Wirtschaft
Näher an der Welt, aber weiter weg vom Bundesverkehrsministerium. Die Zukunft der Partnerschaft von Air Berlin und Etihad ist unklar.
Näher an der Welt, aber weiter weg vom Bundesverkehrsministerium. Die Zukunft der Partnerschaft von Air Berlin und Etihad ist unklar.(Foto: picture alliance / dpa)

Codeshare mit Etihad vor dem Aus: Air Berlin zittert um Geschäftsmodell

Bei Air Berlin Tickets an fast jeden Ort der Welt buchen und dann via Abu Dhabi mit der chicen Golf-Airline Etihad hinfliegen, das ist ab morgen von den Behörden in wichtigen Teilen untersagt. Hinter dem Meinungswandel vermuten die Betroffenen unlautere Motive.

Zahlreiche Flüge von Air Berlin dürfen am Freitag letztmalig auch vom arabischen Partner Etihad Airways unter einer eigenen Flugnummer angeboten werden. Die Genehmigung für diese 29 Codeshare-Flüge läuft nach einer Entscheidung des Luftfahrt-Bundesamts vom vergangenen Oktober am 15. Januar aus. Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg könnte das Verbot jedoch nach einer Beschwerde Etihads noch aufheben.

Die Golf-Airline Etihad wirft der Bundesrepublik Deutschland in dem Streit über die Partner-Flüge Rechtsbruch vor. Etihad und das zuständige Bundesverkehrsministerium liegen seit Wochen im Clinch, nachdem 29 von insgesamt 63 Gemeinschaftsflügen nur noch bis zum 15. Januar genehmigt wurden. Die Rechtsauffassung des Ministeriums wurde vom Braunschweiger Verwaltungsgericht Ende vergangenen Jahres bestätigt.

Mit der juristischen Anfechtung will Etihad erreichen, die in Frage stehenden Verbindungen zumindest noch bis zum Ende des laufenden Winterflugplans, also bis Ende März, durchführen zu können. Allerdings ließ eine Sprecherin offen, wann die Richter in dem Eilverfahren entscheiden werden.

Bislang bieten Air Berlin und Etihad rund 80 Flüge unter zwei Flugnummern an. Sie können die Verbindungen damit wechselseitig den Kunden der Partner-Airline anbieten. Für die fraglichen 29 Flüge ist das ab Samstag untersagt. An den Flügen ändere sich im laufenden Flugplan nichts, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Auch das Gepäck der Fluggäste werde wie bisher an den Umsteigeflughäfen automatisch umgeladen, teilten beide Airlines mit.

Air Berlins Nachteil ist Lufthansas Vorteil

Die Codeshare genannte Praxis, bei der die Flüge mit zwei Flugnummern versehen sind - einer von Air Berlin und einer von Etihad - hat für die deutsche Airline den Vorteil, dass ihre Flüge in Reservierungssystemen besser gefunden und weltweit vermarktet werden können. Ohne diese Regelung blieben die Maschinen womöglich leer. Das für die finanziell klamme Air Berlin wichtige Codeshare steht allerdings auf legal wackeligen Beinen. Da Air-Berlin-Großaktionär Etihad keine EU-Airline ist und zwischen Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Gegensatz zu den USA auch kein sogenanntes Open-Sky-Abkommen gilt, unterliegen die Code-Share-Flüge dem bilateralen Luftverkehrsabkommen zwischen den Emiraten und Deutschland.

Und das legt Etihad anders aus als das Bundesverkehrsministerium: "Da das Luftverkehrsabkommen und der Streckenplan bilaterale Abkommen sind, sollte ihre rechtliche Interpretation auf dem gemeinsamen Verständnis zwischen den beiden Regierungen basieren", erklärte die Fluggsellschaft aus Abu Dhabi. "Dieses gemeinsame Verständnis wurde dahingehend vom Bundesverkehrsministerium bestätigt, als dass es die nun strittigen Codeshares seit 2012 bereits sechs Mal in Folge genehmigt hatte. Die einseitige Entscheidung des Ministeriums, diese Interpretation zu ändern, ist rechtlich nicht zulässig."

"Dies ist ein Kampf um die korrekte Durchsetzung eines bilateralen Abkommens zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten, es geht um Wettbewerb und Verbrauchervorteile", sagte Jim Callaghan, General Counsel von Etihad Airways, und keilte gegen die größere Deutsche Lufthansa: "Als dominierende nationale Fluggesellschaft, welche nur Konkurrenz durch Air Berlin erfährt, profitiert Lufthansa deutlich von jeder Entscheidung, die diese Codeshares einschränkt, und das zum Nachteil für Kunden im Hinblick auf deren Auswahlmöglichkeit und für den Wettbewerb."

Etihad hat Air Berlin am Leben gehalten

Air Berlin fliegt von Berlin, Stuttgart und Nürnberg mindestens täglich nach Abu Dhabi. Tatsächlich haben die meisten Passagiere aber gar nicht Abu Dhabi zum Ziel, sondern steigen dort in Etihad-Jets nach Asien oder Australien um. Umgekehrt steigen Passagiere aus Asien oder Australien in Abu Dhabi in eine Air-Berlin-Maschine und steigen in Deutschland teilweise nochmals zu weiteren Zielen um. Laut dem Luftverkehrsabkommen soll mit Codeshare-Flügen aber nur der tatsächliche Reisebedarf zwischen beiden Ländern bedient werden.

Nur dank Codeshare kann die Golf-Airline Flüge etwa von Sydney nach Stockholm anbieten. Dabei führt Etihad den Flug von Australien nach Abu Dhabi aus. Air Berlin übernimmt dort und fliegt die Passagiere über Berlin zu ihrem Ziel. Die Golf-Airline ist mit knapp 30 Prozent größter Anteilseigner bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft und unterstützt Air Berlin auch mit Krediten.

Quelle: n-tv.de

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