Technik
Das Oneplus 5 ist nur eins der aktuellen Dual-Kamera-Smartphones.
Das Oneplus 5 ist nur eins der aktuellen Dual-Kamera-Smartphones.(Foto: jwa)
Dienstag, 04. Juli 2017

iPhone, Huawei, Oneplus, LG: Welche Dual-Kamera ist die beste?

Von Johannes Wallat

Viele aktuelle Smartphones haben Dual-Kameras. Aber worin unterscheiden sich die einzelnen Ansätze? Und für welchen Einsatzzweck ist welche Doppel-Knipse am besten geeignet? n-tv.de klärt auf.

Die Kamera ist eines der wichtigsten Elemente in modernen Smartphones. Die beste Kamera ist schließlich die, die man im richtigen Moment dabei hat. Entsprechend viel Mühe stecken die Hersteller in Entwicklung und Optimierung ihrer Smartphone-Knipsen. Viele setzen dabei auf Dual-Kameras. Das Doppel-Objektiv liegt wie nie zuvor im Trend.

Eines der ersten populären Android-Smartphones mit Dual-Kamera war 2014 das HTC One M8. Inzwischen hat sich das Doppel durchgesetzt - sicher nicht zuletzt dank Apples iPhone 7 Plus, das bei den Käufern gerade wegen der zwei Linsen sehr beliebt ist. LG setzt beim G5 und beim G6 auf zwei Knipsen. Huawei stattet sein P9 und P10 mit zwei Kameras aus, ebenso wie das Mate 9 und die Honor-Modelle 6X, 8, 8 Pro und 9. Auch das kürzlich vorgestellte Oneplus 5 hat zwei Linsen auf der Rückseite.

Aber Dual-Kamera ist nicht gleich Dual-Kamera - grundsätzlich kann man zwischen zwei populären Ansätzen unterscheiden.

Sehen in 3D

Bei HTC, Huawei und Honor arbeiten beide Sensoren zusammen an einem Bild. Das Grundprinzip ist bei allen das gleiche: Die zweite Kamera dient zur Ermittlung der Tiefenschärfe. Beide Linsen fotografieren den gleichen Bildausschnitt aus verschiedenen Winkeln, ganz ähnlich wie wir mit unseren Augen sehen. Die Elektronik rechnet beide Bilder zusammen und kann dadurch dreidimensional "sehen" und Objekte im Raum richtig verorten.

Genutzt wird diese Fähigkeit bisher zumeist für eine nachträgliche Anpassung der Schärfeebene und für einen Unschärfeeffekt, der das Bokeh einer Spiegelreflexkamera imitiert, aber digital erzeugt wird und oft nicht ganz genau funktioniert - besonders feine Strukturen wie Blätter oder Haare bereiten der Technologie häufig Probleme.

Verlustfreier "Zoom"

Die aktuellen Huawei- und Honor-Modelle (P10, P10 Plus, Mate 9, Honor 9) haben noch einen weiteren Vorzug: In ihnen sitzt je ein Schwarzweiß-Sensor mit hoher Auflösung (20 Megapixel), der Details und Helligkeitsinformationen aufnimmt. Der zweite Sensor sammelt Farbinformationen und hat eine geringere Auflösung (12 MP). Das ausgegebene Bild ist wahlweise 12 oder 20 Megapixel groß. Der Clou: Die höhere Auflösung des zweiten Sensors ermöglicht im 12-MP-Modus einen nahezu verlustfreien digitalen Zweifach-"Zoom", bei dem der gewünschte Bildausschnitt bis zur nativen Auflösung des Schwarzweiß-Sensors vergrößert wird.

Das Spiel mit der Brennweite

Bilderserie

Diese digitale Vergrößerung kann einen optischen Zoom aber nicht ersetzen, denn bei einer anderen Brennweite verändert sich auch die Perspektive. Diesen Effekt nutzen LG, Apple und Oneplus bei ihren Dual-Kameras, in denen je zwei Linsen mit unterschiedlicher Brennweite zum Einsatz kommen.

LG setzt im G5 und G6 neben einer Kamera mit Standard-Bildwinkel auf eine zusätzliche Ultraweitwinkel-Linse. Das ist zum Beispiel nützlich, um große Gebäude zu fotografieren. Auf Fotos, die mit dem Weitwinkel aufgenommen wurden, erkennt man auch den beliebten "Fischauge-Effekt", eine tonnenförmige Verzeichnung, durch die die vertikalen Linien an den Bildrändern gekrümmt erscheinen. 

Apple geht beim iPhone 7 Plus in die andere Richtung, Oneplus folgt dem Beispiel: In beiden Smartphones sitzt neben der Standard-Kamera eine zweite Knipse mit größerer Brennweite, die Motive näher heranholt und dabei gleichzeitig die Tiefe im Bild reduziert. Das Ergebnis: Weniger Verzeichnung und Bilder, die flacher wirken - das ist besonders gut für Porträts. 

Unschärfeeffekt haben fast alle

Ein Vergleich: So unterscheidet sich die Perspektive der beiden Kameras im Oneplus 5.
Ein Vergleich: So unterscheidet sich die Perspektive der beiden Kameras im Oneplus 5.(Foto: vpr/jwa)

Übrigens: Den Unschärfe-Effekt gibt es auch beim iPhone 7 Plus, beim Oneplus 5 und bei nahezu allen aktuellen Smartphones, ungeachtet der Kamera-Technik. Auch das Galaxy S8 und das HTC U11, beide mit nur einer Kamera ausgestattet, bieten ihren Nutzern diesen Effekt an. Bei allen Geräten ist es vor allem eine Frage der Software-Abstimmung, wie gut dieser Effekt funktioniert.

Der wahre Vorteil der Dual-Kameras liegt also woanders. Bei Huawei und Honor ist es das Zusammenspiel der beiden Sensoren. Bei LG ist es das zusätzliche Weitwinkel-Objektiv mit Fischauge. Und bei Oneplus und Apple ist es die leichte Tele-Brennweite, die Motive näher heranholt und sich dadurch besonders für Portraits gut eignet.

Welche ist die beste?

Die Frage nach der besten Dual-Kamera lässt sich damit nur beantworten, indem man sich selbst fragt, wofür man sie einsetzen möchte. Ob die Smartphones von Huawei und Honor durch die zwei Linsen einen großen Vorteil gegenüber den Platzhirschen haben? Zumindest die Experten von DxOMark sehen das in Sachen Bildqualität nicht so, das Huawei P10 landet im aktuellen Ranking auf Platz vier, das Mate 9 folgt auf Platz sechs.

Wer gerne Menschen porträtiert, sollte zum Oneplus 5 oder zum iPhone 7 Plus greifen, denn beide haben einen optischen Vorteil, den kein Digitalzoom imitieren kann. Und wer gerne Weitwinkelaufnahmen macht und die dramatische Linienkrümmung künstlerisch einsetzt, der kommt derzeit nicht an LGs Topmodell vorbei.

Quelle: n-tv.de

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