Wirtschaft

Herkulesaufgabe PostbankAckermann braucht Milliarden

13.09.2010, 16:12 Uhr

Die Deutsche Bank schluckt die Postbank komplett. Dafür greift der Branchenprimus tief in die Tasche: Von der geplanten Kapitalerhöhung im Volumen von fast zehn Milliarden Euro fließen knapp acht Milliarden in den weiteren Anteilskauf. Deutsche-Bank-Chef Ackermann erhofft sich so einen deutlichen Mehrwert für sein Finanzinstitut.

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Josef Ackermann will mit der Postbank-Übernahme das Privatkundengeschäft forcieren. (Foto: REUTERS)

Die Deutsche Bank übernimmt die Postbank schneller als

erwartet und will nun auch im Privatkundengeschäft in die europäische Spitzenliga.

Der Deal kommt den Frankfurtern aber teuer zu stehen: Deutschlands größtes Geldhaus

muss 6,3 Milliarden Euro hinblättern und zusätzlich fast acht Milliarden frisches

Kapital in die Postbank stecken, um diese für die schärferen Vorgaben der Regulierer

zu rüsten.

Dazu nimmt die Deutsche Bank die größte Kapitalerhöhung

ihrer Geschichte in Angriff. Rund zehn Milliarden Euro will sie einsammeln und sich

damit nebenbei auch selbst ein Polster für die härteren Kapitalvorschriften zulegen.

"Im Investmentbanking ist die Deutsche Bank bereits

Weltspitze, im Privatkundengeschäft sind wir dabei, in die europäische Champions

League aufzurücken", sagte Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann bei der Präsentation

der Übernahmepläne. Zusammen kommen die Häuser in Deutschland auf 24 Millionen Privatkunden,

fast 2000 Filialen und gut 90.000 Beschäftigte. Mehr Kunden haben hierzulande nur

Sparkassen und Volksbanken, die diesen Markt dominieren.

Kritische Ratingagenturen

Die Postbank gilt aber mit einer Kernkapitalquote von

7,3 Prozent als relativ schwach auf der Brust. Die Deutsche Bank peilt nach der

Übernahme für den Gesamtkonzern 11,6 Prozent an, womit sie auch die neuen Vorgaben

erfüllen könnte.

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Abhängigkeit vom stark schwankenden Kapitalmarktgeschäft. (Foto: picture alliance / dpa)

Mit der Postbank will Ackermann im Privatkundengeschäft

auf mittlere Sicht über drei Milliarden Euro vor Steuern verdienen. Bislang peilt

er für 2011 in der Sparte - ohne den Zukauf - nur die Hälfte an. Insgesamt rechnet

der Schweizer im nächsten Jahr mit einem Gewinn von zehn Milliarden Euro, den Löwenanteil

soll das Investmentbanking beisteuern.

Ratingagenturen sehen die Abhängigkeit der Deutschen

Bank von dem stark schwankenden Kapitalmarktgeschäft sehr kritisch. "Mit der

Postbank steht der größere Deutsche-Bank-Konzern künftig auf zwei starken Säulen

und verfügt über einen besser ausgewogenen Ergebnismix und insgesamt stabilere Erträge",

betonte Ackermann.

Nur Minimum für Postbank-Aktionäre

Die Deutsche Bank hält seit längerem knapp 30 Prozent

an der Postbank, weitere 40 Prozent liegen noch bei der Deutschen Post - diesen

Anteil bekommt die Deutsche 2012 beziehungsweise 2013 über eine Pflicht-Umtauschanleihe

und Optionen. Nun machen die Frankfurter Tempo und bieten den restlichen Aktionären

des größten deutschen Privatkundeninstituts schon heute 24 bis 25 Euro je Aktie.

Der genaue Preis auf Basis des Durchschnittskurses der vergangenen drei Monate wird

in den nächsten Tagen festgelegt.

Zu Wochenbeginn gaben die Postbank-Aktien an der

Börse kräftig nach. Die Titel der Deutschen Bank zogen - vor allem wegen der Erleichterung

über nicht ganz so hart ausgefallene Kapitalregeln Basel III - an.

Neubewertung des Postbank-Anteils

Den Einstieg bei der Postbank hatte Ackermann noch kurz

vor dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 mit der

Post eingefädelt, anschließend wurde der Preis wegen der verschärften Finanzkrise

neu verhandelt. Die Post bekommt rund fünf Milliarden Euro. "Heute wäre die

Postbank sicher billiger", räumte Ackermann ein.

Doch durch das Vorziehen der Komplettübernahme spare

die Bank wiederum 1,7 Milliarden Euro. Denn ab nächstem Jahr hätte das Institut

allen Postbank-Aktionären den mit der Post vereinbarten Wandelpreis von 45 Euro

zahlen müssen. Allerdings muss die Deutsche Bank ihren Postbank-Anteil in den Büchern

nun neu bewerten, was zu einer Abschreibung von 2,4 Milliarden Euro im dritten Quartal

führt.

Quelle: wne/rts