Wirtschaft
Ackermann will nach seinem Abgang von der Spitze der Deutschen Bank loslassen. "Mein Golf-Handicap ist noch nicht da, wo es sein sollte."
Ackermann will nach seinem Abgang von der Spitze der Deutschen Bank loslassen. "Mein Golf-Handicap ist noch nicht da, wo es sein sollte."(Foto: dapd)

Pleiterisiko eine "Binsenweisheit": Ackermann greift Lagarde an

Deutsche-Bank-Chef Ackermann bringt sich mit deutlichen Worten gegen IWF-Chefin Lagarde in Stellung. Lagardes Forderungen nach einer Zwangskapitalisierung für Europas Banken seien nicht gerechtfertigt. Mit dieser Einschätzung findet Ackermann auch Zustimmung bei der Bundesbank. Die Turbulenzen an den Märkten erinnern Ackermann zwar an den Lehman-Herbst 2008, doch die Banken seien heute besser aufgestellt.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geht auf Konfrontationskurs zum Internationalen Währungsfonds. Jüngste Forderungen der IWF-Chefin Christine Lagarde nach einer Zwangskapitalisierung europäischer Geldhäuser seien wenig hilfreich und auch nicht gerechtfertigt gewesen, sagte der Schweizer auf einer Bankenkonferenz.

IWF-Chefin Lagarde erntet viel Widerspruch zu ihren Forderungen nach einer besseren Kapitalausstattung europäischer Banken.
IWF-Chefin Lagarde erntet viel Widerspruch zu ihren Forderungen nach einer besseren Kapitalausstattung europäischer Banken.(Foto: dpa)

"Es ist offenkundig, um nicht zu sagen eine Binsenweisheit, dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie die im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben", betonte der im nächsten Jahr scheidende Chef des größten deutschen Geldhauses. Die Glaubwürdigkeit der staatlichen Stützungsmaßnahmen würde mit solchen drastischen Schritten untergraben. Es bestehe die Gefahr, dass sich dadurch die Schuldenlage einzelner Länder weiter verschärfe. Angesichts einer drohenden Verwässerung würden private Investments in Banken noch weniger wahrscheinlich. Ackermann machte deutlich, dass das Ertragswachstum der Banken insgesamt wegen der schärferen Regulierung und der Schuldenkrisen künftig begrenzt sei.

Bundesbank leistet Schützenhilfe

Unterstützung findet Ackermann mit seiner Kritik auch unter Währungshütern. In ungewoht deutlicher Form prangerte auch Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret den Vorstoß des IWF für eine unfreiwillige Finanzspritze an. Angesichts der aktuellen Risiken und der Fülle und Komplexität der Regulierungsvorhaben stünden Kreditinstitute in den nächsten Jahren ohnehin vor großen Herausforderungen, sagte Dombret. "Die seit einigen Tagen kursierenden IWF-Schätzungen zu einem möglicherweise sehr hohen weiteren Abschreibungsbedarf europäischer Banken empfinde ich insofern als äußerst unglücklich", sagte Dombret. "Solche Simulationen, auch wenn sie erst im Entwurfsstadium sind, schaden meines Erachtens mehr, als sie nützen."

IWF-Chefin Christine Lagarde hatte gefordert, die europäischen Staaten sollten ihre Banken mit frischem Kapital unterstützen. Notfalls müssten öffentliche Geldmittel eingesetzt werden. Nach IWF-Schätzungen könnten den Kreditinstituten wegen der Euroschuldenkrise bis zu 200 Milliarden Euro an Kapital fehlen, hatte es in Medienberichten geheißen.

Déjà-vu Lehman-Herbst

Die heftigen Kursstürze von Banken und Finanzwerten erinnern Ackermann an den Herbst 2008. Damals war die Weltwirtschaft nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers in eine tiefe Rezession gestürzt. "Seit Jahresbeginn haben manche europäische Banken sogar ein Drittel und mehr ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt", sagte Ackermann. In das Bild passe, dass die Märkte für Staatsanleihen stark schwankten, auch in Deutschland und den USA. Selbst der Aufwärtstrend des Goldpreises verlaufe nicht stetig.

(Foto: AP)

Die Banken seien von den Auswirkungen der Schuldenkrise in vielfältiger Weise betroffen, etwa durch ihr Engagement in den Schuldenländern. Die Aussichten für Europas Banken insgesamt seien im Heimatmarkt nicht gerade rosig. "Es sei denn, die Banken können der Entwicklung durch Marktanteilsgewinne entgegen wirken."

"All dies erinnert an den Herbst 2008, obwohl der europäische Bankensektor im Vergleich zu damals heute deutlich besser kapitalisiert und weniger von kurzfristiger Liquidität abhängig ist", sagte Ackermann. Außerdem hätten die Banken weniger toxische Aktiva in ihren Bilanzen, und das Risikomanagement habe sich verbessert.

Sparprogramm nicht ausgeschlossen

Sollten die Turbulenzen auf den Finanzmärkten anhalten, schließt Ackermann für die Deutsche Bank auch ein Sparprogramm nicht aus. "Wenn es ganz negativ weitergeht wie im August, werden wir solche Maßnahmen ins Auge fassen müssen", sagte Ackermann. Derzeit sehe er allerdings keine Notwendigkeit für Kostensenkungen und Stellenabbau. "Wir haben uns sehr gut vorbereitet auf schwierige Zeiten", sagte Ackermann.

Sollten sich schlechten Aussichten im Investmentbanking fortsetzen, werde auch die Deutsche Bank über Kostensenkungen nachdenken müssen. Das Institut erwarte aber eher ein Beruhigung der Finanzmärkte. Mehrere internationale Banken haben bereits den Abbau von tausenden Stellen angekündigt. Zuletzt war über ähnliche Programme bei der Deutschen Bank spekuliert worden.

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Quelle: n-tv.de

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