Technik
Windows 10 läuft gut, aber noch nicht gut genug.
Windows 10 läuft gut, aber noch nicht gut genug.(Foto: Microsoft)

Marktanteil wächst nur langsam: Windows 10 kommt nicht in Schwung

Von Klaus Wedekind

Rund fünf Monate nach der Veröffentlichung erreicht Windows 10 nur einen Marktanteil von knapp 10 Prozent. Trotz Weihnachtsgeschäft schwächt sich das Wachstum des Betriebssystems offenbar auch im Dezember weiter ab. Was läuft schief?

Innerhalb von zwei bis drei Jahren werde Windows 10 auf einer Milliarde Geräten laufen, sagte der zuständige Vize-Präsident Terry Myerson bei Microsofts Entwicklerkonferenz Build im vergangenen April. Ähnlich euphorisch war sein Blogeintrag kurz vor Veröffentlichung des Betriebssystems im Juli. Tatsächlich legte Windows 10 einen Traumstart hin, konnte schon im August einen weltweiten Marktanteil von über 5 Prozent feiern und übertraf damit sogar Windows 7, das in den ersten vier Wochen rund 4 Prozent erreichte. Das unbeliebte Windows 8 dümpelte nach dem ersten Monat sogar nur bei einem Prozent herum.

Doch schon im September war der Anfangsschwung verloren, den Daten von NetMarketShare zufolge konnte Microsofts neues Betriebssystem lediglich um 1,42 Prozentpunkte auf 6,63 Prozent zulegen. Ähnlich lahm verlief das Wachstum auch in den Folgemonaten, es verlangsamte sich sogar noch weiter. Auch das Weihnachtsgeschäft lieferte Microsoft nicht den erhofften kräftigen Schub. Im Gegenteil: Mit Bezug auf Zahlen von Net Applications berichtet "Computerworld", Windows 10 habe im Dezember nur um knapp 1 Prozentpunkt zulegen können, noch weniger als im Oktober (1,3 Prozentpunkte) und im November (1,1 Prozentpunkte).

Auf Augenhöhe mit Windows XP

Windows 7 hatte fünf Monate nach seinem Marktstart bereits 11,2 Prozent Marktanteil erobert. Aktuell ist das immer noch sehr beliebte Betriebssystem laut Netmarketshare auf fast 56 Prozent der Desktop-Rechner installiert. Windows 10 liegt mit 9,96 Prozent noch knapp hinter Windows 8.1 (10,3 Prozent) und dem Uralt-Betriebssystem Windows XP (10,93 Prozent). Windows-intern kommt das neue Betriebssystem so auch nur auf einen Anteil von 10,9 Prozent. Bei StatCounter sieht's für Windows 10 etwas rosiger aus. Hier hat es jetzt einen weltweiten Marktanteil von 11,8 Prozent und konnte im Weihnachtsmonat um 1,7 Prozentpunkte zulegen. Im Oktober und November betrug das Wachstum 1,4 beziehungsweise 1,2 Prozentpunkte. Windows 7 hatte bei Statcounter nach fünf Monaten 11,9 Prozent Marktanteil erreicht.

[Update] Microsoft selbst hat seit Oktober keine offiziellen Zahlen vorgelegt, damals feierte es 110 Millionen Windows-10-Geräte. Jetzt teilt das Unternehmen in einem Blogpost mit, das neue Jahr beginne mit 200 Millionen Geräten, auf denen das Betriebssystem aktiv genutzt werde. Wie "Winbeta" betont, zählen dazu auch die Xbox-One-Konsolen, die im November ein Update basierend auf Windows 10 erhielten. Microsoft teilt zwar die Verkaufszahlen seiner Konsole nicht mehr mit, laut VGChartz sind weltweit etwa 18 Millionen Geräte in Betrieb.

Gratis genügt vielen nicht

Egal, welche der Statistiken zutreffender ist: Das Wachstum von Windows 10 ist zwar nicht schlecht, aber es müsste angesichts des Gratis-Updates und Microsofts aggressiver Update-Politik eigentlich wesentlich schneller vorangehen. Doch offenbar konnte das Unternehmen bisher vor allem Enthusiasten zum Umstieg bewegen, die meisten Normalnutzer zeigen Windows 10 noch die kalte Schulter. Viele warten einfach ab, weil sie mit ihrem Betriebssystem zufrieden sind und keine Eile haben, zu wechseln. Vor allem Windows-7-Nutzer möchten sich auch nicht von ihrer gewohnten Oberfläche verabschieden. Neue Funktionen brauchen sie nicht und ein stabiles und sicheres System haben sie noch bis 2020 - so lange liefert Microsoft Sicherheits-Updates. Abschreckend wirkt sicher auch die anhaltende Diskussion über Microsofts Datenschutzbestimmungen und die umfassenden Berechtigungen, die Sprachassistentin Cortana oder andere Cloud-Dienste einfordern.

Letzte Hoffnung für Windows-Phones

Früher oder später wird sich Windows 10 durchsetzen, die meisten Nutzer scheuen letztendlich den Umstieg auf Linux, ein teurer Apple-Computer ist ebenfalls für die Mehrheit keine Alternative. Doch Microsoft braucht einen schnelleren Erfolg. Denn Windows 10 soll ein plattformübergreifendes System sein, das das Internet der Dinge erobert und vielleicht auch für Microsofts Smartphone-Geschäft die letzte Chance ist.

Eine wichtige Säule von Windows 10 sind nämlich universelle Apps. Das heißt, eine Anwendung, die auf dem Desktop-Rechner läuft, kann auch auf allen anderen Geräten installiert werden, ohne dass der Entwickler weitere Anpassungen vornehmen muss. Auf diese Weise könnte Microsoft das Problem des zu geringen App-Angebots für Windows-Phones lösen. Aber: So lange die meisten Menschen Windows 7 nutzen, schreiben Entwickler lieber klassische Desktop-Programme. Diese laufen zwar auch unter dem neuen Betriebssystem, aber nicht unter Windows 10 Mobile, das laut Microsofts Twitter-Kanal Lumia Help in Kürze auch ältere Smartphones erhalten werden. Viele neue Apps dürfen sie aber kaum erwarten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen