Technik
Was bei Twitter und Reddit geflüstert wird, könnte bald schon zur Alltagssprache gehören.
Was bei Twitter und Reddit geflüstert wird, könnte bald schon zur Alltagssprache gehören.(Foto: imago/McPHOTO)

Forschung bei Twitter und Reddit: Was wird das neue "lol"?

Sprachforscher suchen in sozialen Netzwerken wie Twitter und Reddit nach neuen Wortkreationen. Sie wollen wissen, welche Wörter warum in den Sprachgebrauch übernommen werden. Einen potenziellen Nachfolger für "lol" gibt es schon.

Sprache verändert sich ständig. Bedeutungen von Wörtern verschieben sich, Grammatikregeln erodieren, alte Wörter sterben aus, neue werden kreiert. Einfluss auf den Wandel unserer Sprache hat neben vielen anderen Faktoren auch das Internet. Wie sich Wörter im Netzjargon etablieren und ihren Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch finden, untersucht die Lancaster University mit einer speziellen Software.

Die Forscher haben es dabei auf die "Nischen des Internets" abgesehen, berichtet "Pressetext" und beruft sich dabei auf einen Artikel des "New Scientist". Soziale Netzwerke wie Twitter oder Reddit sind Welten für sich, in denen eigene soziale Regeln gelten und in denen eine eigene Sprache gesprochen wird, die für Außenstehende und Nichteingeweihte oft nur schwer nachzuvollziehen ist. Unter welchen Bedingungen aber bahnt sich neue Sprache ihren Weg in den Mainstream?  Um das herauszufinden, haben die Sprachforscher eine Software entwickelt, die die Millionen Wörter, die auf Twitter und Reddit gepostet werden, automatisch erfasst und nach ihrer Beliebtheit sortiert.

Wird Netzjargon zu Alltagssprache?

Aufregend sei das vor allem, weil viele Dinge, die früher ausschließlich mündlich artikuliert und weitergegeben worden wären, heute in Textform niedergeschrieben würden, erklärt Sprachexpertin Katherine Martin, die für die Oxford University Press regelmäßig neue Begriffskreationen für Lexika und Wörterbücher aus dem Netz zusammenträgt. Dadurch würden sie besser auffindbar und für die Wissenschaftler erfassbar. Klärungsbedarf gebe es vor allem bei der Frage, warum sich neue Begriffe durchsetzen. Denn ob ein Wort aus dem Netzjargon auch im allgemeinen Sprachgebrauch ankommt, sei alles andere als selbstverständlich.

Die Software aus Lancaster soll Wissenschaftlern ein Werkzeug geben, das ganz allgemein einen besseren Einblick in der Veränderung von Sprache gibt. Das Programm automatisiere gewissermaßen klassische Methoden aus der Lexikografie, erkenne bestimmte Schlüsselbegriffe und sortiere sie nach ihrer Popularität. Einen besonderen Fokus legen die Wissenschaftler darauf, wie schnell sich ein neues Wort innerhalb der Netz-Gemeinde verbreitet.

"bootyful" und "cyw"

Der Datensatz ist groß und wächst ständig. Bisher sollen bereits über 22 Millionen einzelne Begriffe auf Twitter und Reddit erfasst und bewertet worden seien. Wörter, die in Großbritannien besonders schnell angenommen wurden, seien zum Beispiel "bootyful" (angelehnt an "beautiful") "cyw" als Abkürzung für "coming your way" oder "scrims", ein Begriff aus der Gaming-Szene für Trainingseinheiten von einem Wettkampf.

Ob es solche Begriffe auch in den deutschen Sprachgebrauch schaffen, bleibt abzuwarten. Tatsache ist aber, dass englische Begriffe immer häufiger auch ins Deutsche übernommen werden. Das zeigen Wörter wie "Selfie", "googlen", "Tweet", "Blog" oder "Hashtag", oder auch die Abkürzungen "lol" für "laughing out loud" (etwa: laut auflachen), "imho" für "in my humble opinion (etwa: meiner bescheidenen Meinung nach) oder "omg" für "oh my god" (Oh mein Gott).

Übertreibung ist Muss

In einem lesenswerten Artikel in der "New York Times" erklärte Autorin Jessica Bennett im November 2015, was in den USA unterJugendlichen derzeit angesagt ist: "I'm dying", "literally dying", "I'm dead" und zahlreiche Abwandlungen dieses "übertriebenen" Ausdrucks des eigenen Todes seien unter jungen Netznutzern "das neue lol" geworden, schreibt Bennett.

Der Trend zur Übertreibung und zur immer stärkeren Überspitzung sei dabei in gewisser Weise nötig, da Wörter mit der Zeit an Einschlagskraft verlören und das Internet Nutzer zwinge, ihre Emotionen auf der virtuellen Bühne sozialer Netzwerke in kleinen 140-Zeichen-Häppchen auszudrücken - und dabei gleichzeitig möglichst viel Zuspruch zu bekommen. Das erfordere Kreativität und ein gewisses Maß an Übertreibung, um aufzufallen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen