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Show-Vorführung in Le Bourget: Airbus lässt sein größtes und teuerstes Produkt einfliegen.
Show-Vorführung in Le Bourget: Airbus lässt sein größtes und teuerstes Produkt einfliegen.(Foto: AP)

20 Riesenjets auf einen Schlag: Airbus sammelt Großaufträge ein

Für den europäischen Flugzeugbauer beginnt die Pariser Luftfahrtmesse mit einem Paukenschlag: Ein Großinvestor bekundet Interesse am A380. Die Lufthansa legt sich in der Mittelstrecke sogar komplett auf Airbus fest. Bei Boeing brodelt unterdessen die Gerüchteküche: Kommt die Langversion des Dreamliners?

Die wichtigste Verkaufsveranstaltung des Jahres in der Luftfahrtbranche: Zur 50. Ausgabe des Salon International de l’Aéronautique et de l’Espace herrscht reger Andrang.
Die wichtigste Verkaufsveranstaltung des Jahres in der Luftfahrtbranche: Zur 50. Ausgabe des Salon International de l’Aéronautique et de l’Espace herrscht reger Andrang.(Foto: REUTERS)

Starker Auftakt für Airbus bei der Pariser Luftfahrtmesse: Der Flugzeugfinanzierer Doric will auf einen Schlag 20 Exemplare des Airbus-Flaggschiffs A380 kaufen. Ganz in trockenen Tüchern ist das Geschäft allerdings noch nicht. Die Maschinen sind noch nicht endgültig bestellt. In Le Bourget unterzeichneten Airbus und DAF bislang lediglich eine entsprechende Absichtserklärung.

Das Gesamtvolumen des möglichen Auftrags erscheint allerdings durchaus dazu geeignet, Mitbewerber und EADS-Aktionäre nachhaltig zu beeindrucken: Laut Preisliste kommt die A380-Bestellung auf einen Gesamtwert von 8 Mrd. Dollar (rund 6,0 Mrd. Euro).

Doric will die A380-Jets an mehrere Fluggesellschaften weiterreichen. Einige Kunden habe er schon an der Hand, sagte Doric-Chef Mark Lapidus. Airbus-Verkaufschef John Leahy hielt unterdessen an seinem Ziel fest, in diesem Jahr insgesamt 25 Flugzeuge vom Typ A380 zu verkaufen. Insgesamt will Airbus in diesem Jahr Aufträge für rund 800 neue Flugzeuge einsammeln.

Die Nachfrage nach ganz großen Passagierjets wie der Boeing 747 und dem Airbus A380 war zuletzt stark zurückgegangen. Airbus hatte zuletzt noch knapp 160 Maschinen seines Typs im Auftragsbuch, Boeing hat die Produktion der jüngsten Variante 747-8 sogar zurückgefahren. Die Finanzierung über eine Leasinggesellschaft erleichtere den Fluglinien voraussichtlich die Entscheidung für die A380, sagte Doric-Chef Lapidus.

Lufthansa ordert bei Airbus

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Für Airbus geht es im Auftragseingang zu Beginn der Messe gleich sehr gut weiter. Wie kurz nach der DAF-Einigung bekannt wurde, stockt der Flugzeugfinanzierer ILFC seine Bestellung von Mittelstreckenjets aus der A320neo-Familie von 100 auf 150 Maschinen auf. Dazu zog das Unternehmen Kaufoptionen, die es schon früher mit Airbus vereinbart hatte.

Der Auftrag für die A320neo-Jets kommt damit insgesamt auf rund 5 Mrd. Dollar. Wie hoch der tatsächlich vereinbarte Preis ausfällt, blieb zunächst offen. Bei Flugzeugbestellungen in dieser Größenordnung sind Preisnachlässe im zweistelligen Prozentbereich nicht unüblich.

Bei den Mittelstreckenjets verwandelte Airbus zwei bereits bekannte Bestellungen in feste Aufträge. So zurrte die Deutsche Lufthansa die Erneuerung ihrer Mittelstreckenflotte fest. Lufthansa-Flottenmanager Nico Buchholz und Airbus-Verkaufschef John Leahy unterzeichneten einen schon im März angekündigten Vertrag über 100 Jets der A320-Familie. Bei 30 Maschinen setzt die Lufthansa auf die herkömmliche Version des Fliegers. Die übrigen 70 Exemplare sollen in der modernisierten "neo"-Version mit sparsameren Triebwerken ausgeliefert werden, je zur Hälfte als A320neo und als Langversion A321neo.

