Wirtschaft

Zu groß zum Scheitern28 Banken dürfen nicht fallen

20.07.2011, 08:37 Uhr

Die Schieflage einer von insgesamt 28 Banken weltweit könnte aus Sicht der wichtigsten Bankenaufseher zu einem Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems führen. Daher sollen sich diese Institute mit mehr eigenem Kapital absichern. Noch ist die Liste der Finanzhäuser geheim, doch neben der Deutschen Bank gilt auch die Commerzbank als systemrelevant.

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Die Deutsche Bank gilt unter Branchenexperten als zweifellos systemrelevant. (Foto: REUTERS)

Weltweit 28 Banken sind

nach Ansicht ihrer Aufseher derzeit so groß, dass ihr Zusammenbruch das ganze Finanzsystem

ins Wanken bringen könnte. Sie sollen daher mit einem Eigenkapitalaufschlag daran

gehindert werden, zu große Risiken einzugehen und noch mächtiger zu werden, erklärten

der Baseler Ausschuss und der Finanzstabilitätsrat (FSB) unter Führung des nächsten

EZB-Chefs Mario Draghi in einem Diskussionspapier. Sie bereiten damit den Boden

für die Politiker der G20-Staaten, die im November auf einem Gipfel in Cannes über

die engeren Fesseln für diese systemrelevanten Banken entscheiden sollen.

Die Namen dieser Institute

wollen die Aufseher nicht veröffentlichen. Die Deutsche Bank gilt in dem Kreis aber

als gesetzt. Vorstandschef Josef Ackermann rechnet sogar damit, dass sie neben anderen

Instituten den größten Zuschlag von 2,5 Prozent aufbringen muss. Insgesamt müsste

das Institut damit seine Bilanzrisiken spätestens Ende 2018 mit 9,5 Prozent reinem

Eigenkapital in Form von Aktien und Gewinnrücklagen unterlegen. Wer am Anfang dazugehört,

soll spätestens im Januar 2014 feststehen.

Auch die Commerzbank werde

als systemrelevant eingestuft, berichtete die "Financial Times Deutschland"

unter Berufung auf mit der Entscheidung vertraute Personen.

Die Commerzbank wollte den Bericht nicht kommentieren. Im Vorfeld war mit einer

Zahl von 16 bis 30 Instituten gerechnet worden. Die beiden Schweizer Großbanken

UBS und Credit Suisse haben wegen ihrer Bedeutung für die Wirtschaft des Landes

ohnehin bereits höhere Eigenkapitalquoten auferlegt bekommen.

Anreize zum Schrumpfen

Die Bankenaufseher ziehen

mit den verschärften Regeln die Konsequenz aus der Finanzkrise, in der die Pleite

von Lehman Brothers die Branche in den Grundfesten erschüttert hatte. "In den

Jahren vor der Krise gab es keine ordentliche Marktdisziplin, was die Bewältigung

der Krise erschwert hat", sagte Draghi. Die erhöhten Eigenkapitalanforderungen

sollten das Finanzsystem mit der Zeit sicherer und gesünder machen. Mit der möglichen

Systemrelevanz großer Versicherer wollen sich die Aufseher später befassen.

Wie hoch die Aufschläge

für die Banken sind, richtet sich nach einem Punktesystem, das ihre Größe, ihre

Verflechtung im System, ihre Komplexität, den Grad ihrer Internationalität und die

Frage bewertet, inwieweit sie bei einem Ausfall ersetzbar wären. Je nachdem liegt

der Aufschlag bei 1,0, 1,5, 2,0 oder bei 2,5 Prozentpunkten. Bläht sich eine Bank

noch stärker auf, kann sie auch mit einem Strafzuschlag von 3,5 Prozent belegt werden.

Alle Banken weltweit sollen von 2013 an über sechs Jahre ohnehin ein Kernkapital-Polster

von sieben Prozent aufbauen.

Nicht in Stein gemeißelt

Die 28 Banken wurden aus

einer Liste von 73 Instituten aus 17 Ländern ausgewählt. Eines der 28 sei von seinen

nationalen Aufsehern als systemrelevant gesetzt worden, ohne nach der Rangliste

dazu zu gehören, hieß es von Seiten des FSB. Welche Institute mit den Aufschlägen

leben müssen, soll nicht in Stein gemeißelt sein. Einmal im Jahr werde überprüft,

ob ihre Systemrelevanz so weit abgenommen hat, dass sie aus der Liste herausfallen

könnten.

Die Kehrseite der Medaille

ist, dass systemrelevante Banken in den Augen ihrer Investoren als besonders sicher

gelten: Sie trügen schließlich einen offiziellen Stempel, dass sie so groß wären,

dass sie vom Staat nicht fallengelassen würden - und das könnte ihnen finanzielle

Vorteile bei der Refinanzierung bringen. Um falsche Anreize zu vermeiden, will der

FSB Regeln einführen, wie solche mächtigen Institute in der Krise geordnet und damit

gefahrlos für die Branche auch über die Grenzen hinweg abgewickelt werden könnten.

Das soll auf jeden Fall mit Einbußen für Aktionäre und Anleihenkäufer verbunden

sein.

Quelle: nne/rts