Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

"Das ist ein Kahlschlag": 3000 Jobs bei Karstadt stehen auf der Kippe

Beim kriselnden Kaufhaus-Konzern Karstadt müssen Tausende Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangen. Angeblich ist in der Zentrale jeder vierte Job bedroht. Bei der Online-Tochter soll nur jede zehnte erhalten bleiben. Der Betriebsrat ist entsetzt.

Das Karstadt-Management plant einem Zeitungsbericht zufolge insgesamt Einsparungen von Personalkosten in Höhe von 1950 Vollzeitstellen. Das "Handelsblatt" berief sich auf ein Schreiben von Gesamtbetriebsrat und Wirtschaftsausschuss an die Beschäftigten. Unter Berücksichtigung der Teilzeitquote wären demnach etwa 3000 Mitarbeiter von den Abbauplänen betroffen. In der Essener Zentrale solle "mehr als jeder vierte Arbeitsplatz" wegfallen. Bei Karstadt.de sei die Rede von 90 Prozent der Belegschaft.

Der Konzern beschäftigt derzeit 17.000 Mitarbeiter. Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl will die angeschlagene Warenhauskette mit einer Radikalkur wieder in die schwarzen Zahlen führen. Für sechs Standorte ist das Aus im kommenden Jahr bereits beschlossene Sache. Weitere zehn der 83 Warenhäuser stehen Fanderl zufolge darüber hinaus auf der Kippe.

Der Zeitung zufolge müssen sich die Beschäftigten zudem auf erhebliche Abstriche einstellen. Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld sollen wegfallen, ebenso Tariferhöhungen "über einen langen Zeitraum". Zudem solle die Arbeitszeit von durchschnittlich 37,5 auf 40 Stunden pro Woche erhöht werden. Gespräche mit den Arbeitnehmern wolle die Unternehmensführung am Mittwoch beginnen.

Betriebsrat: "Das ist ein Kahlschlag"

Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl hatte unmittelbar nach seiner Ernennung vor rund zwei Wochen bereits die Schließung von sechs Häusern angekündigt - und außerdem finanzielle Opfer der Beschäftigten zur Rettung der Warenhauskette verlangt. Genannt wurden Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld und eine Tarifpause über 2015 hinaus. Auch die Zukunft zahlreicher weiterer Filialen ist ungewiss.

Laut "Handelsblatt" hat der Gesamtbetriebsrat jetzt die Beschäftigten im Detail über die Forderungen des Managements informiert und umgehend Verhandlungen darüber verlangt. "Die Unternehmensleitung hat uns aufgefordert, in Gespräche zu gehen", heiße es in den Schreiben. Diese würden am 12. November beginnen. "Dies ist kein Sanierungsprogramm, sondern ein Kahlschlag und ein Frontalangriff auf alle Beschäftigten von Karstadt."

Die Warenhauskette hat nach früheren eigenen Angaben auch im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 rote Zahlen geschrieben. Gleichzeitig gingen die Umsätze zurück. Das Unternehmen habe seit der Insolvenz im Jahr 2009 fast 30 Prozent seiner Kundschaft im Alter zwischen 35 und 50 Jahren sowie bei den über 55-Jährigen verloren, klagte Fanderl. Mehr als jede vierte Filiale verdiene kein Geld. Einige seien sogar "dunkelrot". Fanderl gibt sich drei Jahre Zeit, um wieder auf ein akzeptables Ergebnisniveau zu kommen.

Quelle: n-tv.de

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