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Die eigenen Investoren würden AIG lieber komplett aufspalten als restrukturieren.
Die eigenen Investoren würden AIG lieber komplett aufspalten als restrukturieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Einstmals weltgrößter Versicherer: AIG schneidet sich Milliarden aus den Rippen

Der einst größte Versicherer der Welt unterzieht sich einer Radikalkur. 25 Milliarden Dollar sollen die Maßnahmen den AIG-Aktionären einbringen. Den größten Wunsch der Investoren erfüllt das Unternehmen aber nicht.

Auf Druck seiner Aktionäre richtet sich der US-Versicherer AIG neu aus. Dazu verkauft der einstmals größte Versicherungskonzern der Welt sein Makler- und Händlernetzwerk, bringt Teile seines Hypothekenversicherungsgeschäfts an die Börse und verstärkt seine Sparbemühungen. Das kündigte AIG-Chef Peter Hancock an.

Von den Erlösen der Maßnahme sollen in erster Linie die Aktionäre profitieren. AIG will in den kommenden zwei Jahren mindestens 25 Milliarden US-Dollar an seine Aktionäre zurückgeben, über Dividenden und Aktienrückkäufe. Vor allem der einflussreiche Investor Carl Icahn hatte das Management unter Druck gesetzt, um höhere Ausschüttungen zu erreichen.  

Das Board segnete außerdem einen Plan ab, nach dem AIG in neun separate Geschäftseinheiten aufgeteilt werden soll. Sollten diese dann nicht die vorgegebenen Finanzziele erfüllen, könne ein Verkauf in Erwägung gezogen werden, so AIG. Davor sei auch das Kerngeschäft, die Schaden-/Unfallversicherung, nicht gefeit.

Mit den strategischen Umwälzungen folgt der Versicherungskonzern zwar den Rufen vieler Investoren, erfüllt aber nicht die Forderung einiger Aktivisten, das Unternehmen aufzuspalten. "Nach sorgfältigen Überlegungen ist AIG zu dem Schluss gekommen, dass eine Aufspaltung in nächster Zeit den Shareholder Value reduzieren und nicht erhöhen würde", sagte Chairman Douglas Steenland. Er fügte hinzu, CEO Hancock habe die "volle Unterstützung" des Boards.

Icahn fordert Dreiteilung des Konzerns

AIG wird sein Makler- und Händlernetzwerk an den Finanzinvestor Lightyear Capital und den kanadischen Pensionsfonds PSP Investments verkaufen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Transaktion soll im zweiten Quartal über die Bühne gehen.

Von dem unter dem Namen United Guaranty Corporation firmierenden Hypothekenversicherer sollen 19,9 Prozent an die Börse gebracht werden, es ist nach Angaben von AIG der erste Schritt zu einer Abtrennung des Bereichs. Zudem wurde das Einsparziel auf 1,6 Milliarden Dollar binnen zwei Jahren erhöht. Ursprünglich waren bis 2017 rund 1 bis 1,5 Milliarden Dollar angepeilt.

AIG war 2008 während der Finanzkrise beinahe kollabiert. Um die staatlichen Rettungsgelder in Höhe von knapp 185 Milliarden Dollar zurückzahlen zu können, wurden bereits im großen Stil Unternehmensteile verkauft.

Nachdem sich der Konzern wieder einigermaßen berappelt hat, ist er von Aktionärsseite zuletzt unter Druck geraten. Der als aktivistischer Investor bekannte Carl Icahn, der AIG letztes Jahr als "too big to succeed" bezeichnete, hält rund drei Prozent der Aktien im Wert von rund 2,6 Milliarden Dollar. Gemeinsam mit seinem Milliardärskollegen John Paulson forderte Icahn eine Aufspaltung des Konzerns in drei separate Unternehmen. Diese wären jeweils klein genug, um nicht als systemrelevant zu gelten. Diese Einstufung ist mit erheblichem regulatorischen Aufwand und hohen Kapitalanforderungen verbunden.

Quelle: n-tv.de

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