Wirtschaft
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Samstag, 14. Januar 2012

Rating-Schläge "nicht nachvollziehbar": Allianz-Ökonom kritisiert S&P

Die Herabstufung von neun Euro-Staaten durch S&P stößt in Fachkreisen auf Unverständnis und Zweifel. Mit der Einmischung in die europäische Geldpolitik habe die US-Ratingagentur ihren Aufgabenbereich überschritten, stellt fest Allianz-Volkswirt Schneider fest. Schwer abzuschätzen sei, wie die Märkte auf das S&P-Urteil reagieren.

Die jüngsten Herabstufungen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sind nach Einschätzung von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider nicht gerechtfertigt.

"Angesichts der weitreichenden Reformen in vielen Krisenländern der Eurozone sind sie nicht nachvollziehbar", sagte Schneider, stellvertretender Chefvolkswirt bei der Allianz. Der jüngste EU-Gipfel hat nach seiner Einschätzung mit dem Fiskalpakt große Fortschritte gebracht. S&P hätte hier zumindest die weitere Ausgestaltung auf dem nächsten Gipfeltreffen Ende Januar abwarten können.

Eine sich vorübergehend abschwächende Konjunktur rechtfertigt laut Schneider keine Herabstufung. "Die Aufgabe der Ratingagenturen ist es, die langfristige Solvenz von Staaten zu beurteilen." Zudem seien die konjunkturellen Aussichten gar nicht so ungünstig.

Vor allem aber würden die Reformanstrengungen von Ländern wie Italien, Spanien aber auch Frankreich nicht gewürdigt. "Gerade im Falle Italiens ist eine Herabstufung kaum verständlich. Die neue Regierung von Mario Monti hat weitreichende Spar- und Reformanstrengungen unternommen", sagte Schneider. Die Neuverschuldung habe zuletzt im dritten Quartal positiv überrascht und die jüngsten Auktionen von Staatsanleihen seien gut angenommen worden.

Banger Blick Richtung Börse

Die Forderungen der Ratingagenturen nach einem größeren Einsatz der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisierte Schneider scharf. "Die Agenturen überschreiten hier ihren Aufgabenbereich, indem sie die Geldpolitik beurteilen und die Notenbank zu mehr Staatsanleihekäufen drängen." Die Marktreaktionen zu Beginn der kommenden Woche seien schwer abzuschätzen. "Ich hoffe, dass die Märkte hier gelassen reagieren", sagte Schneider. Angesichts der unsicheren Lage in Griechenland sei aber auch eine große Nervosität vorstellbar.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat am Freitagabend in einem Rundumschlag unter anderem die Bonitätsnoten von Frankreich, Österreich, Italien und Spanien herabgestuft. Deutschland kam ungeschoren davon und behält sein Top-Rating. Auch Portugal, Zypern, Malta, die Slowakei und Slowenien erhielten schlechtere Noten. Teils rutschen die Eurostaaten laut S&P um bis zu zwei Stufen ab. Das dürfte es schwerer und teurer machen, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Damit Rettungsfonds EFSF braucht Hilfe .

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Quelle: n-tv.de

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