Highspeed-Internet-TarifeMehr als 100.000 kbit/s möglich
Der Internet-Anschluss wird noch schneller. Die Anbieter sorgen mit dem Geschwindigkeitswahn für einen netten Nebeneffekt - sie erzielen höhere Preise. Der Nutzen für den Privatkunden ist noch fraglich.
Wir schreiben das Jahr 2004. Die Deutsche Telekom stellt auf einer breit angelegten Pressekonferenz die neuen DSL-Anschlüsse vor. Drei Geschwindigkeiten stehen zur Verfügung: T-DSL 1000, 2000 und 3000. Bis zu diesem Zeitpunkt war eine Übertragungsbandbreite von 768 kbit/s beim Datenempfang der Standard, mit doppelter ISDN-Geschwindigkeit von 128 kbit/s konnte man Daten versenden. T-DSL 3000 wurde damals als Produkt für Profis mit großen Datenmengen angeboten.
Von 3000er DSL-Anschlüssen spricht heute kein Mensch mehr. Sie wurden aus der Vermarktung genommen. Der 2000er DSL-Anschluss ist das Discount- und Einstiegsangebot, mit dem die verbleibenden Nicht-DSL-Kunden auf den Geschmack gebracht werden sollen – als Zwischenstation zu DSL-Power-Anschlüssen.
50.000-kbit/s-Angebote im Vergleich
Jetzt sollen Breitbandanschlüsse unters Volk gebracht werden, die teilweise über 100.000 kbit/s beim Datenempfang durch die Leitung jagen. Während die 2000er-Anschlüsse schon für 20 Euro im Monat zu haben sind, kosten die Highspeed-Datenleitungen richtig Geld. Die meisten Angebote sind bislang im Bereich der 50.000-kbit/s-Leitungen zu finden. Die Doppelflatrate für kostenloses Surfen und Telefonieren innerhalb des deutschen Festnetzes ist bei allen Anbietern inklusive. Die Mindestvertragslaufzeiten betragen, wenn nichts anderes angegeben ist, 24 Monate.
Die Deutsche Telekom ist hier mit dem Tarif "Call & Surf Comfort" VDSL für 49,95 Euro vertreten. DSL-Neukunden erhalten eine einmalige Gutschrift in Höhe von 50 Euro. Wer nicht Telekom-Kunde ist, muss allerdings eine Bereitstellungsgebühr in Höhe von 59,95 Euro zahlen. Anrufe ins Mobilfunknetz kosten bei T-Home 19 Cent pro Minute.
Vodafone bietet VDSL als Option des Tarifs "All-inklusive-Paket DSL 16.000" ebenfalls für monatlich 49,95 Euro an. Allerdings zahlt man in den ersten sieben Monaten nur 20 Euro, wodurch sich eine Ersparnis in Höhe von 209,65 Euro ergibt. Der Bereitstellungspreis beträgt 9,95 Euro. Anrufe ins Mobilfunknetz schlagen mit 19 Cent pro Minute zu Buche.
"Alice Fun Speed" heißt der schnelle Tarif von Hansenet. Mit 44,90 Euro monatlich gibt sich der Hamburger Anbieter mit etwas weniger zufrieden. Die Bereitstellung erfolgt kostenfrei. Anrufe ins Mobilfunknetz kosten 22 Cent pro Minute. Alice-Mobilfunkanschlüsse können kostenfrei angerufen werden.
1&1 siedelt sich mit seinem Paket "Doppel-Flat 50.000" in der gleichen Preisregion wie die T-Home und Vodafone an. Mit monatlich 49,99 Euro ist man dabei. Während der kompletten Mindestvertragslaufzeit ermäßig sich der Betrag um 10 Euro monatlich, so dass man 240 Euro spart. Anrufe ins Mobilfunknetz kosten 19,9 Cent pro Minute.
Mit im Geschwindigkeitsrausch sind auch die Anbieter, die den Breitbandanschluss über den Kabelfernsehanschluss ermöglichen.
Kabel BW bietet den schnellen Internetanschluss ohne digitalen Kabelanschluss nur in der 100.000-kbit/s-Variante an. Die nochmals verdoppelte Geschwindigkeit kostet ebenfalls 49,95 Euro monatlich. Die einmaligen Bereitstellungskoten betragen 49,90 Euro. Anrufe ins Mobilfunknetz kosten 19,7 Cent pro Minute.
Als Preisbrecher tritt Kabel Deutschland mit dem "Paket Comfort 60" an. Be einer Mindestvertragslaufzeit von nur einem Jahr gibt es die 60.000-er Doppelflatrate für monatlich 39,90 Euro. Im ersten Jahr gewährt Kabel Deutschland noch einen Rabatt von sieben Euro monatlich – insgesamt 84 Euro. Die Einrichtung des Anschlusses erfolgt kostenlos.
Fraglich ist allerdings noch der Nutzen von so viel Bandbreite, denn für das Surfen im Internet und die normale Telefonie reichen die alten 6000-er oder 16.000-er Anschlüsse vollkommen aus. Die Anbieter denken bei den potenziellen Nutzern an Familien, Wohngemeinschaften und Gruppen, wo viele Menschen gleichzeitig über einen Anschluss im Internet unterwegs sind, die sich die Bandbreite teilen müssen. Darüber hinaus soll nach dem Willen der Breitbandanbieter der Anschluss nicht nur im Büro sondern auch im Wohnzimmer seinen Dienst verrichten.
Filme, Fernsehen und Videos auf Abruf bieten hier wahrscheinlich das größte Potenzial. Ein Film in DVD-Qualität lässt sich mit einem 50.000-er Anschluss in ca. 13 Minuten herunterladen, für einen Spielfilm in hoher Auflösung (HD) sind es rund 35 Minuten. Mit einem 16.000-er DSL Anschluss würde dies fast zwei Stunden dauern.
Fazit
Bis jetzt brauchen sich viele Privatkunden noch keinen Kopf machen, ob sie zu den super schnellen Internetanschlüssen wechseln sollen. Die technische Verfügbarkeit ist in vielen Orten noch gar nicht gegeben. Abwarten kann also nicht schaden, denn wirklich gute Videos auf Abruf schlagen in der Regel mit zusätzlichen Kosten zu Buche – und fürs Surfen im Internet reicht bei einer vierköpfigen Familie der bisherige Breitbandanschluss vollkommen aus.