Kurznachrichten

Wachstum enttäuscht Erwartungen: Großbritannien muss mehr Kredite aufnehmen als geplant

Da das Wachstum der britischen Wirtschaft weit hinter den Erwartungen zurück bleiben wird, muss Schatzkanzler George Osborne in den kommenden Jahren 60 Milliarden Pfund mehr Kredite aufnehmen als geplant, wie er nun vor dem Parlament zugab.

Seit dem vorherigen Ausblick des Schatzkanzlers auf die Konjunktur vor drei Monaten hat sich die Lage merklich verschlechtert. Im vierten Quartal sank die Wirtschaftsleistung und im Februar verlor das Vereinigte Königreich das begehrte AAA-Rating von Moody's. Trotzdem will Osborne an seiner eisernen Sparpolitik festhalten, ließ er die Abgeordneten bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs wissen. "Es dauert länger als alle gedacht haben, aber wir müssen jetzt Kurs halten", beschwor Osborne die Volksvertreter.

Die Kritik an seiner Politik wird wohl trotzdem lauter werden. Die Neuverschuldung wird sich nach den Zahlen des offiziellen Budgetbüros (OBR) im Haushaltsjahr 2012/13, das Ende März ausläuft, auf 114 Milliarden Pfund summieren. Das sind 6 Milliarden mehr als im Dezember vorausgesagt. Das OBR wirft Osborne vor, seine eigenen Schuldenziele nicht zu erreichen.

Auch beim Wachstum nahmen die Statistiker ihre Prognosen deutlich nach unten, die gleichzeitig als die offiziellen Vorhersagen der Regierung gelten. Im Gesamtjahr 2013 wird die Wirtschaft voraussichtlich nur um 0,6 Prozent zulegen. Damit halbierte das OBR seine Vorhersage vom Dezember. Nächstes Jahr wird es statt 2,0 nur um 1,8 Prozent nach oben gehen. Fällt das Wachstum schwächer aus als erwartet, sinken automatisch die Steuereinnahmen, was die Lage für Osborne noch ungemütlicher macht.

Seit sie 2010 ins Amt kamen, sind der Schatzkanzler und Premierminister David Cameron eine kühne Wette eingegangen, die im wesentlichen auf sinkenden Staatsausgaben beruht. Diese seien notwendig, um Großbritannien ein Schicksal wie das Griechenlands und anderer Euro-Staaten zu ersparen, die nach einem Wirtschaftskollaps in schmerzhafte Rettungsprogramme gezwungen wurden. Wegen ausbleibender Erfolge wird die Wirksamkeit dieser bitteren Medizin immer stärker in Frage gestellt.

Quelle: n-tv.de

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