Wirtschaft
Entscheidend ist, was hinten rauskommt: Abgastest, hier in Frankreich, versetzen die Branche in Aufruhr.
Entscheidend ist, was hinten rauskommt: Abgastest, hier in Frankreich, versetzen die Branche in Aufruhr.(Foto: REUTERS)

Umstrittene Tests am Auspuff: Abgas-Studie belastet Autobauer

Der Abgas-Skandal bei VW droht die Diesel-Technologie insgesamt in Verruf zur bringen: Auch andere Hersteller stehen wegen erhöhter Schadstoffwerte unter Verdacht. Eine neue Studie könnte die Vorwürfe erhärten.

Im Zuge des Dieselskandals bei VW geraten auch andere Autobauer zunehmend in die Kritik. Eine Studie der Umweltorganisation ICCT, deren Forschungsergebnisse zur Aufdeckung der Manipulationen bei Volkswagen geführt hatten, könnte nach Ansicht von Branchenkennern den Druck auf BMW und Daimler erhöhen.

Die Hersteller waren in den vergangenen Wochen ebenfalls wegen erhöhter Abgaswerte von Dieselmotoren ins Visier von Umweltschützern geraten. Untersuchungen verschiedener Institute hatten ergeben, dass der tatsächliche Stickoxid-Ausstoß einiger Modelle unter bestimmten Bedingungen teils geringfügig, teils deutlich über den Testwerten lag. Zuerst hatte die "Wirtschaftswoche" über die Untersuchung berichtet.

Die Hersteller weisen die Vorwürfe als unbegründet zurück. Sie verweisen unter anderem auf niedrige Außentemperaturen, bei denen die Abgasreinigung nur eingeschränkt arbeite. Diese Argumentation finden die ICCT-Forscher jedoch wenig überzeugend.

"Es ist schwierig, diese öffentlichen Erklärungen aus technischer Sicht nachzuvollziehen", heißt es in ihrer Untersuchung. Die Analyse zeige, dass "die Abschaltung der Abgasnachbereinigung aus US-Sicht nicht okay ist", sagte ICCT-Europa-Chef Peter Mock. Gegen Daimler war in den USA im Februar bereits eine Sammelklage wegen angeblichen Abgas-Schwindels eingeleitet worden.

Beste Technik verbaut

Hersteller Daimler versicherte zuletzt in einer Stellungnahme, die gesetzlichen Vorgaben seien unter allen Betriebsbedingungen über die gesamte Fahrzeuglaufzeit gewährleistet. Ein Sprecher von BMW wies den Verdacht der Trickserei ebenfalls zurück. Der Autobauer nutze keine Gesetzeslücken und manipuliere auch nicht, bekräftigte der Münchner Hersteller. In den US-Dieselautos sei das Beste eingebaut, was die Technik in Sachen Abgasreinigung leisten könne. BMW sei bisher überall bestätigt worden, dass seine Autos hervorragende Abgaswerte hätten.

Grundsätzlich ist es Autoherstellern in den USA nicht verboten, Einrichtungen zur Abgaskontrolle zu verwenden. Allerdings müssen diese Programme bei der Zulassung der Fahrzeuge offengelegt und von den Behörden genehmigt werden. Die US-Umweltbehörde EPA testet derzeit, ob das in der Vergangenheit immer der Fall gewesen ist. Bislang haben die Aufseher nur VW gezielte Täuschung vorgeworfen.

Kentucky verklagt Volkswagen

Dort nimmt die "Dieselgate"-Klagelawine gegen Volkswagen unterdessen Fahrt auf: In den USA reichte der Bundesstaat Kentucky Klage gegen den Wolfsburger Autobauer sowie die VW-Töchter Audi und Porsche wegen Täuschung von Verbrauchern ein.

"VW muss zur Verantwortung gezogen werden", teilte Generalbundesanwalt Andy Beshear mit. Der Wolfsburger Hersteller hatte in großem Stil Dieselwagen mit einer illegalen Software zur Manipulation von Abgaswerten verkauft. Die Fahrzeuge wurden in den USA mit großem Werbeaufwand als "sauber" vermarktet, obwohl der Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid die gesetzlichen Höchstwerte um ein Vielfaches überstieg.

In Kentucky sind der Klage nach 3800 Fahrzeuge betroffen. Insgesamt geht es in den USA um etwa 580.000 Fahrzeuge und weltweit um elf Millionen. VW hatte den Betrug im September eingeräumt und ist mit Hunderten Zivilklagen und strafrechtlichen Ermittlungen konfrontiert. Es drohen Schadensersatzzahlungen und Strafen in Milliardenhöhe.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen