Sonne verbrennt ErnteAigner erwartet Preisauftrieb
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner geht angesichts erwarteter Ernteausfälle von steigenden Nahrungsmittelpreisen aus. Die Entwicklung sei drastischer als in den vergangenen Jahren und könne sicherlich Auswirkungen auf den Markt haben.
Angesichts erwarteter Ernteausfälle bei Getreide hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Verbraucher auf steigende Nahrungsmittelpreisen vorbereitet. "Ich denke, in einigen Bereichen kann es durchaus zu Preissteigerungen kommen", sagte sie der "Bild am Sonntag". Auch bei Grundnahrungsmitteln sei es denkbar, dass das Preisniveau etwas steige.
Bei Brot und Brötchen seien aber allenfalls geringe Preisaufschläge zu erwarten: "Der Anteil des Mehls am Brötchenpreis liegt bei etwa zwei Cent. Selbst wenn sich der Mehlpreis verdoppeln würde - was kaum vorstellbar ist - dürfte der Preisaufschlag also minimal sein", erklärte Aigner.
Allerdings seien die Getreideschäden in einigen Gebieten Deutschlands schon jetzt extrem ausgeprägt. Schuld sei besonders der nasse und kalte Frühling: "Oft sind die Wurzeln nicht tief genug herunter gewachsen, um später in Trockenphasen noch Wasser aufnehmen zu können." In der Folge verkümmere das Korn. "Die Entwicklung ist drastischer als in den vergangenen Jahren und kann sicherlich Auswirkungen auf den Markt haben", fügte sie hinzu.
Keine Angst vor Knappheit
Angst vor knapp werdenden Lebensmitteln müsse aber niemand haben: "Es wird keine Versorgungsengpässe geben." 2009 sei ein besonders ertragsreiches Jahr gewesen, "und die Lager sind noch immer voll".
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hatte in der vergangenen Woche von Ernteausfällen zwischen 20 und 30 Prozent gesprochen. Eine gut gewachsene Getreideernte sei vielerorts regelrecht verbrannt. Auf die Backwarenpreise werde dies aber kaum durchschlagen, da der Anteil des Getreidepreises am Ladenpreis bei nur vier Prozent liege.
Bitte auf Qualität achten
Von den Verbrauchern verlangt Aigner mehr Wertschätzung für Lebensmittel: "Wer sehr viel Geld für Autos, Markenklamotten und Handys ausgibt, sollte auch bei Lebensmitteln mehr auf die Qualität achten."
Zudem kritisierte die Ministerin den Konkurrenzkampf unter den Lebensmittelhändlern und warnte vor einem Qualitätsverfall: "Weil der Preisdruck in der Lebensmittelbranche weiter zunimmt, wird es auf Dauer schwieriger, im Billig-Segment ordentliche Produkte anzubieten. Meine Sorge ist, dass der Konkurrenzkampf der großen Discounter irgendwann zulasten der Qualität und damit zulasten der Kunden geht."