Wirtschaft
Der neue Großaktionär von Hochtief, der spanische ACS-Konzern, baut kräftig um.
Der neue Großaktionär von Hochtief, der spanische ACS-Konzern, baut kräftig um.(Foto: picture alliance / dpa)

Hochtief-Mitarbeiter in Sorge: ACS stutzt das Europageschäft

Der neue Hochtief-Chef Fernandez Verdes will den Essener Baukonzern auf Profitabilität trimmen. Große Teile des Europageschäfts sollen deshalb weg. Die Belegschaft ist alarmiert. Auch weil der Großaktionär ACS Verluste meldet.

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief will sich von großen Teilen seines zuletzt wenig rentablen Europageschäfts trennen. Gut drei Monate nach seinem Amtsantritt kündigte der spanische Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes den Verkauf der kompletten Servicesparte in Europa an. Derzeit zählt Hochtief in dem Bereich 5679 Mitarbeiter, davon einen Großteil in Deutschland. Von weltweit rund 80.000 Hochtief-Mitarbeitern sind derzeit nur noch etwa 10.000 im Inland beschäftigt.

Das spanische Bauunternehmen ACS, die Muttergesellschaft des Hochtief-Konzerns, erlitt im vorigen Jahr starke Verluste, baute den Schuldenberg aber fast um die Hälfte ab. Wie die ACS-Gruppe in ihrer Jahresbilanz in Madrid mitteilte, verzeichnete der Konzern 2012 Nettoverluste von 1,93 Mrd. Euro. Im Vorjahr hatte er noch einen Gewinn von 0,96 Mrd. Euro erwirtschaftet.

"Wir nehmen die Sorgen ernst"

IG Bau-Chef Klaus Wiesehügel warnte vor einer Neuausrichtung von Hochtief auf Kosten der Beschäftigten. Bei dem geplanten Verkauf des Service-Geschäfts müssten betriebsbedingte Kündigungen für mehrere Jahre ausgeschlossen bleiben, forderte er. "Die Hochtief-Mitarbeiter sind durch die Pläne beunruhigt, und wir nehmen ihre Sorgen ernst", erklärte der Hochtief-Konzernbetriebsratsvorsitzende Ulrich Best.

Im vergangenen Jahr hatte die nun zum Verkauf stehende Servicesparte bei einer Leistung von 700 Mio. Euro einen Gewinn von lediglich 16 Mio. Euro erwirtschaftet. Zu den Kunden der Sparte zählen unter anderem die Commerzbank, die Telekom sowie Lufthansa und Siemens.

ACS baut Schulden ab

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt als Hochtief-Chef im November hatte der langjährige Manager des hoch verschuldeten Großaktionärs ACS mit Nachdruck einen Anstieg der Profitabilität des Essener Unternehmens gefordert. "Wir werden die richtigen Geschäfte ausbauen, effizienter arbeiten und durch ein professionelles Risikomanagement Schluss machen mit bösen Überraschungen", sagte er.

Der Hochtief-Großaktionär ACS führte seine Verluste auf Sonderfaktoren wie den verlustreichen Verkauf eines Kapitalanteils von zwölf Prozent am Energieunternehmen Iberdrola zurück. Bei Ausschaltung aller Sonderfaktoren 2011 und 2012 kam ACS nach eigenen Angaben im vorigen Jahr auf einen Nettogewinn von 705 Mio. Euro, 9,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Schuldenberg von ACS sei 2012 um fast 47 Prozent auf 4,95 Mrd. Euro abgebaut worden, heißt es in dem Bericht.

Anleger reagieren

Hochtief prüft derweil, wie es mit der Projektentwicklung im Europa-Geschäft weitergehen soll. Denkbar sei eine strategische Partnerschaft bis hin zu einem kompletten Verkauf, hieß es. Die bereits seit Jahren geplanten Verkäufe des Flughafengeschäfts und der Immobilientochter Aurelis will der neue Hochtief-Chef wieder verstärkt in Angriff nehmen. Die Veräußerung der Flughafenaktivitäten gestalte sich jedoch weiterhin schwierig.

Mit dem Geld aus den Verkäufen will Fernandez die Schulden tilgen und unter anderem das Infrastruktur-Geschäft ausbauen. Ende vergangenen Jahres lag der Schuldenstand des Konzerns bei rund 944 Mio. Euro. Zudem sollen die Kosten gesenkt werden. Die Börse reagierte mit einem deutlichen Kursrückgang der Hochtief-Aktie.

Australien hilft

Vor allem dank gut laufender Geschäfte in Australien hatte der Essener Baukonzern das zurückliegende Geschäftsjahr 2012 mit einem deutlichen Gewinn abschließen können. Nach einem Verlust von 160,3 Mio. Euro im Jahr 2011 erwirtschaftete Hochtief 2012 einen Überschuss von 158,1 Mio. Euro. Für das zurückliegende Geschäftsjahr 2012 will das Unternehmen nun eine Dividende in Höhe von 1,00 Euro ausschütten.

Der Umsatz kletterte von 23,28 Mrd. auf 25,53 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand stieg auf 49,79 Mrd. Euro, nach 48,67 Mrd. Euro. Sowohl beim Umsatz als auch beim Auftragsbestand erreichte Hochtief neue Bestmarken. Für 2013 erwartet Fernandez einen Anstieg des Konzerngewinns um 10 bis 20 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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