Wirtschaft

Erst dapd, nun "Frankfurter Rundschau": Medienpleiten sorgen für Wirbel

"Das ist ein schwarzer Tag für die Beschäftigten und ein schwarzer Tag für die Pressevielfalt in Deutschland": So bewertet Verdi das mögliche Aus der "Frankfurter Rundschau". Die Belegschaft ist "schockiert". Auch die Nachrichtenagentur dapd kämpft ums Überleben. Und mit der "FTD" steht einer weiteren Zeitung das Wasser bis zum Hals.

Der 13. November: ein schwarzer Tag für die "FR"
Der 13. November: ein schwarzer Tag für die "FR"(Foto: REUTERS)

Ihr bisher prominentestes Opfer fordert die Zeitungskrise in Deutschland. Die traditionsreiche "Frankfurter Rundschau" meldete Insolvenz an. Nach jahrelangen Verlusten sehen die beiden Eigentümer keine Chance mehr, die Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH in die Gewinnzone zurückzuführen, wie der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg und die SPD-eigene Medienholding DDVG erklärten. Im ersten Halbjahr habe der Verlag massiv Umsätze mit Anzeigen und im Druck verloren. "Somit war auch für die Geschäftsleitung keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar", hieß es in der Mitteilung. In den vergangenen Jahren schrieb die "Frankfurter Rundschau" jeweils rund 20 Mio. Euro Verlust.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter soll der Anwalt Frank Schmitt aus der Großkanzlei Schultze & Braun nun die Lage sondieren. Der Betrieb solle fortgeführt werden. Die Löhne der Mitarbeiter sind nur bis Ende Januar durch das Insolvenzgeld sicher. Erst fünf Stunden nach dem Insolvenzantrag beim Frankfurter Amtsgericht wurde die Belegschaft in einer Betriebsversammlung informiert.

Die Nachricht sei schockierend, aber nicht das Ende der "Frankfurter Rundschau", hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung der Belegschaft. Sie werde "mit allem Nachdruck Möglichkeiten suchen und Wege erkunden, die das Erscheinen der 'Frankfurter Rundschau' dauerhaft sichern".

Die "FR" hat schon mehrere drastische Kürzungsrunden hinter sich. Zur Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die die Zeitung trägt, gehört eine Großdruckerei in Neu-Isenburg bei Frankfurt, in der auch andere überregionale Tageszeitungen wie "Bild" und "Handelsblatt" gedruckt werden.

dapd als böses Omen

Es ist die zweite Pleite eines großen deutschen Medienunternehmens in diesem Herbst. Anfang Oktober meldete bereits die Nachrichtenagentur dapd Insolvenz an. Die Agentur hatte es zwar inhaltlich geschafft, dem Platzhirsch dpa Paroli zu bieten. Allerdings gelang es nicht, dpa ausreichend Zeitungskunden abzujagen, um profitabel zu sein. Zwei Finanzinvestoren hatten dapd vor drei Jahren aus den Vorgängern ddp und dem deutschen Dienst der US-Agentur AP geschmiedet und angekündigt dpa überflügeln zu wollen.

Am 3. Oktober zogen die Finanzinvestoren für Mitarbeiter und Kunden völlig überraschend die Reißleine, da sie von Anfang an betont hatten, dass es schwierig sei, mit einer Nachrichtenagentur in Deutschland Gewinne einzufahren. In Deutschland ist nicht nur dpa aktiv, sondern auch Reuters und die französische Agentur AFP. 

Auch die Zukunft einer anderen großen Zeitung dürfte sich bald entscheiden. Noch in diesem Monat werde die Führung des Verlagshauses Gruner + Jahr über den Fortbestand der "Financial Times Deutschland" abstimmen, berichtete der "Spiegel". Das in lachsrosa gehaltene Wirtschaftsblatt fährt seit der Gründung vor gut zehn Jahren Verluste ein. Ein Sprecher der Bertelsmann -Tochter Gruner + Jahr wollte sich dazu nichts äußern.

Kritik an Eigentümern

"Wir haben nie erwartet, dass unser Engagement in Frankfurt hohe Gewinne zeitigen würde. Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste ist aber sowohl für M. DuMont Schauberg als auch die DDVG nicht länger darstellbar", erklärten die "FR"-Eigentümer.

DuMont Schauberg, dem auch der "Kölner Stadtanzeiger", die "Berliner Zeitung" und die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle gehören, war vor sechs Jahren mit 50 Prozent bei der Rundschau eingestiegen. Die DDVG hält seither noch 40 Prozent, die nach dem Zeitungsgründer benannte Karl-Gerold-Stiftung zehn Prozent.

Verdi appellierte an die SPD, die als linksliberal eingestufte Zeitung zu retten. "Die Insolvenz ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement", erklärte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken.

"FR" = linksliberal

In der deutschen Medienlandschaft hinterlässt die "Frankfurter Rundschau" nach Aussage des Medienforschers Horst Röper vom Formatt-Institut eine große Lücke. Die "FR" sei einst die "linkeste liberale Zeitung" in Deutschland gewesen - und über Jahrzehnte auch die einzige, sagte Röper im "Deutschlandradio Kultur". "Ein Ersatz ist überhaupt nicht zu sehen." Auch als reine Internetzeitung habe das Blatt kaum Zukunft - der Übergang lasse sich nicht finanzieren.

Die "Frankfurter Rundschau" leidet noch stärker als andere Zeitungen nicht nur unter sinkenden Anzeigeneinnahmen, sondern auch unter Auflagenschwund. Jahrzehntelang mit dem Anspruch einer überregionalen Bedeutung angetreten, hatte sie sich unter der Ägide von Dumont auf den Großraum Frankfurt konzentriert, wo ihr aber die konservative "Frankfurter Allgemeine Zeitung" große Konkurrenz macht. Die verkaufte Auflage ist in zehn Jahren auf 118.000 von 183.000 geschrumpft, obwohl die Zeitung 2007 mit dem Umstieg auf das kleinere Tabloid-Format neue Leser locken wollte.

Dennoch ist die "FR" laut IVW-Daten noch immer die sechstgrößte überregionale Tageszeitung Deutschlands. Die "Financial Times Deutschlands" liegt mit einer Auflage von rund 102.000 Stück direkt dahinter. Platzhirsch ist die "Bild" mit rund 2,7 Millionen Stück vor der "Süddeutschen Zeitung" mit etwa 413.000 und der "Frankfurter Allgemeinen" mit etwa 354.000 Exemplaren.

Seit zwei Jahren kommen die meisten überregionalen Inhalte von einer gemeinsamen Redaktion mit der "Berliner Zeitung", seit dem vergangenen Jahr wird der überregionale Teil auch in Berlin produziert.

Quelle: n-tv.de

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