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Bei solchen Aufnahmen liefert HDR in hellen und dunklen bereichen mehr Details.
Bei solchen Aufnahmen liefert HDR in hellen und dunklen bereichen mehr Details.(Foto: AP)
Montag, 04. September 2017

Entscheidend fürs gute Bild: Wie viel HDR sollte ein Fernseher können?

Von Klaus Wedekind

Entscheidend für die Bildqualität von neuen Fernsehern sind ihre HDR-Fähigkeiten. Wie gut diese sind, sollen Bezeichnungen wie Dolby Vision, HDR 10 oder HDR 10+ anzeigen. Was bedeuten sie, wo sind die Unterschiede und worauf sollte man beim Kauf eines neuen TV-Geräts achten?

Eine hohe Auflösung ist bei neuen Fernsehern inzwischen selbstverständlich, auch günstigere Mittelklasse-Geräte bieten mit UHD (4K) bereits ein sehr scharfes Bild mit vielen Details. Den Unterschied zwischen sehr guten und guten Geräten besteht jetzt vor allem darin, ob und wie gut die Fernseher Inhalte in HDR anzeigen können.

HDR ist die Abkürzung für "High Dynamic Range". Ein großer Dynamik-Umfang bedeutet zum einen, dass ein Fernseher sehr hell leuchten, gleichzeitig aber auch ein tiefes Schwarz erzeugen kann. So liefert der Bildschirm sowohl in dunkleren als auch in helleren Bereichen mehr Details. Zusätzlich sind HDR-Fernseher dazu in der Lage, mehr Farben in feineren Abstimmungen anzuzeigen als herkömmliche Geräte.

Wann aber sind Kontraste hoch genug und wie viele Farben und Abstufungen sind genug, um HDR-Inhalte vernünftig darzustellen? Um Käufer nicht mit PR-Sprüchen und nichtssagenden Bezeichnungen alleine zu lassen, hat die UHD Alliance das Qualitäts-Logo Ultra HD Premium (UHD Premium) ins Leben gerufen. Damit sich ein Fernseher damit schmücken kann, muss er mehrere technische Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören neben der UHD-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) auch Mindestwerte für Farbtiefe, Farbraum, Helligkeit und Schwarzwert. Die geforderten Spezifikationen bilden auch den Standard HDR10, der unter anderem von den Spielekonsolen Playstation 4 Pro und Xbox One S sowie vielen Blu-Ray-Playern unterstützt wird.

OLED oder QLED

Derzeit gibt es im Prinzip zwei Technologien, die bei hochwertigen HDR-Fernsehern eingesetzt werden. Bei OLED-Geräten leuchten die (organischen) Pixel selbst, weshalb sie vor allem bei den Schwarzwerten unschlagbar gut sind. Auch Farbdarstellung und Blickwinkelstabilität sind besonders gut, und weil keine Hintergrundbeleuchtung notwendig ist, können die Bildschirme sehr dünn konstruiert werden. Schwächen haben OLED-TVs aber bei der maximalen Helligkeit.

Beim Aussteller laufen auf dem Fernseher immer Inhalte, die das Beste aus dem Bildschirm herausholen. In der Wohnzimmer-Realität sieht das noch anders aus.
Beim Aussteller laufen auf dem Fernseher immer Inhalte, die das Beste aus dem Bildschirm herausholen. In der Wohnzimmer-Realität sieht das noch anders aus.(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Bei QLED-Fernsehern werden grundsätzlich wie bei herkömmlichen LCD-TVs Flüssigkristalle mit einem LED-Panel zum Leuchten gebracht. In der Zwischenschicht, die für die gleichmäßige Verteilung des Lichts zuständig ist, sitzen hier aber sogenannte Quantum Dots. Sie werden von blauem Licht angestrahlt und leuchten Rot und Grün. Weil die Farben für sich besonders rein sind, ergeben sie gemischt auch ein besonders "sauberes" Weiß. QLEDS glänzen durch sehr hohe Helligkeitswerte und sie sind günstiger herzustellen und damit preiswerter als OLED-Geräte. Außerdem sollen sie langlebiger sein.

Dolby Vision oder HDR10+?

Wer einen Fernseher mit UHD-Premium- beziehungsweise HDR10-Siegel kauft, darf davon ausgehen, dass sein Gerät zukunftssicher ist und es schon bald immer mehr Inhalte geben wird, die auf seinem Fernseher ein prächtiges Bild erzeugen können. Aber es geht noch besser. Denn bei HDR10 werden die Farb- und Kontrast-Einstellungen bei einem Film nur einmal definiert. Idealer ist es, wenn das Wiedergabegerät Szene für Szene Informationen zur Bildoptimierung erhält. Solche dynamischen Metadaten liefert Dolby Vision. Dolby verlangt für die Technik allerdings Lizenzgebühren, weshalb sie eher bei ohnehin schon hochpreisigen Geräten eingesetzt wird. Als besonders wirkungsvoll gilt die dynamische HDR-Bildoptimierung bei OLED-Fernsehern. Unter anderem setzen Sony, LG oder Loewe auf diese Technik.

Seit Kurzem gibt es auch HDR10+, das ebenfalls dynamische Metadaten liefert. Dieser Standard wurde federführend von Samsung ins Leben gerufen. Gründungs-Partner Panasonic will wie Samsung aktuelle Geräte aus diesem und dem vergangenen Jahr per Update HDR10+-fähig machen und dann voll auf den neuen Standard setzen. Phillips ist wohl ebenfalls demnächst an Bord. Es könnten bald noch deutlich mehr TV-Hersteller sein, denn die Lizenzen für HDR10+ sollen gebührenfrei vergeben werden. Theoretisch liefert Dolby Vision das perfektere Ergebnis - under anderem durch eine höhere Farbtiefe.

Warten auf Inhalte

Bei beiden Standards gibt's ein dynamisch optimiertes HDR nur, wenn entsprechende Inhalte zur Verfügung stehen. Bei HDR10+ wollen bereits Amazon Video und 20th Century Fox liefern. Auch Warner Brothers hat Interesse bekundet. Das Filmstudio ist aber auch schon von Anfang an bei Dolby Vision dabei, auch Universal, Netflix oder Amazon wollen Filme und Serien mit Dolby Vision herausbringen. Bei Blu-Rays können Player Inhalte mit HDR10+ erst mit dem kommenden HDMI 2.1 an Fernseher übertragen, bei Dolby Vision klappt dies schon mit aktueller Technik.

So oder so: Noch ist das Angebot an dynamisch optimierten HDR-Inhalten sehr rar. Vielleicht setzt sich langfristig nur ein Standard durch, möglicherweise überleben beide, vielleicht gibt es auch irgendwann noch einen einheitlichen Standard. Wer jetzt einen Fernseher kaufen möchte, fährt vielleicht am besten, wenn er ein nicht ganz so teures Gerät aus dem vergangenen Jahr mit UHD-Premium-Siegel kauft. HDR10 ist eine sichere Sache, mit vielen aktuellen Geräten kompatibel und liefert bereits ein hervorragendes Bild. Gut genug jedenfalls, um die Entwicklung der kommenden Jahre in Ruhe abwarten zu können.

Quelle: n-tv.de

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