Wirtschaft

Rauchzeichen aus FrankfurtAckermanns fragile Prognose

20.11.2009, 11:58 Uhr

Die Bankenbranche sucht nach einem Patentrezept für eine krisenfeste Zukunft. Auch wenn das Schlimmste bereits hinter uns liegt, wie der oberste Deutschbanker Ackermann nicht müde wird zu betonen. Wie soll man sich gegen die nächste Krise wappnen? Dem Ruf nach mehr Regulierung bietet Bundesbankpräsident Axel Weber Paroli: Ein Allheilmittel sei das nicht.

Ackermann
Ackermann: "Regulatoren werden künftig eine größere Rolle spielen." (Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sieht die Krise zum Großteil als überstanden an. "Das Schlimmste scheint hinter uns zu liegen", sagte Ackermann anlässlich des Frankfurt European Banking Congress.

An den Aktienmärkten sei eine Erholung zu beobachten. Aber jetzt schon darüber zu jubeln wäre töricht, denn die wirtschaftliche Erholung sei noch "fragil" und für eine weitere Erholung extreme Anstrengungen notwendig. "Insgesamt werden Regulatoren in Zukunft eine größere Rolle spielen", prognostizierte er.

Neue Zeit, neue Spielregeln

Die Banken würden sich einem radikal geänderten wettbewerblichen Umfeld gegenübersehen, sagte Ackermann. Denn die wirtschaftliche Realität sei inzwischen eine andere als vor der Krise. Nach dem Scheitern von Banken und Rettungsaktionen der Regierungen habe sich die Landschaft komplett geändert. "Die Finanzkrise hat die Spielregeln geändert", sagte Ackermann.

Ganz oben auf der Prioritätenliste stünde, das regulatorische Umfeld neu zu ordnen und Maßstäbe zu setzen. Das sei allerdings eine sehr komplexe Angelegenheit. Denn die Situation erfordere regulatorische Maßnahmen, die nicht nur eine Lösung der gegenwärtigen Krise anstreben, sondern auch zukünftige Krisen verhindern können, sagte Ackermann.

Letzteres sei die intellektuell schwierigere Aufgabe, betonte der Bank-Manager und fügte hinzu: "Wir scheinen seit der Tulpenkrise wenig Fortschritte gemacht zu haben." Die holländische Tulpenzwiebel-Hausse gehört zu den ältesten Spekulationsblasen der Geschichte.

Regulierung kein Allheilmittel

Bundesbankpräsident Axel Weber sieht in der strengeren Regulierung der Finanzbranche kein Allheilmittel gegen künftige Finanzkrisen. "Es gibt keine einfache Antwort, weil es nicht nur einen Problembereich gibt", sagte Weber in Frankfurt. Vielmehr seien viele der aktuell diskutierten Lösungswege relevant. Weber nannte beispielhaft eine höhere Eigenkapitalausstattung und ein besseres Risikomanagement der Geschäftsbanken, aber auch eine strengere Regulierung.

Weber trat auch deutlich der Auffassung entgegen, dass die Regulierungsbehörden hauptschuldig an der Finanzkrise sind. Größtes Problem sei vielmehr das Risikomanagement der Geschäftsbanken gewesen. Weber warnte zudem vor einer Überregulierung der Branche: Entscheidungen auf Unternehmensebene dürften nicht der Regulierung zugeschoben werden. "Ansonsten bräuchte man keine Unternehmensführungen mehr." Darüber hinaus unterstrich Weber, dass die Banken ihre Gewinnziele reduzieren müssten. "Die Profitziele sind nicht gottgegeben."

Quelle: ddi/DJ/dpa