Kurznachrichten

Tourismus: Reederei muss nach Feuer Entschädigung zahlen

Kempten (dpa/tmn) - Die Passagiere der «Costa Allegra» müssen ihren Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff im Indischen Ozean erst einmal unterbrechen - wegen eines Brandes an Bord. Ein Trost: Sie sind nach Ansicht von Experten gut abgesichert und können auf Entschädigung hoffen.

Die Urlauber des havarierten Kreuzfahrtschiffes «Costa Allegra», das am Montag (27. Februar) im Indischen Ozean in Brand geraten war, haben Anspruch auf Entschädigung. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Reise in Deutschland gebucht wurde, erläutert der Reiserechtler Ernst Führich von der Hochschule Kempten. Nach deutschem Pauschalreiserecht kann der Passagier in dem konkreten Fall klassische Reisemängel geltend machen. Bei dem Feuer im Maschinenraum sei von einem technischen Defekt auszugehen, und dafür sei der Reiseveranstalter verantwortlich. «Außer er kann beweisen, dass der technische Defekt nicht von ihm beherrschbar war.»

Für den Reisenden bestehe ein Anspruch auf Minderung des Reisespreises. «Das bedeutet, 20 bis 40 Prozent des Tagespreises müssen zurückgezahlt werden», sagte Führich. So kann der Urlauber beanstanden, wenn die Kreuzfahrt vorzeitig endet, er das Kreuzfahrtschiff verlassen muss, an Land transportiert und dort zunächst in einem Hotel untergebracht wird.

Damit enden die Ansprüche nicht. Es gibt auch Schadenersatz für die vertane Urlaubszeit - für jeden Tag, den der Reisekunde nicht auf dem Schiff sondern im Hotel verbringen muss. «Er bekommt also noch eine Frustentschädigung. Im Grunde genommen ist er von der Absicherung auf einer guten Seite, wenn deutsches Recht vereinbart worden ist.» Ganz wichtig: Der Urlauber muss innerhalb von vier Wochen nach seiner Rückreise die Ansprüche anmelden und zwar beim Reiseveranstalter, also bei der Reederei. «Das Reisebüro ist in allen Fällen nur der Vermittler, aber nicht verantwortlich für die Durchführung der Kreuzfahrt», sagte Führich.

Wäre es auf dem Kreuzfahrtschiff zu Schäden oder Verletzungen wie einer Rauchvergiftung gekommen, hätten die Reisenden nach internationalem Seerecht weitere Ansprüche. Dabei gibt es aber Haftungshöchstgrenzen: Bei Gepäck inklusive Kleidung liege die Grenze bei etwa 2000 Euro und bei körperlichen oder psychischen Verletzungen, die ärztlich behandelt werden müssen, bei 160 000 Euro. Die Höchstgrenzen spielen dann keine Rolle, wenn grobe Fahrlässigkeit der Reederei im Spiel war. «Ich glaube, dass die Grenzen im konkreten Fall nicht überschritten werden», sagte Führich. «Eine Reform des Seerechts mit höheren Höchstgrenzen soll im kommenden Jahr rechtswirksam werden.»

Sowohl für die vorzeitige Rückreise als auch für die Unterbringung im Hotel sei der Reisende voll abgesichert. Der Reiseveranstalter müsse diese organisieren und auch die Kosten übernehmen. Der Urlauber dürfe nicht mit zusätzlichen Kosten belastet werden.

Quelle: n-tv.de