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Auto: Maserati Ghibli: Für die italienischen Momente

Berlin (dpa-infocom) – Latte Macchiato am Morgen, Pasta zum Mittag, ein guter Wein am Abend: Geschäftsleute genießen die italienischen Momente. Doch ihr Firmenwagen kommt aus Deutschland. Das versucht Maserati jetzt zu ändern - mit dem neuen Ghibli.

Die Italiener haben bislang nur die Schöngeister angesprochen. Nun treten sie mit dem neuen Maserati Ghibli zum ersten Mal gegen Autos wie den 5er BMW, Audi A6 oder die Mercedes E-Klasse an. Sportlicher gezeichnet, stärker motorisiert und vornehmer ausgestattet ist der Herausforderer zwar etwas teuer als die Konkurrenz, doch mit einem Grundpreis von 64 980 Euro spart man gegenüber dem nächstgrößeren Maserati Quattroporte rund 40 000 Euro.

Kein Verzicht im kleinen Format

Verzichten ist trotzdem kein Thema. Der Ghibli ist knapp 30 Zentimeter kürzer als der Quattroporte und hat fast 20 Zentimeter weniger Radstand, aber vorne kann man weiterhin sehr bequem und hinten ordentlich sitzen. Der Kofferraum fasst hinter einer knappen Klappe konkurrenzfähige 500 Liter. Es gibt jede Menge Lack und Leder. Das etwas sportlichere und strengere Ambiente sieht sogar besser aus als der opulente Luxus im Quattroporte.

Dass der Verzicht auf Größe sogar ein Gewinn sein kann, bemerkt der Fahrer auf dem Land: Auf kurvigen Straßen tut sich der Ghibli buchstäblich leichter als der große Bruder. Er wirkt schärfer und sportlicher und lässt sich präziser lenken. Ein Spaßgewinn.

Unter der Haube erstmals ein Diesel

Die größte Überraschung wartet unter der Haube. Auch wenn ein Soundprozessor und zwei Lautsprecher am Auspuff einem etwas anderes vorgaukeln, steckt hinter dem aggressiven Kühlergrill kein gewaltiger V8-Motor. Als Tribut an die europäischen Firmen- und Vielfahrer baut Maserati zum ersten Mal in der Firmengeschichte einen Diesel ein. Weil der drei Liter große Sechszylinder immerhin 202 kW/275 PS und vor allem bärige 600 Nm hat, macht er einem den Umstieg wenigstens einigermaßen leicht. Wer trotzdem partout beim Benziner bleiben mag, bekommt als Alternative einen ebenfalls drei Liter großen V6 mit bis zu 301 kW/410 PS.

Aber auch der Selbstzünder hängt gut am Gas und erreicht schnell hohe Drehzahlen. An der Ampel ist der Katapultstart kein Problem, und Überholen wird zum Kinderspiel - so kennt man es von anderen Maserati-Modellen. Immerhin in 6,3 Sekunden meistert der Diesel den Sprint auf Tempo 100 - ein gegenüber den anderen Modellen etwas schlechterer Wert.

Luxus für die Langstrecke

Neu ist dagegen das Erlebnis auf der Autobahn. Zwar wird zum ersten Mal bei einem neueren Maserati die Höchstgeschwindigkeit auf 250 Sachen begrenzt - ältere Modelle waren ohnehin nicht so schnell. Doch dafür musste man auf langen Strecken in einem Maserati noch nie so selten tanken. Die versprochenen 5,9 Liter (CO2-Ausstoß: 158 g/km) sind trotz Start-Stopp-Automatik und Öko-Schaltprogramm zwar immer noch ein Wert aus der Test-Theorie, doch weist der Bordcomputer auch mal Reichweiten von 500 Kilometern und mehr aus.

Der Ghibli hat vielleicht mehr Stil als die Konkurrenz, weckt mehr Emotionen und hat den sportlicheren Anspruch. Doch was dem Ghibli für den durchschlagenden Erfolg bei den Vielfahrern fehlt, ist ein bisschen mehr moderne Technik. Wo BMW und Co. online navigieren und live bei Sozialen Netzwerken sind, sind ein eher mäßiges Navigationssystem und ein mobiler WLAN-Hotspot ein bisschen dürftig. Nach einer Abstandsregelung, der elektronischen Hilfe bei der Spurführung oder einer automatischen Notbremse fragt man bei den Italienern vergebens. Wer nur zum Genuss fährt, wird sich daran nicht stören. Aber wenn das Fahren zum Geschäft gehört, dann möchte man solche Systeme nicht missen.

Fazit: Ein bisschen Gefühl fürs Geschäft

Er hat das leidenschaftlichste Design in der Business-Klasse, bietet ein elegantes Ambiente und kann beim Antrieb gut mithalten. Doch weil der Ghibli bei der Ausstattung Lücken hat und beim Preis wenig Zurückhaltung übt, wird er Kopfmenschen nur schwer überzeugen.

Datenblatt: Maserati Ghibli Diesel

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

Quelle: n-tv.de