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Sieben Stunden, ein Triebwerk: Airbus will auf die Ultralangstrecke

Airbus lässt von den europäischen Flugaufsehern seine A350 auf Herz und Nieren prüfen. Das Ziel: Der Langstreckenflieger soll zur Ultralangstreckenmaschine werden. Das hätte nicht nur für den Konzern im Ringen mit Boeing Vorteile.

Airbus läutet im Kampf gegen den Erzrivalen Boeing die nächste Runde ein. Der europäische Flugzeugbauer nimmt sich dafür des Themas Ultralangstrecke an:  Der Konzerns will seine neuesten Maschinen bald bis zu sieben Stunden vom nächsten Notlandestreifen entfernt fliegen lassen. Zu diesem Zweck prüft Airbus für die Flugaufseher gerade seine A350 auf Herz und Nieren. Die A350 soll bis zum Jahresende an den Erstkunden Qatar Airways ausgeliefert werden. Sie könnte im Vergleich zu anderen Modellen mit zwei Triebwerken ultralange Routen über Polarregionen oder Ozeanen passieren.

Sollten die europäischen Aufseher in den kommenden Jahren grünes Licht geben, könnte der Langstreckenflieger direktere Flugrouten einschlagen. Das spart Reisezeit und Kerosin. Außerdem würde Airbus das einen relevanten Marketingvorteil gegenüber Boeing verschaffen. Die A350 könnte dann nahezu alle Langstrecken fliegen, ohne dass Fluggesellschaften bei der Gestaltung der Flugrouten Zugeständnisse machen müssten, um näher an potenziellen Ausweichlandepisten zu bleiben.

Triebwerke immer zuverlässiger

Allgemein spiegelt Airbus' Vorstoß die Zuverlässigkeit der neuesten Generation von Triebwerken wider. Viele US-Zivilpiloten müssen während ihrer kompletten Fliegerkarriere niemals ein beschädigtes oder schlecht funktionierendes Triebwerk abschalten. "Triebwerksausfälle sind seit Langem kein wichtiger Grund für große Flugunfälle mehr", sagt Branchenberater Bob Matthews. Bei US-Airlines gebe es nur etwa alle 16 Millionen Flüge ein ernsthaftes Triebwerksproblem, so Matthews. Manche Triebwerks-/Flugzeugkonstellationen würden jahrelang ohne Triebwerksvorfälle fliegen. Noch bis in die 1990er Jahre hinein galt die Richtlinie der US-Flugaufsichtsbehörde FAA von einem Triebwerksausfall alle 100.000 Flugstunden.

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Airbus-Erzrivale Boeing darf manche seiner Maschinen bis zu fünfeinhalb Stunden von der nächsten Notlandemöglichkeit entfernt fliegen lassen. Als Airbus die Pläne für die A350 vorstellte, wollte Boeing beim ehrgeizigen Ziel von sieben Stunden nicht nachziehen. Für sein Großraumflugzeug A330-300 hatte Airbus bereits die Erlaubnis für Flüge vier Stunden entfernt von einem Notlandeplatz ergattert.

Flüge direkt nach Australien

Airbus muss jetzt zunächst einmal die europäischen Aufseher davon überzeugen, dass die A350 sieben Stunden lang sicher mit nur einem Triebwerk fliegen kann. Außerdem müssen Ausrüstungen - wie etwa das Brandschutzsystem - genau so lange durchhalten. Erst nach einem möglichen "Ja" der Europäer wird die FAA um Erlaubnis gebeten.

Zugeständnisse der Flugaufseher würden für Modelle mit zwei Triebwerken ganz neue Routen ermöglich. So könnten sie direkt von Australien nach Brasilien fliegen.

Bevor lange Flugstrecken mit zwei Triebwerken Standard wurden, waren viele Piloten und Gewerkschaftsführer skeptisch. Die Regulatoren verlängerten die Zeit nur langsam und widerwillig von 120 auf 180 bis auf aktuell maximal 207 Minuten von der nächsten Notlandemöglichkeit entfernt. Für Maschinen mit vier Triebwerken - wie Boeings Jumbo 747 sowie die A340 und A380 - gelten andere Regeln.

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Quelle: n-tv.de

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