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Samstag, 30. September 2017

Teure Langstrecken betroffen: 100.000 Air-Berlin-Tickets könnten verfallen

Wer bei Air Berlin einen Flug zu einem Fernziel gebucht hat, könnte im Falle einer Stornierung leer ausgehen - zumindest wenn das Ticket vor dem 15. August bezahlt wurde. Betroffene erhalten dann offenbar maximal zehn Prozent des Preises zurück.

Mehr als 100.000 Air-Berlin-Kunden könnten bei Flugstreichungen zu Langstrecken-Zielen wie etwa Havanna, Miami oder New York auf den Ticketkosten sitzen bleiben. Wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, werden sie wohl nur eine geringe oder gar keine Erstattung erhalten. Betroffene könnten laut Bericht maximal mit einer Kostenübernahme in Höhe von zehn Prozent des Preises rechnen.

Der Grund: Alle Langstrecken-Tickets, die noch vor dem 15. August gekauft wurden, landen offenbar in der Insolvenzmasse. An diesem Tag hatte die Fluggesellschaft die Pleite offiziell gemacht. Nur wer sein Ticket nach diesem Stichtag gekauft hat, könne mit einer Erstattung rechnen, heißt es in dem Bericht weiter. Derzeit wird mit der Lufthansa und mit Easyjet über eine Übernahme von Teilen von Air Berlin verhandelt. Der Bund stützt die Airline mit einem Millionenkredit.

"Es ist erschreckend, wenn so viele Menschen mit teuer bezahlten Langstreckentickets Opfer der Insolvenz von Air Berlin werden", erklärte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, der Zeitung. Es zeige, "dass die Airlines unbedingt ebenso eine Insolvenzversicherung abschließen müssen, wie es Reiseveranstalter bereits für Pauschalreisen tun müssen."

Grüne fordern Respekt der Fluggastrechte

Kritik an der Fluggesellschaft kommt auch von den Grünen. Verbraucherpolitikerin Renate Künast forderte, die Airline müsse die Rechte der von Flugstreichungen betroffenen Kunden respektieren. Wenn ein Unternehmen "Steuergelder zur Überbrückung" erhalte, erwarte sie auch, dass das an Bedingungen im Umgang mit den Kunden geknüpft sei. Dazu gehöre, Kunden Rückflüge oder preiswerte Alternativen anzubieten.

Ihr sei ein Fall bekannt, in dem ein Kunde ohne Rückflug in den USA festsitze, fuhr Künast fort. Der Flug sei gestrichen worden - ein Ersatzflug sei ihm nicht angeboten worden. Nun sei nicht nur das Geld für den alten Flug weg, sondern er müsse sich eine teure neue Verbindung buchen. Air Berlin könne nicht "Steuergelder nutzen und dann ihre Kunden im Ausland stranden lassen", kritisierte Künast.

Quelle: n-tv.de

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