Wirtschaft
"Mehr und fair", so die Forderung der IG Metall.
"Mehr und fair", so die Forderung der IG Metall.(Foto: picture alliance / dpa)

Metall-Tarif-Konflikt vor Einigung: 4,3 Prozent mehr im Südwesten

In der Metallbranche in Baden-Württemberg gibt es ab Mai 4,3 Prozent mehr Lohn. Die Einigung hat Pilotcharakter: Die Arbeitgeber wollen, dass der Abschluss bundesweit gilt, auch einige IG-Metall-Verbände wollen das Ergebnis aus dem Süden übernehmen. Im Tarifkonflikt zeichnet sich damit eine Entspannung ab.

Im Tarifstreit der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie haben Arbeitgeber und Gewerkschaft eine Einigung erzielt. Diese sieht eine Erhöhung der Bezüge von 4,3 Prozent ab Mai bei einer Laufzeit von 13 Monaten vor, wie beide Seiten nach mehr als 36-stündigen Verhandlungen in Sindelfingen mitteilten. Angaben zur strittigen unbefristeten Übernahme von Auszubildenden unterschieden sich hingegen leicht.

In dem monatelangen Tarifkonflikt in einer der wichtigsten Schlüsselbranchen der deutschen Industrie zeichnet sich damit Entspannung ab. Neben höheren Löhnen verlangten die Gewerkschaften vor allem die die unbefristete Übernahme von Auszubildenden sowie mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern und hatten dafür mit flächendeckenden Streiks gedroht. Die IG Metall hatte in den Verhandlungen für die rund 800. 000 betroffenen Beschäftigten in Baden-Württemberg 6,5 Prozent mehr Lohn für eine Laufzeit von zwölf Monaten verlangt. Die Arbeitgeber hatten zunächst drei Prozent Lohnplus über 14 Monate angeboten.

Abschluss für alle 3,6 Millionen Beschäftigten?

Nach der Einigung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg empfehlen die Arbeitgeber, den Abschluss aus dem Südwesten auch in anderen Tarifbezirken zu übernehmen. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser erklärte, es gebe lediglich eine Enthaltung. Auch nach dem Willen der Arbeitnehmer soll der Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen übernommen werden. Das Verhandlungsergebnis sei eine gute Lösung auch für die 700 000 Beschäftigten der Branche im Tarifgebiet NRW, sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard.

Der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nannte das Ergebnis einen Erfolg für die Gewerkschaft. "Die dauerhafte Erhöhung der Entgelte beteiligt die Belegschaften am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen und sichert den Beschäftigten reale Entgeltzuwächse", erklärte er. Auch hätten die Arbeitgeber "ihre Totalverweigerung zu den qualitativen Themen wie Übernahme der Ausgebildeten und Leiharbeit endlich aufgegeben".

Die Einigung im Südwesten könnte ein wichtiger Schritt in Richtung eines Pilotabschlusses sein, der für alle rund 3,6 Millionen Beschäftigen der Branche in Deutschland übernommen werden könnte. Der Vorstand des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall empfahl laut einem Sprecher bereits die Übernahme des Abschlusses "für die anderen Verbandsgebiete". IG-Metall-Chef Berthold Huber lobte die Einigung zunächst als "besonderes Ergebnis".

"Grenze der Belastbarkeit"

Bei der Übernahme von Auszubildenden sollen nach Arbeitgeberangaben wie bisher die Unternehmer entscheiden, wer unbefristet weiterbeschäftigt wird. "Im Rahmen des betrieblichen Bedarfs" sollten Auszubildende jedoch "in der Regel nach bestandener Abschlussprüfung unbefristet übernommen werden", was "ohnehin schon weitgehend Praxis" sei, erklärte Südwestmetall. Die IG Metall teilte mit, es sei eine "unbefristete Übernahme der Ausgebildeten" vereinbart worden.

Zum strittigen Punkt der Leiharbeit wurde laut Arbeitgebern vereinbart, dass Arbeitnehmer in den ersten zwei Betriebsjahren ohne Einschränkungen auf dieser Basis arbeiten dürfen. Durch freiwillige Betriebsvereinbarungen könnten zudem weitere Regelungen beschlossen werden, wenn "jeder Einschränkung der Zeitarbeit zwingend eine Entlastung an anderer Stelle entgegensteht". Die IG Metall sprach von einer "stärkeren Mitsprache der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeit".

"Mit diesem Ergebnis ist es uns gelungen, die notwendige Flexibilität für unsere Betriebe bei der Übernahme von Ausgebildeten und dem Einsatz von Zeitarbeit zu erhalten", erklärte Südwestmetall-Chef Rainer Dulger und sprach von einem "fairen Ausgleich beider Interessen". Mit Blick auf das ausgehandelte Lohnplus erklärte er, die Arbeitgeberseite sei "damit an die Grenze der Belastbarkeit unserer Betriebe gegangen".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen