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Whatsapp-Gründer Jan Koum legt keinen Wert mehr auf Cent-Beträge.
Whatsapp-Gründer Jan Koum legt keinen Wert mehr auf Cent-Beträge.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Abogebühr, keine Werbung: Whatsapp wird komplett gratis

Auf der Internetkonferenz DLD kündigt Firmengründer Jan Koum an, Whatsapp bald komplett gratis anzubieten. Werbung wird es auch künftig in dem Messenger nicht geben, Unternehmen sollen neue Möglichkeiten zur Kundenbindung bekommen.

Aktuell ist für Neukunden nur das erste Nutzungsjahr kostenlos, danach kostet Whatsapp pro Jahr 89 Cent. Jetzt hat Unternehmensgründer Jan Koum in München im Rahmen der Internetkonferenz DLD aber angekündigt, auch diese Gebühr "in einigen Wochen" abzuschaffen. "Es ist nicht viel Geld für ein Jahr Service", zitiert ihn "The Next Web". Aber Nutzer müssten eine Bezahlmöglichkeit haben, was vor allem in Entwicklungsländern nicht immer einfach sei.

"Die Übernahme hat uns erlaubt, uns auf Wachstum zu konzentrieren und nicht ans Geldverdienen zu denken", erklärt Koum den Schritt. Werbung zur finanzierung schließt Whatsapp in einem Blogpost nach wie vor aus. Man wolle künftig stärker in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Verbrauchern mitmischen, sagte Koum mit Blick auf ein mögliches künftiges Geschäftsmodell. "Auf der ganzen Welt nutzen Firmen bereits Whatsapp, um mit ihren Kunden zu kommunizieren",zitiert ihn "Trending Topics". Mit neuen Business-Tools wolle man ihnen das erleichtern.

"Wir werden experimentieren"

Wie könnte so eine Kommunikation aussehen? "Man wird einem Restaurant einfach eine Nachricht schicken können, um einen Tisch für fünf Leute um 8 Uhr Abends zu reservieren." Außerdem könnten Fluglinien via Whatsapp Benachrichtigungen schicken, wenn etwa ein Flug verspätet ist oder das Gate geändert wurde, schreibt "Trending Topics". Die Umsetzung sei prinzipiell einfach, da sowohl User als auch Unternehmen bereits mit ihren Telefonnummern eindeutig identifiziert seien, erklärt Koum. Für die Verbindung zwischen ihnen würde dann Whatsapp sorgen. "Wir werden experimentieren, wie wir das zu Geld machen können."

Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden ist allerdings auch ein Schwerpunkt beim Facebook Messenger, dem zweiten Kurzmitteilungsdienst des sozialen Netzwerks, der nach jüngsten Angaben über 800 Millionen Nutzer hat. Bisher teilten sie sich so auf, dass Whatsapp sich auf eine schlanke Grund-Kommunikation fokussiert und der Messenger - zunächst in den USA - eine Art "Schweizer Taschenmesser" mit vielen Zusatz-Angeboten wie Bezahldienst oder Fahrten-Vermittlung ist. Whatsapp hat über 900 Millionen Nutzer weltweit, bei der Übernahme durch Facebook waren es noch rund 450 Millionen.

Unabhängiger Milliardär

Vor ziemlich genau zwei Jahren sagte Koum am Rande der DLD noch, die Abo-Gebühr solle auf Dauer die Unabhängigkeit von Whatsapp sichern. Das Geld reiche aus, beteuerte er damals, die Firma agiere äußerst sparsam. Wenige Wochen später wurde die Übernahme durch Facebook für 19 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Am Ende war der Deal mit dem steigenden Preis der Facebook-Aktie rund 22 Milliarden Dollar wert. Der Ukrainer Koum, der als Teenager auf Sozialhilfe in Kalifornien angewiesen war, kam als Mitgründer auf ein Milliardenvermögen.

Der Deal mit Facebook habe es Whatsapp erlaubt, die Infrastruktur des weltgrößten Online-Netzwerks zu nutzen - zum Beispiel bei der Einführung der Sprachtelefonie, die sonst viele eigene Ressourcen erfordert hätte, sagte Koum jetzt. Zugleich habe Whatsapp weitgehend die Unabhängigkeit bewahren können, betonte er. So laufe die Software-Entwicklung weiterhin auf einer eigenen Plattform. Bei Verwaltungs-Funktionen wie Personal oder juristischen Angelegenheiten greife Whatsapp dagegen auf Facebook-Strukturen zurück.

Quelle: n-tv.de

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