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Die Testmaschine hebt ab: Airbus verbindet mit der A321neo große Hoffnungen.
Die Testmaschine hebt ab: Airbus verbindet mit der A321neo große Hoffnungen.(Foto: dpa)

Premiere am Himmel über Hamburg: A321neo absolviert Jungfernflug

Wichtiger Meilenstein für den europäischen Flugzeugbau: Am Standort Hamburg-Finkenwerder lässt Airbus ein modernisiertes Flugzeugmodell zum ersten Mal abheben. Der Testflug des A321neo läuft offenbar reibungslos.

Die Premiere ist geglückt: Testpiloten des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus haben den neuen Mittelstreckenflugzeugs A321neo erstmals in die Luft befördert und wieder gelandet. Der Jungfernflug vom Produktionsstützpunkt in Hamburg-Finkenwerder habe rund fünfeinhalb Stunden gedauert, teilte Airbus nach der Landung des zweistrahligen Passagierjets mit.

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Ein erfolgreicher Erstflug kommt Airbus sehr gelegen. Denn der Zeitplan ist eng gesteckt: Die ersten Maschinen des Typs A321neo sind einer Reihe von Fluggesellschaften bereits fest versprochen. Die neuen Modelle sollen den bisherigen Planungen zufolge noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen.

Experten halten das für realistisch: Denn im Unterschied zu anderen Jungfernflügen handelt es sich bei der A321neo nicht um eine komplette Neuentwicklung, sondern lediglich um eine Modernisierung. Das Modell basiert auf der etablierten Baureihe A321, kann jedoch mit moderneren Triebwerken verschiedener Hersteller ausgerüstet werden. Für Fluggesellschaften sollen sich daraus - und durch weitere technische Neuerungen - umfangreiche Einsparungen beim Spritverbrauch ergeben.

Airbus feiert die "Neo-Familie"

"Die A321neo ist das größte Mitglied der A320neo-Familie", teilte Airbus mit. Das Flugzeugmodell verfügt neben den Spritspar-Triebwerken der neuesten Generation auch über nach oben gebogene Flügelspitzen, die bremsende Luftwirbel an den Tragflächen verringern sollen. Zusammen mit Gewichtseinsparungen in der Kabine kommt die A321neo auf einen Kerosinverbrauch, der in der Praxis um bis zu 20 Prozent unter den aktuellen Verbrauchswerten liegen soll.

Beim Erstflug wurden Triebwerke von CFM International, einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und der französischen Safran, eingesetzt. Im Cockpit der Maschine mit der Registriernummer D-AVXB saßen die beiden Airbus-Testpiloten Martin Scheuermann und Bernardo Saez Benito Hernandez. Begleitet wurden sie auf dem Erstflug von den Testflugingenieuren Gérard Leskerpit, Sandra Bour Schaeffer und Emiliano Requena Esteban.

Kurz vor dem Start ließ Airbus noch einmal die Triebwerke wechseln: Ursprünglich sollten Antriebsaggregate von Pratt & Whitney, einer Tochter des US-Konzerns United Technologies, verwendet werden. Der Wechsel sorgte unter Branchenkennern für Aufsehen. Die Triebwerken von Pratt & Whitney bereiten Airbus weiter Probleme.

Airbus hatte zuletzt eigens die Produktion angepasst, um verstärkt Auslieferungen von Maschinen der A320-Familie, die mit Antrieben von Pratt & Whitney ausgestattet sind, in das zweite Halbjahr 2016 zu verlagern. Unter anderem wollte Airbus dem US-Triebwerkshersteller mehr zeitlichen Spielraum geben, um die technischen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.

Mit den Kunden würden aktuell Gespräche über neue Auslieferungstermine geführt, bestätigte ein Airbus-Sprecher in Toulouse. Berichte über Verzögerungen von rund zwei Monaten wollte Airbus jedoch nicht bestätigen. Es gebe "Verschiebungen" der Auslieferungen. Wichtig sei das Ziel, bis zum Jahresende insgesamt 650 Maschinen aller Neo-Modelle auszuliefern.

Ende Januar war die erste A320neo in Hamburg an die Lufthansa übergeben worden. Der eigentlich geplante Erstkunde Qatar Airways hatte die Abnahme des ersten Jets abgelehnt. Im Mittelpunkt der Kritik standen die neuen Triebwerke, die zur Kühlung unter Wüstenbedingungen aktuell noch Extra-Laufzeiten brauchen, was die Betriebskosten insgesamt leicht erhöht. Airbus und die Triebwerkshersteller werben mit deutlichen Einsparungen beim Kerosinverbrauch in der neo-Klasse.

Quelle: n-tv.de

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