Wirtschaft
Der ehemalige Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hatte bereits im Jahr 2012 das neue Sparprogramm "Turbine 2013" angekündigt. Details nannte er seinerzeit aber nicht.
Der ehemalige Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hatte bereits im Jahr 2012 das neue Sparprogramm "Turbine 2013" angekündigt. Details nannte er seinerzeit aber nicht.(Foto: dpa)

Jede zehnte Stelle wird gestrichen: Air Berlin schaltet "Turbine" ein

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin schwenkt auf ihren angekündigten harten Sparkurs ein. Das Nachsehen haben vor allem die Mitarbeiter. Rund 900 Arbeitsplätze fallen bis Ende 2014 weg. Betriebsbedingte Kündigungen sind möglich. Außerdem werden Strecken gestrichen und Flugzeuge verkauft.

Die hoch verschuldete Fluggesellschaft Air Berlin hat mehrere Bereiche ausgemacht, in denen sie Einschnitte vornehmen und sich auf diese Weise gesund schrumpfen will. Die größten Opfer müssen die Mitarbeiter bringen: Deutschlands zweitgrößte Airline will rund 900 der insgesamt 9300 Arbeitsplätze abbauen. Außerdem will das Management die Flugzeugflotte verkleinern und Flughafenstandorte schließen.

So sollen die Verluste reduziert werden, die nach Angaben einer mit den Verhandlungen vertrauten Person gegenwärtig bei rund einer Million Euro pro Tag bzw. etwa 350 Mio. Euro im Jahr liegen. Air Berlin beziffert die Effekte ihres Sparprogramms "Turbine 2013", das auf zwei Jahre angelegt ist, für den gesamten Zeitraum auf 400 Mio. Euro.

Betriebsbedingte Kündigungen

Air Berlin geht davon aus, dass es beim geplanten Arbeitsplatzabbau auch betriebsbedingte Kündigungen geben wird. Nach Angaben der mit den Verhandlungen vertrauten Person dürften davon vor allem Piloten und Kopiloten betroffen sein, da diese unbefristete Arbeitsplätze haben. Rund 110 überzählige Mitarbeiter im Cockpit habe die Airline ausgemacht.

Rund 250 Mitarbeiter sollen es laut der mit den Verhandlungen vertrauten Person in der Kabine zu viel geben. Viele von den Kabinenbeschäftigten haben aber zeitlich befristete Verträge, so dass die Airline hier auf das Auslaufen von Beschäftigungsverhältnissen setzen kann. Die übrigen Arbeitsplätze dürften vor allem am Boden und in der Verwaltung verloren gehen.

Für die verbliebenen Mitarbeiter plant die Airline nach Angaben der informierten Person einheitliche Tarifverträge. Unterschiede bei Gehältern und Arbeitszeiten, die noch aufgrund früherer Zukäufe bestehen, sollen auf diese Weise beseitigt werden.

Flotte wird eingedampft

Aufräumen will das Management auch bei der Flugzeugflotte. Ende September hatte die Airline neun unterschiedliche Flugzeugtypen im Einsatz. Diese Modellvielfalt soll eingedampft werden, um Kosten bei Betrieb und Wartung zu sparen. Welche Flugzeugmodelle künftig nicht mehr zum Einsatz kommen werden, ist laut der mit den Verhandlungen vertrauten Person aber noch nicht entschieden. Auch Air Berlin äußerte sich dazu nicht.

Außerdem will Air Berlin nach Angaben der Person einige Flugzeuge an das Subunternehmen Walter weiterreichen. Diese Airline führt seit vielen Jahren Flüge für die Berliner durch. Das ist für Air Berlin günstiger, weil die dort angestellten Mitarbeiter geringere Gehälter erhalten als die Air Berliner.

Air Berlin bestätigt diese Angaben nicht, spricht aber von der Reduzierung der Flotte auf 142 Flugzeuge. Ende September 2012 waren noch 158 Maschinen im Einsatz.

Standortschließungen

Weitere Abstriche plant der neue Air-Berlin-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Prock-Schauer nach Angaben der informierten Person bei den Flughafenstandorten. Sechs bis sieben kleinere Stationen, wie beispielsweise Paderborn-Lippstadt, sollen geschlossen werden. Auch hierzu hält sich die Airline noch bedeckt und spricht nur von einer Konzentration der Stationen.

Der ehemalige Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hatte bereits im Jahr 2012 das neue Sparprogramm "Turbine 2013" angekündigt. Details nannte er seinerzeit aber nicht und verwies auf weitere Aussagen zu Beginn des Jahres. Nach seinem überraschenden Abgang am 7. Januar übernimmt nun sein Nachfolger diese Aufgabe.

Quelle: n-tv.de

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