Wirtschaft
Der Immobilienkonzern GSW steckt in einer Führungskrise.
Der Immobilienkonzern GSW steckt in einer Führungskrise.(Foto: picture alliance / dpa)

Paukenschlag bei Berliner Immobilienkonzern: Aktionäre putschen gegen neuen GSW-Chef

Die Aktionäre des Berliner Immobilienkonzerns GSW entziehen dem neuen Chef Bernd Kottmann das Vertrauen. Aus Sicht vieler Anleger hatte Kottmann in der Vergangenheit nicht grade ein glückliches Händchen. Und seine Berufung roch nach Vetternwirtschaft.

Eklat bei der Berliner Immobiliengesellschaft GSW: Die Aktionäre wollen den gerade erst berufenen Firmenchef in die Wüste schicken. Die Hauptversammlung entzog Bernd Kottmann am Dienstag mit satten 63,31 Prozent der abgegebenen Stimmen das Vertrauen, wie GSW mitteilte. Knapp davon kam dagegen der GSW-Chefaufseher Eckart John von Freyend, der Kottmann zur GSW gelotst hat. Ein Abberufungsantrag gegen ihn selbst scheiterte.

Der niederländische Investor PGGM hatte den Putsch angezettelt. PGGM wirft John von Freyend eine überstürzte und schlechte Wahl bei der Neubesetzung des Vorstandschefs vor. Der Pensionsfonds, der weltweit 140 Mrd. Euro angelegt hat und eigentlich nicht für einen aggressiven Stil bekannt ist, besitzt selbst nur 2,6 Prozent der GSW-Anteile. PGGM hatte aber an die Miteigentümer appelliert, sich gegen das Top-Management zu stellen. Der Stuttgarter Rechtsanwalt Felix Born sagte im Namen von PGGM, eine Abwahl sei im Interesse des Konzerns. "Kottmann hat nicht das beste Profil." Eine interne Lösung wäre möglich und besser gewesen.

Kottmann war lange im Vorstand des Büroimmobilienkonzerns IVG, dort über Jahre für das operative Geschäft zuständig, zuletzt dann Finanzchef. Das Unternehmen, bei dem auch John von Freyend tätig war, gilt heute als Sanierungsfall. Deswegen steht nun der Vorwurf eines Interessenskonfliktes und der Vetternwirtschaft im Raum, wie auch viele Kleinaktionäre kritisierten.

Vergangenheit bei abgestürztem Konzern

Der Aufsichtsrat kündigte nach der Abstimmung an, kurzfristig zu einem Treffen zusammenkommen zu wollen. Personelle Konsequenzen wurden aber noch nicht angekündigt. Kottmann kann trotz des Votums im Amt bleiben, ist jetzt aber schwer angeschlagen. Es ist denkbar, dass er selbst Konsequenzen zieht. Ein PGGM-Sprecher sagte: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Aufsichtsratschef muss sofort seinen Hut nehmen."

Vorstand und Aufsichtsrat hatten sich zuvor auf der turbulenten Hauptversammlung gegen die Vorwürfe gewehrt. John von Freyend sagte, Kottmann sei nicht innerhalb weniger Tage ausgewählt worden, sondern Anfang des Jahres innerhalb gut eines Monats. "Es wurden zahlreiche andere Kandidaten geprüft." Zuletzt hätten noch vier Personen auf der Liste gestanden. Kottmann sei fachlich am besten geeignet gewesen. Seine Wahl sei im Kontrollgremium zudem ohne Gegenstimme erfolgt. Die anderen Vorstände wurden nach eigenen Angaben nicht gefragt, neuer GSW-Chef zu werden.

Kottmann selbst verwies auf 25 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche. Die IVG-Misere sei durch die Immobilien- und spätere Finanzkrise in den USA ausgelöst worden und nicht durch Missmanagement im Vorstand. Er widersprach zudem Anschuldigungen, er wolle die bewährte Strategie der GSW ändern. "Wir wollen ausschließlich in Berlin wachsen." Dort hat die GSW 60.000 Wohnungen. Eine Expansion in andere Regionen stehe nicht auf der Agenda.

Quelle: n-tv.de

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