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Umwelt Tiere Wissenschaft: Artenschützer: Immer mehr exotische Reptilien ausgesetzt

München (dpa) - Schlangen, Echsen und Krokodile - immer mehr Reptilien-Besitzer setzen nach Angaben von Artenschützern exotische Tiere aus. Teils seien geschützte Spezies betroffen, warnte die Organisation Pro Wildlife in München.

Die Tiere würden zu groß, zu teuer und seien keineswegs so leicht zu halten wie oft angenommen. Tierheime müssten deshalb bereits Reptilien-Stationen einrichten oder ausbauen. Für viele Tiere sei das Aussetzen das Todesurteil, gerade im Winter. Alljährlich landen Reptilien auch als Geschenk unter dem Christbaum - Tierschützer appellieren immer wieder, die damit verbundene Verantwortung nicht zu vergessen.

«Exotische Haustiere liegen im Trend - und leider sind sie viel zu leicht erhältlich», sagte Pro-Wildlife-Sprecherin Sandra Altherr. «Doch gerade unerfahrene Halter müssen oft feststellen, dass die vermeintlich pflegeleichten Tiere zu groß, zu teuer oder gar zu gefährlich werden - und setzen sie einfach aus.»

Laut Pro Wildlife wurden 2012 mehr als 250 Fälle aus Privathaltung entwischter Schlangen, Echsen und anderer Exoten bekannt. Die Dunkelziffer sei aber höher, vor allem kleine Tiere blieben oft unentdeckt. Die meisten exotischen Tiere seien in Bayern gefunden worden, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Mit den besonderen Ansprüchen dieser Tiere seien die meisten Tierheime überfordert, nötig seien spezialisierte Aufnahmestellen. Die Münchner Reptilien-Auffangstation habe im Herbst 2012 ihre Kapazitätsgrenze erreicht, das Hamburger Tierheim baue seine Reptilien-Station aus, im Mannheimer Tierheim sei kürzlich eine neue Station eröffnet worden.

Exotische Haustiere gelten laut Pro Wildlife bei manchen als trendige Wohn-Accessoires. Gerade Reptilien würden häufig als unkomplizierte, anspruchslose «Haustiere» beworben, die weder Allergien auslösen noch Gassi-Gehen einfordern und wenig Futter brauchen. Dabei hätten viele Reptilien ganz spezielle Ansprüche an Feuchtigkeit und Futter. Im Handel würden die leguanartigen Bartagamen oder Kornnattern als «Anfängertiere» gepriesen und teils für fünf Euro verhökert. Grüne Leguane würden zu Zehntausenden jährlich importiert, immer neue Arten kämen in den Handel. Auffangstationen berichteten von einem immer breiteren Artenspektrum, das sie versorgen müssen, vor allem bei Schlangen.

Altherr forderte eine strenge Reglementierung des Handels mit exotischen Wildtieren. «Solange exotische Tiere so leicht zu kaufen sind, werden auch weiterhin Bartagamen, Schlangen und Schildkröten einfach weggeworfen.» Pro Wildlife setzt sich als gemeinnützige Organisation für den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume ein.

Quelle: n-tv.de