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Wissenschaft Biologie Antarktis: Seit 2800 Jahren isolierte Bakterien unter dem Antarktis-Eis

Washington (dpa) - Ihr Lebensraum ist salzig, kalt und dunkel: Bakterien können unter extremen Bedingungen unter antarktischem Eis überleben. Ist das auch auf unwirtlichen Himmelskörpern möglich?

Unter dem Eis der Antarktis lebt ein ganzes Ökosystem von Bakterien. Sie kommen ohne Sauerstoff und Licht aus bei einer Kälte von minus 13 Grad. Das berichtet ein Forscherteam in den «Proceedings» der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften.

Bereits im Jahr 2005 bohrten Experten ein 16 Meter tiefes Loch durch das Eis der Antarktis, bis in die Nähe eines darunter liegenden Salzsees mit dem Namen Lake Vida, nahe der amerikanischen McMurdo-Station. Dabei wurden extreme Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um das Wasser des Sees, das nach Berechnungen der Forscher mindestens 2 800 Jahre lang keinen Kontakt mit der Oberfläche hatte, nicht mit fremden Organismen zu infizieren. Alison Murray von einem Forschungsinstitut in Reno (USA) und ihre Kollegen untersuchten inzwischen die Salzlake, die in die Bohrung eingesickert war.

Dabei fanden sie vielfältige Bakterien, die mit minimalem Stoffwechsel in der salzigen, leicht sauren Brühe lebten. Ohne Licht und Sauerstoff erhalten sie ihre Energie durch chemische Reaktionen.

Die Salzlake, in der die Bakterien leben, enthält viele gelöste organische Kohlenstoffverbindungen, daneben Wasserstoff und reduzierte Metallverbindungen. Neben gelöstem Lachgas kommt auch viel Ammoniak vor. Das Nebeneinander von oxidierten und reduzierten Verbindungen lässt die Experten vermuten, dass Reaktionen der Lösung mit dem darunter liegendem Sediment stattfinden. Dies könnte helfen, die Energie für den langsamen Stoffwechsel der Bakterien zu liefern.

Diese Bakterien-Gemeinschaften zeigen, dass auch unter extrem unwirtlichen Bedingungen Leben auf einer niedrigen, sparsamen Stufe existieren kann. Sie könnte ein Modell sein für mögliche Lebensformen auf fernen, eisbedeckten Himmelskörpern wie dem Jupitermond Europa.

Quelle: n-tv.de