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David Petraeus erlag einem Irrtum.
David Petraeus erlag einem Irrtum.(Foto: REUTERS)

Hotels, Petraeus und der Terroristentrick: Wie die Affäre des CIA-Chefs aufflog

Von Roland Peters

Die Affäre um General und Ex-CIA-Chef David Petraeus mutet an wie ein Agentenstück erster Güte. Die Geliebte Laura Broadwell hinterlässt Spuren in Hotels, die Agenten agieren in aller Ruhe - und legal - im Verborgenen, am Ende wird der Liebschaft ein Mythos um Terroristen zum Verhängnis. "Ein Lehrstück", schreibt eine Bürgerrechtsorganisation.

David Petraeus galt als amerikanischer Saubermann. Als ein General, der aufräumen kann. Der die Truppen im Irak als Kommandeur aus der Gewaltspirale führte; nicht im Rambostil, sondern mit Köpfchen. Seit einigen Tagen nun ist Petraeus' außereheliche Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell bekannt. Doch wie war das möglich? Welche Schritte unternahm das Federal Bureau of Investigations, das FBI?

Der Mann, der nach seinen Erfolgen im Nahen Osten von der US-Presse schon zum inoffziellen "Running Mate", also dem Vizepräsidentschaftskandidaten der Republikaner gemacht worden war, ist tief gefallen. So etwas passiert nur einem, der obenauf war. Dass es für den hochrangigen Militär so weit kommen musste, dass sein Privatleben sein berufliches Leben radikal geändert hat, liegt zum Teil daran, dass Petraeus und Broadwell auf unsichere Weise kommunizierten. Und die Ermittler geschickt geltende Gesetze ausnutzten.

Wie die Behörde auf die Spur der beiden kam und warum sie überhaupt Ermittlungen aufnahm, ist klar – Broadwell schickte Jill Kelley, der vermeintlichen Konkurrentin um die Zuneigung des Generals, E-Mails mit Drohungen. Kelley beschwerte sich bei einem Bekannten vom FBI. Der schaute, was er tun konnte, und leitete eine Ermittlung wegen Cybermobbings ein.

Wochenlanges Puzzlespiel

Jill Kelley, die vermeintliche Konkurrentin.
Jill Kelley, die vermeintliche Konkurrentin.(Foto: AP)

Die Ermittler untersuchten das E-Mail-Konto, von dem die Drohungen kamen. Informationen der "New York Times" zufolge war es anonym registriert worden. Also ohne bürgerlichen Namen und von einer IP-Adresse, die keiner Person zugeordnet werden kann. Die Ermittler des FBI mussten forensisch vorgehen. Sie prüften, auf welche anderen Konten von derselben Adresse zugegriffen worden war. Webmail-Anbieter wie Google, Yahoo und Microsoft speichern diese Daten in den USA meist länger als ein Jahr.

Über Wochen untersuchten die Agenten die digitalen Spuren. Sie nutzten die Vorteile des "Big Data", der massenhaften Speicherung von Informationen und deren Zugänglichkeit. So war einsehbar, von welchem Ort die E-Mails verschickt wurden, beschreibt das "Wall Street Journal" das Vorgehen der Ermittler. Das Zwischenergebnis: mehrere Hotels, mehrere Städte, verschiedene WiFi-Hotspots. Das FBI verglich die Gästelisten der Häuser und fand eine Übereinstimmung: Paula Broadwell.

So lange Anschuldigungen nicht abgeheftet werden, wird in den USA eine Person, die Ziel staatlicher Überwachung wird, auch nicht darüber informiert. Sie erfährt es eventuell über die Presse, wenn an diese absichtlich Informationen weitergegeben werden, so wie in diesem Fall. Schon seit dem Sommer soll das FBI von der Affäre gewusst haben.

Entwurfsordner bei Gmail

David Petraeus und Paula Broadwell nutzten für ihre Kommunikation eine angeblich sichere Form. Der Associated Press zufolge legten die beiden ein gemeinsames E-Mail-Konto bei Googles Dienst Gmail an, schrieben Nachrichten und legten sie im Entwurfsordner ab, statt sie hin- und herzuschicken. Ein Fehler. Auch so konnte das FBI diese E-Mails lesen. Und sie wussten, wer dahinter steckt. Wie sie das im Falle von David Petraeus in Erfahrung brachten, ist unklar.

Die angebliche Sicherheit dieser Methode sei "ein Mythos in Washington D.C., der Kommunikationsspuren verstecken soll", so die Bürgerrechtsorganisation UCLA. "Eine herausragende Lehrstunde zur Überwachungsmacht der Regierung", schreiben die Aktivisten. Denn natürlich werden diese E-Mails ebenso gespeichert. Und natürlich wird darüber hinaus gespeichert, über welche IP-Adresse die jeweiligen Personen auf das Konto zugreifen.

Nichtsdestotrotz waren mehrere Terroristen genau so vorgegangen: der "Schuh-Bomber" Richard Reik, die Attentäter von Madrid, auch eine Terrorzelle in Deutschland.

Laxes US-Recht

Sie alle, inklusive Petraeus und Broadwell, lagen falsch, zumindest nach US-Recht. Dass die Biografin für den brisanten Austausch offenbar nie ihren eigenen Internetanschluss nutzte, half nicht. Die wohl fehlende Verschlüsselung noch weniger.

Auch E-Mails, die im Entwurfsordner lagern, sind nach Ansicht des US-Justizministeriums ohne richterlichen Beschluss für Ermittlungsbehörden zugänglich zu machen, warnt die Electronic Frontier Foundation. Und damit auch ohne Wissen des Betroffenen. Selbst wenn dieser als Saubermann gilt. Oder gar CIA-Chef ist.

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Quelle: n-tv.de

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