IPO der SuperlativeAgBank will's wissen
30 Mrd. Dollar Emissionserlös werden es nicht mehr. Rund 22 Mrd. Dollar sind beim Börsengang der Agricultural Bank of China (AgBank) aber noch drin. Die Preisspanne gibt das her und lässt weiter vom weltweiten IPO-Olymp träumen.
Die chinesische Agricultural
Bank of China (AgBank) ist auf einem guten Weg, sich in den Geschichtsbüchern
zu verewigen - mit dem weltweit größten Börsengang. Das Volumen könnte bei 22,2
Mrd. Dollar liegen und damit über dem bisherigen Rekord, dem 21,9 Mrd. Dollar
schweren Initial Public Offering (IPO) der Industrial and Commercial Bank of
China von Oktober 2006. Es wird aber eng.
Wie die AgBank mit Sitz in
Peking mitteilte, sollen an der Börse in Hongkong 25,4 Milliarden Aktien zum
Preis von 3,20 Hongkong Dollar (0,41 Dollar) je Aktie an den Start und unter
die Leute gebracht werden. In Shanghai sollen die Aktien 2,68 Yuan (0,39
Dollar) kosten, dort sollen 22,24 Milliarden Anteilsscheine des viertgrößten
Kreditgebers Chinas platziert werden.
Nur mit Greenshoe klappt's
Die Ausgabe dieser Aktien
summieren sich zu einem Emissionserlös von umgerechnet 19,2 Mrd. Dollar. Hinzu
kommen könnte eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von 15 Prozent, die
zusätzliche 2,9 Mrd. Dollar einbrächte. Die Erstnotiz ist in Shanghai für den
15. Juli angesetzt, einen Tag später sollen die Aktien dann in Hongkong
gehandelt werden. Der 15. Juli mutiert damit zum weltweiten Groß-IPO-Tag: In Deutschland
strebt der Außenwerber Ströer aufs Parkett und will mehr als 410 Mio. Euro
einsammeln und damit den drittgrößten deutschen Börsengang in diesem Jahr
vollziehen. In den USA wagt der Finanzinvestor KKR den Schritt aufs
Börsenparkett.
AgBank gibt den Goliath
Die 1951 gegründete AgBank
stellt aber alles bisher Dagewesene in den Schatten. Zwei nackte Zahlen verdeutlichen das: 350 Millionen Kunden hat das Institut, mehr
als die USA Einwohner. Zudem wies die Bauernbank im vergangenen Jahr einen
Gewinn von rund 8 Mrd. Euro auf. Als letzte der ehemals vier großen Staatsbanken soll das Institut, das
mit fast 450.000 Angestellten mehr als 24.000 Filialen und 30.000 Geldautomaten
betreibt, aus dem Staatseigentum in die freie Marktwirtschaft entlassen werden.
Bank of China, China Construction Bank und ICBC haben diesen Schritt bereits
hinter sich und das chinesische Staatssäckel kräftig aufgefüllt.
Wie viel Hunger hat der Markt?
Ob der Rekord fällt, hängt
an der Marktsituation und die ist derzeit nicht die Beste: So lädt der
Aktienmarkt in China derzeit nicht gerade zu Börsengängen ein: Seit rund einem
Jahr befindet er sich in einem Abwärtstrend mit immer wieder kurzen
Erholungsphasen. Der Shanghai Index fiel in diesem Zeitraum von etwa 3600 auf
2500 Punkte. Zudem gilt der chinesische IPO-Markt nach einer wahren Flut von
Börsengängen unter Experten mittlerweile als gesättigt: An der Börse in
Shanghai haben Unternehmen seit Anfang des Jahres bereits umgerechnet rund 40
Mrd. Euro eingesackt - ungefähr dieselbe Summe wie im gesamten Jahr 2009. Zur
Sättigung trägt auch bei, dass viele chinesische Banken, die bereits
börsennotiert sind, eine weitere Ausgabe von Anteilsscheinen im
Milliardenvolumen planen.
Die angepeilten
Kapitalerhöhungen könnten ein Hinweis auf den Geldbedarf der Finanzinstitute
sein. Chinas Regierung hat bereits dreimal in diesem Jahr die Anforderungen an
die Mindestreserven der Institute erhöht. Sie will damit erreichen, dass die
Institute ihre Kreditvergabe drosseln und damit die Investitionen der
Wirtschaft zurückgehen. Eine konjunkturelle Überhitzung soll dadurch verhindert
werden.
Das alles könnte dem angepeilten
Rekord des AgBank-IPOs noch auf die Füße fallen. Wie auch immer: Mitte Juli ist
der Gang aufs Parkett geplant - zuerst am 15. Juli in Shanghai, einen Tag
später dann in Hongkong. Zumindest bis dahin ist ICBC noch IPO-Rekordhalter.