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Technik: Zum DAB+-Start: Die Erfolgsgeschichte des Radios

Berlin (dpa) - Viele begleitet es den ganzen Tag - in Zukunft wohl immer öfter auch digital. Ab 1. August wird eine Weiterentwicklung des Digitalradios (DAB+) gestartet. Das ist genau der richtige Zeitpunkt für einen Rückblick auf den rasanten Aufstieg des Massenmediums.

Unter der Dusche, im Auto, beim Kochen - 186 Minuten pro Tag dudelt das Radio beim Durchschnittsdeutschen vor sich hin. Es ist das klassische Begleitmedium und hat im Laufe der Jahrzehnte viele Wandlungen durchlaufen. Die nächste steht am 1. August an - die Einführung des neuen Digitalradiostandards DAB+ mit einem Angebot aus privaten und öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogrammen. DAB+ bedeutet «Digital Audio Broadcasting» und meint die digitale Verbreitung von Audiosignalen über Antenne.

Das Radio hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor allem die Konkurrenz zum Fernsehen setzte ihm zu. Doch es hat sich immer wieder behauptet - bis heute. «Das Radio ist noch lange nicht am Ende, auch wenn es sich bei den Jungen - als Kanal - ins Internet verschiebt», sagt Kommunikationswissenschaftlerin Jutta Röser von der Uni Lüneburg. Nach ARD-Angaben hören jeden Tag 77 Prozent der Menschen in Deutschland Radio, 1995 waren es mit 80 Prozent nur wenig mehr. Günstig, aktuell, mobil, unterhaltsam - die Vorzüge die Radios sind vielfältig. Hinzu kommt für viele das beruhigende Gefühl, nicht allein zu sein.

«Das Radio ist stark verwoben mit Alltagstätigkeiten wie Hausarbeit oder Autofahren - und die lösen sich nicht mal eben so auf», erläutert Medienforscherin Röser. Große Entscheidungen wolle in diesen Situationen niemand treffen. «Man will sich nicht täglich fragen, was das ideale Programm ist», sagt Röser. Und deshalb wird das klassische Radiohören ihrer Meinung nach auch nie ganz verdrängt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse erhebt für ihre Nutzeranalyse rund 370 Hörfunksender, davon etwa 220 private und 60 öffentlich-rechtliche. Die tatsächliche Zahl dürfte in Deutschland aber um einiges höher liegen. Vor allem durch die vielen Internetradiosender sei der Markt sehr unübersichtlich geworden, so ein Mitarbeiter.

Heute werde es immer schwieriger zu sagen, was genau Radio eigentlich sei, sagt Jürg Häusermann, Medienwissenschaftler an der Uni Tübingen. Internetradio und Podcasting seien mit dem ursprünglichen Radiohören nicht mehr vergleichbar. Beim Podcasting werden Audiobeiträge im Internet bereitgestellt und heruntergeladen.

Bei der ersten Radiosendung in Deutschland im Jahr 1923 hörten noch nicht viele zu. In den folgenden Jahren aber stieg das Radio zum Massenmedium auf - mit einer ganz neuen Klangqualität. «Mit dem Radio hatte man eine Alternative zur Schallplatte», erläutert Häusermann. «Ein Live-Konzert klang echter und war außerdem noch gratis.»

Unter den Nazis bekam die Entwicklung des Radios zum Massenmedium einen neuen Schub. Für Propagandaminister Joseph Goebbels war der Rundfunk «das allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument, das es überhaupt gibt». Der von den Nazis geförderte Volksempfänger hieß im Volksmund denn auch «Goebbelsschnauze». Inhaltlich wurde den Deutschen eine Mischung aus Unterhaltung und politischer Indoktrination vorgesetzt.

Mit der Verbreitung des Fernsehens entstand in den 60er Jahren eine ernsthafte Konkurrenz für das Radio. Kamen die Menschen in den 50ern noch abends zusammen, um gemeinsam einem Hörspiel zu lauschen, so setzten sie sich nun vor den Fernseher. Die Radiomacher reagierten - und aus vielen Einschaltprogrammen wurden Begleitprogramme, die im Hintergrund laufen konnten. «Das ist auch etwas Typisches», sagt Medienforscherin Röser. «Medien verschwinden nicht, wenn ein neues Medium kommt, sondern das alte Medium verändert teilweise seine Funktion.»

Mit der Einführung des neuen Digitalradiostandards geht der Wandel des Radios nun weiter. «UKW ist endlich, das ist ausgereizt», sagt der Sprecher des Deutschlandradios, Dietmar Boettcher-Frech. Nicht für alle ist die Neuerung notwendig. «Ich glaube, dass viele Menschen im Alltagsrhythmus mit ihrem Radio sehr zufrieden sind», sagt Röser. «Ich halte es für offen, ob die Nutzer darin einen Gebrauchswert sehen und das Angebot annehmen - außer man zwingt sie.»

Quelle: n-tv.de