Laut Preisliste kommen die 100 Maschinen der EADS-Tochter Airbus auf einen Gesamtwert von 10,4 Mrd. US-Dollar (7,8 Mrd. Euro). Deutschlands größte Fluggesellschaft will damit ihre alternde Flotte erneuern und setzt auf der Mittelstrecke dabei künftig voll auf die Airbus-Flieger. Die verbliebenen Exemplare des Konkurrenzmodells Boeing 737 will die Lufthansa in den kommenden Jahren ausmustern.

Bei den Fliegern der Langstreckenflotte steht der Großteil der Bestellungen noch aus. Zwar hat die Fluggesellschaft eine Bestellung von zwei weiteren Airbus A380 und sechs Boeing 777 angekündigt. Allerdings will Lufthansa-Chef Christoph Franz auch die mehr als 60 Airbus-Langstreckenflieger vom Typ A340 ersetzen. Dazu hat er sowohl den neuen Airbus A350 als auch Boeings 787 "Dreamliner" und die modernisierte Version der 777, die 777-X, im Auge.

Insider spekulieren auf Dreamliner-Langversion

Boeing kommt unterdessen einer Langversion seines "Dreamliners" näher: Der Flugzeugfinanzierer des US-Konzerns General Electric, Gecas, will zehn Exemplare der Langversion abnehmen, deren Bau noch gar nicht beschlossen ist. Für den Langstreckenjet mit der Bezeichnung "787-10" würden rund 100 Bestellungen erwartet, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg zum Messestart.

Einen Preis für die Langversion der 787 "Dreamliner" hat Boeing noch nicht bekanntgegeben. Die bereits fliegende kleine Version kostet rund 207 Mio. Dollar, die mittellange Variante soll nächstes Jahr erstmals ausgeliefert werden. Boeing hat bereits Bestellungen für 890 "Dreamliner" eingesammelt.

Die arabische Fluggesellschaft Qatar Airways winkt Boeing mit einem Milliardenauftrag für bis zu neun Langstreckenjets. Der Chef der Fluglinie, Akbar Al-Baker, unterzeichnete eine Festbestellung für zwei Boeing 777-300ER samt Optionen für weitere sieben Maschinen. Insgesamt hätte der Auftrag für Boeing laut Preisliste einen Wert von 2,8 Mrd. Dollar.

Die verlängerte Version des Dreamliners soll dem Vernehmen nach Platz für mehr als 300 Passagiere bieten und gegen den neuen Airbus A350 antreten, der drei Tage vor Beginn des Pariser Luftfahrtsalons seinen Jungfernflug absolviert hatte.

Auch im Mittelstreckensegment gibt es für Boeing Positives zu berichten: Die japanische Fluggesellschaft Skymark entschied sich, ihre Mittelstreckenflotte mit der sparsameren Neuauflage der Boeing 737, der 737-MAX, zu erneuern. Eine Bestellung dazu gab es allerdings noch nicht. Bisher ist die Gesellschaft mit 30 Exemplaren der herkömmlichen 737-NG unterwegs.

Auch Embraer räumt Bestellungen ab

Auch der brasilianische Flugzeugbauer Embraer hat auf der Pariser Luftfahrtmesse Bestellungen und Vorverträge für mehr als 200 Flugzeuge eingesammelt. Die Fluggesellschaft Skywest orderte 100 Exemplare des Regionaljets E175-E2 und sicherte sich Optionen für weitere 100 Maschinen des Typs, wie Embraer mitteilte. Die 100 fest bestellten Jets haben laut Preisliste einen Gesamtwert von 4,7 Mrd. US-Dollar (3,5 Mrd. Euro).

Der Flugzeugfinanzierer ILFC unterzeichnete den Angaben zufolge zudem eine Kaufabsichtserklärung über 25 Exemplare der Embraer-Flieger E190-E2 und 25 der E195-E2. Fünf weitere Kunden hätten ihre Kaufabsicht für zusammen 65 E-Jets E2 erklärt, hieß es.

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Quelle: n-tv.de

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