note 3 ist nur 8,3 Millimeter dick.
Das Galaxy Note 3 ist nur 8,3 Millimeter dick.(Foto: kwe)

Der S Finder ist eine universelle Suchfunktion, die unter anderem Action-Memos und Scrapbooks in die Suche integriert. Filter sollen die Suche möglichst zielgerichtet machen, unter anderem kann man den Zeitraum eingrenzen.

Praktisches Werkzeug-Fenster

Besonders praktisch ist das Pen Window. Dabei zeichnet man an einer beliebigen Stelle des Displays ein Rechteck, das ein Auswahl-Fenster mit einigen hilfreichen Tools wie den Taschenrechner öffnet. Die ausgewählte Anwendung lässt sich dann auch minimiert im Vordergrund ablegen. Außerdem hat man über den S Pen direkten Zugriff  auf "My Magazine", das offenbar ähnlich wie Flipboard oder Google Currents aus Webseiten, Feeds, sozialen Netzwerken und anderen gewählten Inhalten ein persönliches Magazin erstellt.

Das kommende Galaxy Note 10.1 bietet die gleichen Funktionen wie das Galaxy Note 3.
Das kommende Galaxy Note 10.1 bietet die gleichen Funktionen wie das Galaxy Note 3.(Foto: kwe)

Die Multi-Window-Funktion, bei der zwei Apps gleichzeitig übereinander auf dem Display angezeigt werden, hat ein sehr nützliches Extra bekommen: Zwischen bestimmten Anwendungen können Infos oder Dateien per Drag & Drop ausgetauscht werden. So kann man beispielsweise eine Karte aus Google Maps über die Nachrichten-App verschicken.

Google will das Galaxy Note 3 am 25. September auf den Markt bringen. Einen Preis hat das Unternehmen noch nicht genannt.

Neues Galaxy Note 10.1 mit hoher Auflösung

Fast beiläufig hat Samsung auch die verbesserte 2014er-Generation seines Tablets Galaxy Note 10.1 gezeigt. Das 10,1 Zoll große TFT-Display hat mit 2560 x 1600 Pixel eine höhere Auflösung und außerdem einen schnelleren Vier-Kern-Prozessor (1,9 Gigahertz) als das aktuelle Modell. Der Arbeitsspeicher ist von zwei auf drei Gigabyte angewachsen, der Akku hat eine Kapazität von 8220 Milliamperestunden.

Auf der Rückseite des Gehäuses, dessen Stereo-Lautsprecher nicht mehr seitlich vorne im Rahmen sitzen, hat Samsung jetzt eine 8-Megapixel-Kamera eingebaut. Der interne Speicher ist je nach Modell zwischen 16 und 64 Gigabyte groß. Das neue Galaxy Note 10.1 misst 243,1 x 171,4 x 7,9 Millimeter und wiegt 535 Gramm. Samsung bringt es noch im dritten Quartal als WLAN-, 3G- oder LTE-Modell heraus. Ein Preis steht noch nicht fest.

Kleine Smartwatch stiehlt großen Geräten die Show

Das Armband ist innen weich und außen hart.
Das Armband ist innen weich und außen hart.(Foto: kwe)

Trotz eines 1,63 Zoll kleinen Displays mit 320 x 320 Pixeln war der große Star des Abends Samsungs erste Smartwatch, mit der die Südkoreaner ihrem großen Konkurrenten Apple beim Thema Armband-Computer diesmal einen Schritt voraus sind. Wie im Vorfeld vermutet wurde, hat die Galaxy Gear kein gebogenes Display, ist aber trotzdem optisch gelungen.

Die Smartwatch soll nicht nur ein Gerät, sondern auch wie herkömmliche Armbanduhren ein Schmuckstück sein. Deshalb hat Samsung für das Gehäuse und den Verschluss Metall gewählt. Wäre nicht eine recht auffällige Kamera im Plastik-Armband untergebracht, könnte man die Galaxy Gear auf den ersten Blick für eine normale Armbanduhr halten. Dafür sprechen auch die Maße von 36,8 x 56,6 x 11,1 Millimeter und das geringe Gewicht von 73,8 Gramm. Und wie es sich für ein modisches Accessoire gehört, bietet es Samsung in sechs verschiedenen, teils sehr auffallenden Farben an.

Gear bleibt in der eigenen Galaxie

Man kann die Galaxy Gear in der entsprechenden Farbe auch zum Anzug tragen.
Man kann die Galaxy Gear in der entsprechenden Farbe auch zum Anzug tragen.(Foto: kwe)

Die Galaxy Gear ist eine Ergänzung zu Galaxy-Smartphones oder – wie Samsung es ausdrückt - ein "Companion Device", das "Smart Freedom" ("Smarte Freiheit") bringen soll. Mit anderen Smartphones koppelt sich die Uhr nicht, mit Galaxy-Geräten nimmt sie dagegen ganz unkompliziert via NFC eine Bluetooth-Verbindung auf. Bedient wird die Gear, indem man zwischen Anwendungen durch seitliche Wischer wechselt und einen Schritt vor oder zurück macht, wenn man nach oben oder unten streicht. Fotos oder andere Aktionen löst man durch einen Tipper aus.

Die Galaxy Gear kann mit ihrer 1,9-Megapixel-Kamera Fotos und kurze Memo-Videos in leidlich guter Qualität aufnehmen und auf einem vier Gigabyte großen Speicher ablegen. Allerdings ist die Kamera so angebracht, dass mit ihr keine Videochats möglich sind. Die Smartwatch, die von einem 800-Megahertz-Prozessor mit zwei Kernen angetrieben wird und 512 Megabyte Arbeitsspeicher hat, ist außerdem für normale Telefon- und Videogespräche einsetzbar, kann Infos anzeigen und Sprachmemos aufnehmen. Wenn sich der Träger mehr als 1,5 Meter vom gekoppelten Galaxy-Smartphone entfernt, sperrt sich dessen Bildschirm automatisch, umgekehr entsperrt sich das Display wenn die Gear sich wieder nähert. Und natürlich zeigt die Smartwatch auch die Zeit an, zehn verschiedene Uhren-Designs stehen ab Werk zur Auswahl, weitere können heruntergeladen werden..

70 Apps zum Verkaufsstart

Die Ladestation klemmt man um das Gehäuse der Smartwatch.
Die Ladestation klemmt man um das Gehäuse der Smartwatch.(Foto: kwe)

Samsung will zum Verkaufsstart 70 optimierte Apps für die Galaxy Gear anbieten, die auch die integrierten Sensoren (Lage, Beschleunigung) nutzen können. Dazu gehören neben Samsungs eigenen Anwendungen unter anderem auch Evernote oder Pinterest. Die Kapazität des Akkus ist mit 315 Milliamperestunden nicht sehr groß, die Smartwatch sollte aber bei normaler Nutzung rund zehn Stunden durchhalten. Um die Uhr aufzuladen, legt man sie in eine Station, die sich um das Gehäuse schließt und den Akku über Kontakt-Pins im Armband lädt.

Samsung plant, die Galaxy Gear zusammen mit dem Note 3 auf den Markt zu bringen, einen Preis wollten die Südkoreaner noch nicht verraten.

Quelle: n-tv.de

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