Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Sperrt Russland seinen Luftraum?: Aeroflot-Aktien geraten unter Druck

Von Jan Gänger

Wie sehr die EU und Russland wirtschaftlich miteinander verflochten sind, zeigt ein Blick auf Aeroflot. Angeblich erwägt der Kreml Beschränkungen für Fluggesellschaften der EU - darauf geben die Aktien der heimischen Aeroflot kräftig nach.

Die Aktien der russischen Fluggesellschaft Aeroflot sind an der Moskauer Börse deutlich unter Druck geraten. Händler führten das auf Berichte zurück, wonach die russische Regierung erwäge, Vergeltungsmaßnahmen gegen europäische Airlines zu ergreifen. Doch davon wäre auch der russische Staatskonzern betroffen.

Der Zeitung "Wedemosti" zufolge wird in Moskau darüber nachgedacht, die Flugrechte über Sibirien für europäische Fluggesellschaften einzuschränken oder ganz zu streichen. Entsprechende Gespräche werden im Außen- und im Verkehrsministerium geführt, hieß es. Grund seien die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland.

Solche Einschränkungen würden allerdings auch die Aeroflot schaden. Die Airline bekommt "Wedemosti" zufolge jährlich von ausländischen Fluggesellschaften Gebühren für Überflüge in Höhe von etwa 300 Millionen Dollar. An der Moskauer Börse Micex verloren die Aeroflot-Papiere im späten Handel knapp 6 Prozent.

Die Sprecherin von Ministerpräsident Dmitri Medwedew wies die Berichte zurück. Solche Vorschläge seien nicht von zuständigen Ämtern eingegangen, zitiert sie die Nachrichtenagentur "Ria Nowosti".

Dobrolet lässt Flugzeuge am Boden

"Wedemosti" hatte die angeblichen Gedankenspiele unter anderem darauf zurückgeführt, dass der russische Billigflieger Dobrolet ergangenen Montag den Flugbetrieb auf unbestimmte Zeit eingestellt hat. Das Management begründete den Schritt mit westlichen Sanktionen. So seien nicht nur Versicherungen, sondern auch die Verträge für das Leasing aller Maschinen des Typs Boeing 737-800 und Verträge für Wartung von Flugzeugen gekündigt worden.

Die EU hatte die Tochter der staatlichen Aeroflot auf die Sanktionsliste gesetzt, da sie vor allem Verbindungen von Moskau auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim anbietet. Dobrolet hatte erst im Juni den Betrieb aufgenommen.

Sollte Russland tatsächlich doch die Überflugrechte für europäische Airlines einschränken, könnte das mit British Airways, Lufthansa und Air France die größten Fluggesellschaften der EU hart treffen. Sie würden zu längeren Flugzeiten und höheren Kerosinkosten führen und damit den asiatischen Konkurrenten zu einem Wettbewerbsvorteil verhelfen.

Wie wichtig die Überflugrechte für europäische Luftfahrtunternehmen sind, zeigt der Streit zwischen Russland und der Lufthansa aus dem Jahr 2007. Damals hatten die Behörden verlangt, dass die Transporttochter Lufthansa Cargo auf ihren Strecken nach Asien nicht mehr den kasachischen Flughafen Astana, sondern den russischen Standort im sibirischen Krasnojarsk zum Auftanken der Flugzeuge benutzt - und dem Unternehmen kurzerhand die Überfluggenehmigung gestrichen.

Lufthansa stimmte dem Umzug ihres Frachtdrehkreuzes schließlich zu, verlangte aber, dass dort die nötigen technischen Voraussetzungen geschaffen würden. Einen Zusammenhang zwischen dem Umzug und der dann wieder erteilten Überfluggenehmigung wies das Unternehmen zurück.

Quelle: n-tv.de

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